27.03.2013

Die DFB-Elf in der Einzelkritik

Abendlatte

Gegen Kasachstan traf die DFB-Elf sechsmal Pfosten oder Latte. War die »falsche Neun« Schuld? Mario Götze? Marco Reus? Marcell Jansen? Blödsinn! Die DFB-Elf hat sich ein Vorzeigezeugnis verdient. Die Einzelkritik.

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Die Defensive

Manuel Neuer
45 Minuten lang bekam Neuer so wenig zu tun wie ein Security-Mann im Tante-Emma-Laden und auch in der Halbzeit dürfte Deutschlands Nummer Eins wenig Chancen gehabt haben, endlich auf eine vernünftige Betriebstemperatur zu kommen. Dann erbarmte sich Per Mertesacker kurz nach der Pause mit einem Rückpass, Neuer versuchte die Situation »spielerisch zu lösen« (O-Ton Neuer), übersah dabei den im toten Winkel herangesprinteten Dscholtschijew, verlor den Ball und schenkte damit dem Deutsch-Kasachen Heinrich Schmidtgal den Ehrentreffer. Es kam, was kommen musste, wenn ein Bayern-Torwart vor Partyhut-Fans aus Nürnberg patzt: höhnisches Geraune, bei jedem weiteren Neuerschen Ballkontakt. Jogi Löw regte das tierisch auf – jedenfalls für seine Verhältnisse. Seine Versuche, mit bedrohlichen Gesten die Zuschauer zum Schweigen zu bringen, waren in etwa so angsteinflößend wie der anfangs erwähnte Tante-Emma-Türsteher.

Philipp Lahm
Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk, läuft und läuft wie einst der VW-Käfer – langsam gehen einem die passenden Vergleiche aus, um das Spiel von Philipp Lahm zu beschreiben. Man kann von dem deutschen Kapitän ja halten was man möchte, aber kein anderer Nationalspieler zeigt seit Jahren so konstant Spitzenleistungen wie der kleine Außenverteidiger. Sein Sololauf vor dem 2:0 durch Mario Götze war sicherlich eines der Highlights des Spiels.

Per Mertesacker
100 Meter ist Per Mertesacker groß. Mindestens. Aber noch immer hat er kein einziges Kopfballtor für die Nationalmannschaft erzielt. Und das in 88 Versuchen! Merke: Ein Torjäger wird der Mann vom FC Arsenal nicht mehr werden, dafür strahlt die blonden Bohnenstange inzwischen eine ansteckende Bärenruhe aus, die irgendwie an eine Mischung aus gemütlichem Großvater und dem Paten erinnert: Alles schon mal gesehen, alles kein Problem. Wir sind soo kurz davor, Per Mertesacker als »cool« zu bezeichnen.

Jerome Boateng
Vielleicht war er der unauffälligste Spieler auf dem Platz: Jerome Boateng machte in der Defensive treu und brav seine Arbeit, weil die allerdings so anstrengend war, wie der Gang zum Klo, war das nicht der Rede wert. Offensiv? Tauchte Boateng hier und da mal kurz vorm gegnerischen Strafraum auf, aber auch nur, um die Kurzpasskünste seiner Vorderleute zu bestaunen. Schön, dass auch Nationalspieler völlig belanglose Arbeitstage haben können.

Marcel Schmelzer
Wehe, wenn er losgelassen! Bei Marcel Schmelzer hatte man auch gestern den Eindruck, dass er eigentlich noch viel mehr kann – wenn er sich denn traut. Seine Vorstöße hatten jedenfalls was Christian-Ziege-artiges (also der junge Christian Ziege), nur streut Schmelzer diese Läufe doch relativ selten in sein Spiel ein. Defensiv konnte man dem Dortmunder bis auf wenige Minuten in der zweiten Halbzeit keine Vorwürfe machen, allerdings tat es der Linksverteidiger da nur seinen Kollegen gleich – und fiel kurzzeitig in den Winterschlaf.

Sami Khedira
Das Überangebot im zentralen deutschen Mittelfeld ist beängstigend. Und doch wird Sami Khedira auf lange Sicht der Stammplatz wohl nicht zu nehmen sein. Körperlich ist kein anderer deutscher Mittelfeldmann so präsent wie der Mann von Real Madrid, sein Zusammenspiel mit Kreativkraft Özil ist dank täglicher Zusammenarbeit immer wieder eine Augenweide. Und inzwischen ist Khedira auch noch ziemlich torgefährlich. Sagen wir es doch wie es ist: Deutschland kann sich sehr glücklich schätzen, einen Spieler wie Khedira in den eigenen Reihen zu haben.

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