Die DFB-Auswahl vor dem Spiel gegen Israel

Ein Test ist ein Test

Im letzten Testspiel vor der Europameisterschaft tritt die deutsche Nationalmannschaft heute Abend gegen Israel an. Während das Volk schon murrt und an der wahren Stärke der Elf zweifelt, bleibt der DFB-Tross ganz gelassen.

Der israelische Fußball-Verband hat im vergangenen Jahr einen perfiden Spionageangriff auf die deutsche Nationalmannschaft gestartet. Die Israelis schleusten ihren Mitarbeiter Eli Guttmann in deren Epizentrum. Guttman hielt sich drei Tage in Hamburg auf, wo Bundestrainer Joachim Löw sein Team auf das Spiel gegen Holland vorbereitete. In ihrer grenzenlosen Naivität gewährten die Deutschen dem Gast aus Israel vollen Einblick in die Abläufe der Mannschaft. »Er war bei den Trainingseinheiten dabei und hat relativ viel von unserer Denkweise und unserer Philosophie erfahren«, hat Löw berichtet. Anderthalb Monate nach seinem Aufenthalt in Hamburg wurde Guttman dann zum neuen Nationaltrainer der israelischen Nationalmannschaft befördert, die heute (20.30 Uhr, live in der ARD) in Leipzig auf Deutschland trifft.
Die Deutschen nehmen den Wettbewerbsvorteil, den sich die Israelis erschlichen haben, denkbar gelassen hin. „Man sollte nicht zu viel erwarten von solchen Tests“, sagt zum Beispiel Philipp Lahm. Die allgemeine Aufregung, die sich am dürftigen Auftritt bei der 3:5-Niederlage in der Schweiz entzündet hat, wird bei der Nationalmannschaft zwar registriert, aber nicht überbewertet. Am allerwenigsten lässt sich Löw von der anschwellenden Hysterie irritieren, auch wenn er in Leipzig einen hartnäckigen Gegner erwartet, der sich vermutlich nicht mit 7:1 wegfegen lässt wie beim letzten Duell vor zehn Jahren. „Ein gutes Ergebnis wäre wünschenswert“, sagt Löw. Mehr aber auch nicht. Für den Bundestrainer ist das Spiel gegen Israel, den 58. der Weltrangliste, vor allem ein weiterer Test, der ihm die Chance eröffnet, noch einmal etwas auszuprobieren. „Das wird mir letzte Aufschlüsse geben“, sagt er.

Wie ersetzt man Schweinsteiger?

Eines der Experimente in Leipzig wird sein: Wie ersetzt man Bastian Schweinsteiger, ohne dass die Qualität der Mannschaft darunter leidet? Wobei die sportliche Leitung immer noch der Ansicht ist, dass dies kein Test für den Ernstfall ist. Auch wenn der Münchner seit Montag wegen eines Blutergusses in der Wade nicht mehr mit der Mannschaft trainiert hat, hat Teammanager Oliver Bierhoff mit Blick auf die EM »volles Vertrauen, dass es gehen wird«. Er glaube nicht, dass Schweinsteigers Verletzung ein großes Problem für das Turnier sein werde.
Unter besonderer Beobachtung steht heute auch die deutsche Defensive, die sich am Samstag in Basel selten tölpelhaft angestellt hat.

Nach den Eindrücken aus dem Abschlusstraining am Mittwoch in Tourrettes werden Per Mertesacker und Mats Hummels erneut die Innenverteidigung bilden. Möglicherweise wird Holger Badstuber zur zweiten Hälfte in die Mannschaft rücken. Philipp Lahm soll, anders als zuletzt bei den Bayern, links verteidigen. »Das hat aber noch nichts damit zu tun, wie wir gegen Portugal spielen«, sagt Löw. Die Entscheidung, wo er seinen Kapitän im ersten EM-Spiel aufbietet, soll erst nächste Woche fallen. Lahm selbst geht »mit dem Thema ganz locker um: Ich weiß, dass ich auf beiden Seiten absolutes Topniveau habe.«

Das kann man von der Mannschaft generell noch nicht behaupten, ist für den Bundestrainer aber kein Grund zur Sorge. Nach der Ankunft am Montag im polnischen Sopot wird Löw mit dem Team an den Feinheiten arbeiten. „Ich sehe eine gewisse Trainingsarbeit in den nächsten Tagen auf uns zukommen“, sagt er. »Aber wie immer vor einem Turnier werden wir es auch diesmal wieder schaffen, stabiler, ausgewogener und dynamischer zu sein.«

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