Die DFL, die »Bild« und die Flüchtlinge

Ist »Bild« der richtige Partner?

Trotzdem bleiben mehrere Unklarheiten. Denn zum einen wirbt die DFL mit der Aktion, andererseits erklärt sie aber, dass die Hoheit über die Inhalte, die über den Werbeplatz auf dem Ärmel präsentiert werden, alleine bei dem Sponsor liegt. So oder so stellt sich die Frage, ob die Entscheider nicht ein wenig mehr Fingerspitzengefühl bei der Wahl des Partners hätte beweisen müssen.

Ob also eine Zeitung, die in den vergangenen Jahren nicht gerade für eine herzliche deutsche Willkommenskultur stand, der richtige Partner für so eine Aktion ist. Eine Zeitung, die  noch vor wenigen Monaten mit Schlagzeilen wie dieser Stimmung machte: »Sanitäter tragen Schutzwesten aus Angst vor Attacken im Asyl-Hotel« (8. September 2014). Oder dieser: »Rentner raus, Flüchtlinge rein« (11. März 2014). Und die regelmäßig voller Sorge fragt, wie viel Euro im Monat ein Asylbewerber von der Bundesrepublik bekommt, während die deutschen Hartz-IV-Empfänger kaum noch Brotkrumen zum Leben haben. Nun hat sich die »Bild« also die Hilfe für Flüchtlinge auf die Fahne geschrieben. Als wolle man mal eben schnell ein Feuer löschen, das man zumindest teilweise selbst gelegt hat.

Alles ist geplant, powered by
 
Zuletzt zeigt die ganze Aktion, wie weit sich Protagonisten des Fußballs, die Sponsoren und auch die Liga, von so etwas wie Emotion, Spontaneität oder Authentizität entfernt haben. Nichts, so scheint es, passiert mehr aus einem Gefühl heraus, aus einer Empfindung, dass etwas gut ist und man sich deswegen einfach mal ungefiltert und ungebranded dafür engagiert. Alles ist geplant, alles ist kalkuliert, powered by. Selbst ein Thema wie »refugees welcome«.
 
Und selbst wenn »Hermes« unabhängig von der DFL die »Bild«-Kooperation eingegangen ist, strahlt sie nach außen wie eine gemeinsame Aktion. Kai Diekmann bedankte sich jedenfalls am Dienstagmorgen. Nicht bei »Hermes«, sondern bei der Liga: »Was für eine großartige Geste! Danke, liebe @bundesliga_de«, twitterte der »Bild«-Chefredakteur. Wobei man nicht so recht wusste, ob er sich bedankte, weil sich die Bundesliga für Flüchtlinge einsetzt – oder weil er es so toll findet, dass am Wochenende mehr als 400 Erst- und Zweitligaspieler Werbung für seine Zeitung machen.

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