Die Christoph Metzelder-Kolumne

»Mäzenatentum ist wichtig!«

Der Nationalspieler Christoph Metzelder engagiert sich seit geraumer Zeit für seinen Heimatverein TuS Haltern. In seiner Kolumne spricht er nun alle zwei Wochen über die Probleme des Amateurfußballs und das Projekt TuS Haltern. Die Christoph Metzelder-KolumneImago Eines vorab: Mäzenatentum ist wichtig!

Privates Geld in Sport und Kultur ist nicht nur gerne gesehen, sondern in Zeiten leerer öffentlicher Kassen dringend notwendig! Dieses Engagement ist lobenswert, zumal es keine Investition ist, um Profit zu erzielen – ganz im Gegenteil. Häufig geht es um eine persönliche Imagebildung als »Gutmensch« - in den meisten Fällen aber um Herzensangelegenheiten. Und dass der Fußball weniger den Verstand, als vielmehr Gefühl und Herz anspricht, das braucht man dem deutschen Fußballfan nicht zu erklären!
 
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Und genau in dieser Hinsicht entwickelt sich das Phänomen »Mäzenatentum« zu einer Problemzone. Da der Fußball ein Wettkampfsport und damit voller Emotionen verbunden ist, werden fast alle Entscheidungen dem »Diktat« des Erfolges untergeordnet. Es zählen nur Siege, Meisterschaften und Aufstiege in die nächst höheren Ligen. Dafür muss Geld investiert werden - und nicht in Trikots, Bälle oder kippsichere Tore, sondern in Spieler, die den Erfolg garantieren sollen.

Mit 300 Euro lockt man niemanden in der 8.Liga

Wenn ich höre, dass in Bezirksligen (8. Spielklasse) Spieler bis zu 600 Euro dafür bekommen, dass sie (Hobby-)Fußball spielen, dann ist das ein starkes Stück. Nur mal zum Vergleich: In meinem ersten Seniorenjahr bei Preußen Münster, 1999/2000 in der 3. Liga, bekam ich als 18-jähriger Vertragsspieler 630 Mark steuerfrei. Das war als Abiturient sehr viel Geld. Aber wir reden hier von der 3. Liga und der Arbeit unter Profibedingungen. Dies bedeutete tägliches Training, Auswärtsfahrten bis nach Kaiserslautern und Pirmasens, Wintertrainingslager in Mallorca etc.. Und zehn Jahre später kann man mit dieser Summe keinen Spieler mehr in die 8. Liga locken?? Da gehört nicht viel Fußballsachverstand dazu, um zu verstehen, dass sich grundlegende Dinge geändert haben.  

Auch hier reden wir über eine Entwicklung, die der Profifußball vorgibt. Seit dem Bosman-Urteil hat sich die Position der Profifußballer in Gehaltsverhandlungen deutlich verbessert. Gleichzeitig explodierten die Ablösesummen für Spieler. In derselben Zeit haben sich die Einnahmen der Vereine ebenso signifikant erhöht. Einfach gesagt: Die Protagonisten, also die Profifußballer, erweitern den Kuchen, von dem sie sich selbst ein größeres Stück abschneiden wollen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Immer wieder hört man aber nun die Klubs aufgrund der überhöhten finanziellen Belastungen klagen und die Rufe nach Begrenzung von Ablösesummen und Gehältern werden immer lauter. Woran scheitern aber  die Salary Caps? Doch vor allen Dingen daran, dass es immer einen Verein gibt, der bereit ist, noch mehr zu zahlen.  Der Profifußball ist nicht bereit, sich selbst zu beschränken, da keiner bei der Jagd auf die besten Spieler nachgeben will.

Warten auf den Gönner

Dieses Phänomen beobachtet man auch im Amateurfußball. Will man aufsteigen, benötigt man Spieler mit fußballerischer Qualität und reichlich Erfahrung, ergo aus höheren Ligen. Und dafür muss man Geld in Form von Ablösesummen und Gehältern in die Hand nehmen.

Bei Amateurvereinen, die sich vornehmlich aus Mitgliedsbeiträgen und Mikrosponsoring finanzieren eine unmögliche Aufgabe, es sei denn ein privater »Gönner« taucht auf!

Und so sieht man vielerorts Vereine, die mit Hilfe von privaten Geldern Spieler für ihre Seniorenmannschaft einkaufen, einige Jahre erfolgreich spielen und danach wieder in der Bedeutungslosigkeit versinken. Der Absturz nach einem kurzen Höhenflug ist oft ungleich härter, da häufig weder eine Jugendabteilung als Unterbau, noch eine entsprechende Infrastruktur gleichsam mit aufgebaut wurden. Warnende Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit gibt es dabei ligaübergreifend zu genüge. 

Das Projekt Haltern als Vorbild?

Der Aufbau und die Führung eines Fußballvereins sind gleichsam einem Marathon, bei dem es wichtig ist, die finanziellen Kräfte sorgfältig einzuteilen. Beim TuS Haltern steht das Konzept deshalb in den ersten Jahren auf den vier Säulen Infrastruktur, Ausbildung, Ausrüstung und Marketing. Mit dem Bau eines Kunstrasenplatzes und der Erneuerung eines zusätzlichen Rasentrainingsplatzes (mit Hilfe der Kommune) haben nun alle Mannschaften die Möglichkeit, ganzjährig witterungsunabhängig zu trainieren. Alle Teams treten in einheitlicher Spiel- und Trainingskleidung auf. Jeder Jugendtrainer bekommt die Möglichkeit, die offiziellen FLVW- und DFB- Lizenzen zu erwerben - ab 2011 sind dann die entsprechenden Fußballtrainerlizenzen sogar verpflichtend. Mit der Marketingkampagne »TU‘S Haltern« sollen lokal, regional und bundesweit tätige Unternehmen zu einem Engagement in der Seestadt Haltern überzeugt werden, um das finanzielle Fundament des Vereins zu verbessern.

Hilfe zur Selbsthilfe

Deshalb verstehe ich das Mäzenatentum als Anstoß und vor allem »Hilfe zur Selbsthilfe«. Der Gesamtverein, seine Mitglieder und Partner müssen animiert werden, mitzuhelfen. Deswegen sind gerade die Steigerung der Mitgliedszahlen und der Aufbau eines Sponsorenpools wichtige Bausteine, um dem Verein eine gesunde und nachhaltige Grundlage für sein Wirken zu verschaffen.   Ich bin kein »Sozialromantiker«, sondern Realist. Die Entwicklungen im Fußball lassen sich nicht zurückdrehen. Und das gilt auch für den TuS Haltern.

Im Moment zahlen wir unseren Spielern kein Geld dafür, dass sie ihrem Hobby nachgehen. Ganz im Gegenteil. Wir beziehen sie als Trainer, Koordinatoren, Redakteure mit in die tägliche Arbeit ein, haben jüngst eine FSJ-Stelle neu eingerichtet und fördern so gleichzeitig  das unerlässliche ehrenamtliche Engagement und die sozialen Aufgaben in einem Sportverein. Diese Philosophie leben wir so lange es geht und hoffen, dass wir Spieler auch mit diesen Argumenten vom »Projekt TuS Haltern« überzeugen können.

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