Die besten und miesesten Oldie-Transfers

Ü30-Party

Der FC Bayern buhlt angeblich um die Dienste von Andrea Pirlo. Oder doch nicht? Und ist der trotz Super-EM nicht zu alt? Wir haben die fünf besten und fünf miesesten Oldie-Transfers zusammengestellt.

Top-Oldies

Manfred Burgsmüller
Eigentlich wollte Manfred Burgsmüller seine Karriere bei Rot-Weiß Oberhausen ausklingen lassen. Der Stürmer hatte sich dort bereits ein zweites Standbein aufgebaut. Er arbeitete als Vertreter für Fertighäuser und als Repräsentant bei einer Firma namens »Glücksfenster«. Doch dann wurde Burgsmüller mit 29 Treffern Torschützenkönig in der 2. Liga. Er fühlte sich zu fit fürs Altenheim. Es folgte der Anruf aus Bremen. »Komm zu uns, bei uns kannst du Meister werden«, flüsterte Otto Rehhagel in die Muschel – und der 35-jährige Burgsmüller kam. Bis 1990 bestritt er 115 Spiele für die Hanseaten. Und 1988 wurde er tatsächlich erstmals Deutscher Meister – im Alter von 39 Jahren.

Uli Stein
Der Torhüter kehrte 1995 im Alter von 40 Jahren zu Arminia Bielefeld zurück, wo er 1976 seine Profikarriere begonnen hatte. Mit den Ostwestfalen stieg er 1996 in die Bundesliga auf und wurde allerorten als Oldie-but-Goldie gefeiert. Stein verstand die Hysterie nicht, denn er fühlte sich selbst, als sei er eben erst der Pubertät entwachsen. Nach der Bundesligasison 1996/97 sollte jedenfalls noch lange nicht Schluss sein, schließlich lockte am Horizont die 602-Spiele-Marke von Karl-Heinz Körbel. Doch Arminia kündigte ihm prompt den Vertrag – wegen Disziplinlosigkeit. Stein tobte und klagte vor dem Sportgericht. Ohne Erfolg. Wenig später sagte er: »Ich bin jetzt erst mal zuhause, aber für einen Fußball-Rentner bin ich noch zu fit.« 1999 wechselte er zum VfL Pinneberg, danach ging er zu Kickers Emden. Endgültig Schluss war im Januar 2004 beim VfB Fichte Bielefeld. Stein zählte mittlerweile 49 Lenze. In der Liste der Fußballer mit den meisten Bundesliga-Einsätzen steht Stein übrigens abgeschlagen auf Platz 10 – mit 512 Einsätzen.

Sami Hyypiä
Die Liverpool-Legende Sami Hyypiä wechselte im Alter von 35 Jahren zu Bayer Leverkusen, wo er seinen achten Frühling erlebte. Bei der Werkself wurde er die wichtigste Säule in der Defensive. Wie man sich im hohen Fußballeralter noch fit hält, erklärte er einmal im Interview mit dem Kicker: »Die Burschen halten mich jung.« Und: »Ich habe immer auf meinen Körper geachtet. In der Sommerpause nur Grillen und Party, das gibt es nicht.«

Marco Ballotta
Marco Ballotta kehrte 2005 als dritter Torwart zu seinem Ex-Klub Lazio Rom zurück, doch ehe er sich versah, stand er als Stammkeeper zwischen den Pfosten. Seine Kontrahenten hatten mit Verletzungen und Formschwächen zu kämpfen. Die Mannschaft erreichte in der Folge einen Startplatz für die Champions League. Im Alter von 43 Jahre und 253 Tage bestritt Ballotta gegen Real Madrid dort sein letztes internationales Spiel. Er ist damit der älteste Fußballprofi, der jemals in der Champions League gespielt hat. Seine Laufbahn beendete er im Sommer 2008. Später heuerte er noch einmal als Stürmer beim unterklassigen Calcara Samoggia an. Seine Begründung: »Ich habe nie ein Tor geschossen und wollte dieses Gefühl auch mal kennenlernen.«

Cafu
Im Jahr 2003 hatte Cafu nahezu alles erreicht. Der Brasilianer war unter anderem Weltmeister, Copa-America-Sieger, Weltpokal-Sieger, italienischer Meister, brasilianischer Meister und Copa-Libertadores-Sieger geworden. Nur der Champions-League-Pokal fehlte noch im Trophäenschrank. 2003 wechselte er mit der Hoffnung den großen Triumph zum AC Mailand. Er war damals bereits 33 Jahre alt. Vier Jahre später, im Mai 2007, gewann Milan tatsächlich die Königsklasse gegen den FC Liverpool. Zum Einsatz im Finale kam Cafu allerdings nicht.

