Die Dienstagskolumne: Amnesie bei Auslosungen

Wunschlos, glücklich?

»Welchen Gegner würden Sie sich wünschen?« Eine der häufig gestellten Fragen vor Auslosungen. Unser Kolumnist Trainer Baade erläutert die verschiedenen Antwort-Varianten und spricht über die Kakophonie des »hätte, wäre, wenn«. Die Dienstagskolumne: Amnesie bei Auslosungen

Die 11FREUNDE-Dienstagskolumne: Jeden Dienstag machen sich  Lucas Vogelsang, Titus Chalk und Frank Baade im Wechsel Gedanken über den Fußball, die Bundesliga und was sonst noch so passiert. Wenn unser heutiger Kolumnist Frank Baade nicht gerade für uns malocht, schreibt er auf seiner Webseite über den Fußballgott und dessen irrationales Wirken in den Bundesligen, bei den Welt- und Europameisterschaften dieser Fußballwelt.

Die Königsdisziplin der sinnfreien Fragen rund um den Fußballsport ist die Frage danach, welchen Gegner sich ein Spieler, Trainer oder Präsident im Rahmen einer Auslosung wünscht. Eine Frage, die zu stellen nur dann sinnvoll wäre, wenn der geäußerte Wunsch Einfluss auf das spätere Resultat der Auslosung hätte. Was nun mal nicht der Fall ist. (Sofern es stimmt, dass das Ammenmärchen von den warmen und kalten Loskugeln nur ein solches ist.)


Er lohnt sich also für ihn nicht, sich etwas zu wünschen, gefragt wird er trotzdem. Wer schließlich der Gegner sein wird, entscheidet abgesehen von komplizierten Setzsystemen, die länger zu erklären dauerte als noch die aufgeblähteste Auslosungszeremonie Zeit in Anspruch nimmt, Fortuna, die Glücksgöttin, ganz allein.

Die Antwort-Varianten

Das Tolle an der Königsdisziplin bei den sinnlosen Fußballerfragen ist allerdings, dass der so Interviewte diesen Brauch des Sendezeitfüllenmüssens völlig frei beantworten kann, ohne dass ihm je jemand einen Strick draus drehen würde. Irgendetwas muss er bekanntlich antworten, wenn er gefragt wird.

Dafür existieren ein paar naheliegendere Varianten und ein paar unterhaltsamere Varianten.

Er kann jene wählen, die schlicht die Realität beschreibt: Dass er ohnehin mit dem wird vorlieb nehmen müssen, was die Auslosung ihm präsentiert. Auch wenn das alle Beteiligten immer und jederzeit schon vorher wussten.

Er kann etwas für oder gegen sein Image tun, wenn er zugibt, gegen jenen kleineren oder den anderen spielstarken Gegner eigentlich doch ganz gerne antreten zu wollen. Respektive dass er noch ein wenig Verbundenheit mit seinem ebenfalls im Lostopf befindlichen Ex-Verein spürt. Eine Verbundenheit, welche natürlich mit Betreten des Platzes stante pede nicht mehr auffindbar wäre, sonst drohte doch noch Ärger mit den eigenen Fans.

Allgemeine Amnesie

Er kann sogar ein wenig über seine kleineren und größeren Alpträume verraten, wenn er nämlich preisgibt, gegen welchen Gegner er am liebsten nicht anträte. Mag ihm das auch als Feigheit vor dem Feind ausgelegt werden, es wird dennoch »am Ende des Tages« kein weiteres Wort darüber verloren werden.

Denn allen Varianten gemein ist, dass ihr Erinnerungswert den der ohnehin extrem kurzlebigen Fußballerantworten noch unterschreitet. Im selben Moment, in dem die entscheidende Loskugel geöffnet wird, fallen alle Antworten auf die Frage nach dem Wunschlos der allgemeinen Amnesie anheim, welche früher oder später jegliche Töne aus der Kakaphonie des »hätte, wäre, wenn« ereilt.

Der Antwort in der Königsdisziplin, der Frage nach dem Wunschgegner, widerfährt dies schlicht besonders schnell.

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