18.06.2012

Die deutschen Spieler in der Einzelkritik

Das ganze Leid dieser Welt

Neuer tanzt auf der Rasierklinge, Bender empfiehlt sich für London 2012, Klose rutscht auf seiner Erfahrung aus und Mesut Özil leidet - Die deutsche Mannschaft in der Einzelkritik.

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Manuel Neuer

Fast so beschäftigungslos wie das Flughafenpersonal Berlin-Brandenburg. Irgendwann kam ihm der Gedanke, seine fußballerischen Fähigkeiten könnten sich noch nicht bis nach Dänemark herumgesprochen haben. Wollte deshalb unbedingt den Beweis derselben erbringen. Dribbelte in der ersten Halbzeit gegen Krohn-Dehli, ging nach der Pause ins Laufduell mit Bendtner. »Da hat er nichts zu suchen«, bellte Tom Bartels, einer Panikattacke nahe. Weil beide Male nichts passierte, werden die Ausflüge unter modernem Torwartverhalten verbucht. Beim Gegentor allerdings auch als moderner Torwart ohne Chance.

Lars Bender

Mehr Kitsch hätten auch die Drehbuchschreiber vom »Forsthaus Falkenau« nicht in diese Partie pressen können. Bender avancierte bei seinem Startelfdebüt zum Helden. Zwar wird der Wahnsinnige, der ihn beim Eckball dem dänischen Funkturm Bendtner zuteilte, noch per Haftbefehl gesucht – aber davor und danach verteidigte Bender den rechten Flügel solide. Empfahl sich in der 80. Minute mit einem Carl-Lewis-Gedächtnissprint über die volle Distanz für Olympia 2012. Bekam Applaus von allen Seiten (Höwedes, Boateng, Löw, Drehbuchschreiber). Und jetzt? Sieht Schattenbundestrainerin Gina-Lisa vielleicht einen Zweikampf mit ihrem Jerome.

Holger Badstuber

Klotzte mit der Physiognomie eines Wandschranks die spärlichen dänischen Angriffe weg. Paktierte mit Partner Hummels im Bestreben, die meisten Ballkontakte via Querpass zu sammeln. Das klappte ganz gut, war aber eigentlich schlecht, weil es die mangelnde Bewegung im deutschen Mittelfeld spiegelte. Wurde einmal von einem Flugball auf (natürlich) Bendtner überrascht, wollte die Überraschung mit feistem Textiltest ausgleichen. Schiedsrichter, denen die Pfeife lockerer im Mundwinkel klebt, haben dafür schon Elfmeter gegeben.

Mats Hummels

Der Orlando Bloom der deutschen Defensive schwebte über den Rasen wie weiland Legolas. Hat sich bei Lahm die halbgestandene Sprunggrätsche abgeschaut, die inklusive Horizontaldrehung in sofortigem Gegenstoß mündet. Kann Angriffe mit jedem Körperteil abfangen, im Zweifelsfall mit seinem Moustache. Übernahm nach dem Ausgleich die Bewachung von (natürlich) Bendtner bei hohen Bällen jedweder Art. Bekam leider, anders als gegen die Niederlande, offensiv nicht die Gelegenheit, mit keckem Grinsen durch einen Bildausschnitt zu spazieren, in dem drei Gegenspieler die Erfindung des Fußballs verfluchen.

Philipp Lahm

Trieb den Ball so oft nach innen wie sonst nur Arjen Robben. Fand aber selten einen Abnehmer. Im Zweikampf stark, in Zentimetern klein, im Aftermatchinterview heiser. Zwar ist Lahm immer heiser, gegen Dänemark hätte die kratzige Stimme aber auch vom Dauerkommando rühren können, mit dem er seine Kollegen zu dirigieren suchte. Summa summarum ein umsichtiger Kapitän, der sich den Lutschbonbon verdient hat.

Sami Khedira

Hätte den Award, der später Podolski (siehe Podolski) verliehen wurde, sehr viel mehr verdient gehabt. Warpte sich von Strafraum zu Strafraum, spielte die Pässe, die Özil, der mit anderem beschäftigt war (siehe Özil) nicht spielen konnte, biss, trieb, kämpfte, siegte. Stellte Schweinsteiger klar in den Schatten und den deutsche Fans unter Beweis, dass er bei Mourinho einen Entwicklungssprung gemacht hat wie sonst nur Pubertierende zwischen 15 und 17. Heimlicher Man of the Match.

Schweinsteiger bis Kroos

 
 
 
 
 
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