Flop-Oldies

Juan Pablo Sorin
Endlich hatte die Hamburger Presse ihren Supertransfer. In den Wochen zuvor hatte sie nahezu täglich großspruig zahlreiche beinahe perfekte Neueinkäufe verkündet (Milan Baros, Ivan Klasnic, Patrick Kluivert). Nun also Sorin. Was für ein Name! Champions-League-Sieger und Kapitän der argentinischen Nationalelf. Gefeiert wurde er auch als Fußball-Intellektuelle, denn in Buenos Aires, so berichtete die Hamburger Presse, hatte der Verteidiger eine eigene Kultur- und Musiksendung im lokalen Radio laufen. Einige Monate später war all das vergessen. Die harte Realtität sah so aus: Sorin war auf dem Papier 30 Jahre alt, doch sein Körper Mitte 50. Er war verletzungsanfällig und lange über seinem Zenit. Nach nur 24 Spielen ging er nach Brasilien.

Jean-Pierre Papin
Der Franzose kam als 30-Jähriger zum FC Bayern und schleppte bei seiner Ankunft einen feinen Referenzkatalog mit sich herum. Bei Olympique Marseille hatte er 134 Tore in 215 Spielen erzielt. Außerdem war mit dem AC Mailand Champions-League-Sieger und italienischer Meister geworden. Gute Aussichten. So gut, dass Franz Beckenbauer ihm schon vor seiner Ankunft einen neuen Künstlernamen gab: »Schapapapa«. Doch beim FC Bayern gelang ihm wenig. Am 13. Spieltag der Saison 1994/95 schoss er sein erstes Tor. In der zweiten Spielzeit kam er auf 20 Einsätze und magere zwei Tore. 1996 ging Papin zurück nach Frankreich.

Abel Xavier
Zwar besaß Abel Xavier kaum vorzeigbare Titel, dafür konnte er mit etlichen Vorzeigeklubs in der Vita aufwarten. Zum Beispiel: PSV Eindhoven, FC Everton, FC Liverpool, Benfica Lissabon oder Galatasaray Istanbul. Außerdem war Xavier 2000 mit Portugal ins EM-Halbfinale vorgedrungen. Was jedoch stets unbemerkt blieb: Wirklich herausragend war über all die Jahre nur seine Frisur. Und auch bei seiner Ankunft in Hannover bejubelte die Financial Times den 31-Jährigen als »eine Art Afro-Punk«. Und die Bild stellte die wichtigste Frage: »Kann man damit köpfen?« – und beantwortete sie gleich selbst: »Die Haare sind keine Behinderung für Xavier«. Nach einem Jahr und fünf Einsätzen wechselte Xavier zum AS Rom. Seine Karriere ließ er 35-jährig bei Los Angeles Galaxy ausklingen.

Edi Glieder
Rubrik: Seltsame Transfers der Bundesligageschichte. Gewiss, Edi Glieder war einst ein solider Stürmer in Österreich, seine größte Zeit hatte er Ende der neunziger Jahre bei Austria Salzburg, dort schoss er 41 Tore in 110 Spielen. Anno 2003 war er in Deutschland vor allem aufgrund seiner zwei Tore im Ui-Cup-Halbfinale gegen Werder Bremen bekannt. Als Glieder sich zum ersten Mal für den FC Schalke die Schuhe schnürte, war er bereits 34 Jahre alt. In einem Kicker-Interview tönte er dennoch: »Ich bin der beste Stürmer hier.« Gespielt hat der beste Stürmer auf Schalke allerdings selten. In der Saison 2003/04 bestritt er 16 Partien und schoss zwei Tore.

Ali Karimi
Er war Schalkes Neuzugang Nummer 32 in der Saison 20010/11 und die Bild spottete: »Magath holt Stürmer aus dem Ruhestand.« Und auch der Schalker Supportes Club kritisierte das All-you-can-shop-Prinzip des Trainers: »Es wird Zeit, dass diesem Treiben von Seiten der Fans und Mitglieder jetzt Einhalt geboten wird!« Tatsächlich war Karimi zum Zeitpunkt der Verpflichtung bereits 32 Jahre alt. Doch was soll's: Ali Karimi galt als Legende. Im Iran. 118 Länderspiele hatte der Mittelfeldmann bestritten, sogar für den FC Bayern streifte er sich einst das Trikot über. Für Schalke reichte es nur zu zwei Einsätzen. Einmal davon immerhin in der Champions League gegen Inter Mailand. Der Einsatz beim 5:2-Sieg im San Siro dauerte allerdings nur drei Minuten. Noch 2011 wechselte er zurück nach Teheran.

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