Die Bundesliga hat ein Freistoßproblem

Ablegen, drauf

Selbstgefällige Schlenzer von selbsternannten Künstlern, sinnfreie Hackespitzeeinszweidrei-Varianten – ganz klar, die Bundesliga hat ein Freistoßproblem. Dabei wäre es doch so einfach.

Man kennt das: Ein Spieler wird kurz vor dem gegnerischen Strafraum gefoult, der Schiedsichter entscheidet auf Freistoß und die Zuschauer johlen erwartungsfroh auf. Ein Freistoß aus dieser Position besagt das erwartungsfrohe Johlen, bedeutet Gefahr und die berechtigte Hoffnung auf ein Tor. Das ist eigentlich das Schönste am Fandasein: Die andauernde Hoffnung darauf, dass gleich etwas Tolles passiert.

Und dann das: Die drei bis sechs selbsternannten Freistoßkünstler versammeln sich um den Ball, diskutieren mit ernster Miene und in die Hüfte gestemmten Händen, was jetzt folgen soll. Am vergangenen Wochenenende war das hübsch anzusehen am Beispiel Schalke 04: Da standen in einer Szene die Herren Bastos, Fuchs, Uchida und Draxler in einem Halbkreis und machten sich ganz offensichtlich Gedanken, wie man den Ball nun am ehesten ins Tor befördern könnte. Bei so viel geballter Fußballintelligenz hofft der gemeine Fan auf eine überraschende Idee, eine erstaunliche Variante, eben auf etwas, dass die Hoffnung auf etwas Tolles auch gerechtfertigt.

Scharfer Blick, kurzer Anlauf – ein Schuss in die gegnerische Mauer

Bastos, Fuchs, Uchida und Draxler redeten sich den Mund fusselig, hätte der Schiedsrichter den Fußballern eine bronzene Tischfahne mit der Aufschrift »Stammtisch Strafraum« in die Mitte gestellt, es wäre nicht weiter verwunderlich gewesen. Dann passierte etwas. Uchida, Draxler und Fuchs entfernten, Bastos versuchte sich. Ein scharfer Blick, ein kurzer Anlauf, tolle Haltung – ein Schuss in die gegnerische Mauer.

So oder ähnlich sieht man es an Bundesligaspieltagen zuhauf. Einzeltäter, die auf den ganz großen Moment setzen, auf den Schlenzer in den Winkel, der in den Nachberichterstattungen als Sahnehaube des Spieltags bejubelt wird. Auf den Beweis ihrer Fußballkunst. Was soll der Mist?

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