23.06.2012

Die deutschen Spieler in der Einzelkritik

Silberlocke, Tigerschuss und Apfelschürrle

Mit 4:2 überrollte Deutschland defensive Griechen. Aber war auch alles Gold, was glänzt? Unsere Einzelkritik sah Neuer den Greenkeeper mimen, Lahm als Benjamin Button und eine Explosion von Mesut Özil.

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Manuel Neuer

Hatte sich vor dem Spiel gewundert, wie die Griechen überhaupt zu Toren kommen. Bekam zwei eingeschenkt und war trotzdem nicht schlauer. Beim Ausgleich versagten die besten Hoden der Welt den Dienst. Ansonsten füllte Neuer die Vierer- zur Fünferkette auf, prüfte in akribischer Regelmäßigkeit die Rasenqualität um den Mittelkreis und ballte bei deutschen Offensivaktionen die Fäuste. Auch das regelmäßig, nämlich viermal.

Jerome Boateng

Ersetzte Senkrechtstarter Bender, fing aber eher horizontal an, sprich: flach. Im Angriff mutlos, beim Ausgleich überrannt. Auch wenn der ZDF-Schutzbefohlene Béla Réthy den Berliner zu decken versuchte (»Der Fehler lag vorne«), lag der Fehler natürlich auch hinten, sprich: bei Boateng. Seinem ersten Sprint war anzusehen, dass er den Griechen den Steilpass auf Salpingidis nicht zugetraut hatte. Seinem zweiten Sprint war anzusehen, dass er Salpingidis den Querpass auf Samaras nicht zugetraut hatte. Ein dritter Sprint wurde obsolet, weil der Ball da schon hinter Neuer im Netz lag. In der Schlussphase mit den Händen so fehlgeleitet wie zuletzt bei Gina-Lisa.

Mats Hummels

Der beste Innenverteidiger der Euro blieb auch gegen die Griechen ohne Fehl und Tadel. Probierte sich an dem Vorhaben, seine Zweikampfbilanz auf 120 Prozent zu schrauben. Wenn diese mathematische Unmöglichkeit jemandem gelänge, dann Hummels. Der Dortmunder spielt manchmal absichtliche Fehlpässe, nur um den Ball dann mit pirouettiertem Tackle zurückgewinnen zu dürfen. Zinédine Zidane ist ein großer Fan von ihm. Wir auch.

Holger Badstuber

Wenn er wütend wird, erinnert Badstuber an den Beißer aus »Moonraker« und »Der Spion, der mich liebte«. In solche Momenten verkantet sich seine ganze Physiognomie und der Oberkiefer mahlt bedrohlich. Gestern gab es indes nur selten Anlass, wütend zu werden. Die Griechen bissen sich an ihm (und Kollege Hummels) die Zähne aus. Joachim Löw ist ein großer Fan von ihm. Wir auch.

Philipp Lahm

Lässt sich der Linksverteidiger etwa in Brandy konservieren wie einst Admiral Horatio Nelson? Alterte in der 39. Minute um sechs Jahre zurück. Zog als der Lahm aus dem Sommermärchen nach innen, und Griechenland war nicht Griechenland, sondern Costa Rica. Im Ertrag glichen sich die beiden Parallelwelten wieder aus, es stand hernach 1:0 für Deutschland. 2006 reloaded. Im Halbfinale darf Lahm aber gerne wieder der Lahm der Jetztzeit werden, damit die deutschen Ambitionen nicht an Italien zerschellen.

Bastian Schweinsteiger

Lässt sich definitiv nicht in Brandy konservieren, das belegen schon die ergrauten Schläfen. Ein schläfriges Grauen waren Schweinsteigers Fehlpässe in der Anfangsviertelstunde – gefühlt zehn, gezählt vier. Häuptling Silberlocke keilte sich irgendwann, im Windschatten des jugendlichen Sami Khedira, in die Partie, auch weil er sicherlich nicht seine eigens herbeigejetsettete Duz-Freundin Merkel enttäuschen wollte. Die Staatsmutter dankte ihm die ansteigende Formkurve im zweiten Durchgang mit entrücktem Klatschen.

Sami Khedira

Tanzt derzeit auf der Sonnenseite des Lebens. Verlobt mit den längsten Beinen Deutschlands, verliebt in die Rolle des box-to-box-players, verheiratet im defensiven Mittelfeld mit Bastian Schweinsteiger. »Vielleicht der kompletteste Spieler im Team von Joachim Löw«, tönte das ZDF in einem Teaser und könnte damit Recht behalten. Khedira ist überall. Hinten im Zweikampf, vorne beim Brachialvolley. Sein Tor öffnete die Tür zur Transzendenz des Paradieses. Alles wurde Licht. Sonnenseite eben.

Offensive: Von Reus bis Götze

 
 
 
 
 
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