08.05.2012

Die beinahe allerbeste Elf der Saison 2011/12

Versoffen und verkauft

Ribery, Kagawa, Reus: Für die meisten stellt sich die beste Elf des Jahres fast von alleine auf. Aber warum sollen denn immer die Superstars im Vordergrund stehen? 11FREUNDE präsentiert: Die wirklich beste Elf der Bundesliga-Saison 2011/12!

Text:
Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Imago

Torwart:

David Yelldell
David wer? Der Torhüter stand im vergangenen Jahr noch mit dem MSV Duisburg im Pokalfinale, wechselte daraufhin nach Leverkusen und sollte dort den Dauerverletzten René Adler vertreten. Das tat er dann auch– für genau ein Spiel. Nachdem sich Bayer allerdings in der ersten Runde des DFB-Pokal gegen Dynamo Dresden blamiert hatte, wurde Yelldell auf die Bank abgeschoben, als auch Ersatz-Ersatzmann Fabian Giefer nicht den Bayer-Ansprüchen genügte, holte man Bernd Leno aus Stuttgart. Seitdem trägt Yelldell nur noch die Koffer. Karrieregrab Leverkusen.

Abwehr:

Hans Sarpei:
Obwohl Monster-Hans in dieser Saison in der Liga nicht einmal für den FC Schalke gespielt hat, war er vielleicht der gefragteste Mann. Gilt als dankbarster Gesprächspartner für die neue journalistische Form des »Twitterviews« und forderte jüngst via Zwitscherdienst seine eigene Kollektion an Panini-Stickern. Und da wir gelernt haben, dass Hans Sarpei ausnahmslos zu allem in der Lage ist, freuen wir uns schon auf das Sammelfieber pickliger Internetnerds.

Hrvoje Cale (VfL Wolfsburg)
Der Kroate ist einer dieser Spieler, die irgendwann aus der Liga verschwinden werden, ohne dass sie jemand bemerkt hätte. Cale kam im Sommer zum von Trabzonspor zum VfL Wolfsburg, bekam vom Trainermanageralles Felix Magath die Nummer 26 verpasst, wurde am 4. Spieltag für 25 Minuten gegen den SC Freiburg eingesetzt, bekam eine gelbe Karte und nahm erst einmal wieder auf der Bank Platz. Und da blieb er dann auch sitzen und saß und saß und saß und saß und saß und saß und kehrte nie wieder in die Mannschaft zurück. Es gilt als sicher, dass für Cale im 38-Mann-Kader von Magath bald nicht mal mehr Platz auf der Bank sein wird, denn die nächste Transferperiode kommt bestimmt.

Miso Brecko (1. FC Köln)
Dieser Mann nimmt sein Job durchaus ernst. Alltags beackert er beim Effzeh die Außenbahn und auch im Privaten ist der Slowene nur ganz schwer zu bremsen. Highlight: Nach einer Karnevalsfeier der Mannschaft ließ sich Brecko etwas zu weit nach außen drängen und setzte seinen Geländewagen unweit des Heumarktes ins Gleisbett der Kölner Verkehrsbetriebe. Kann ja mal passieren, wenn man nicht gerade 1,6 Promille intus hat wie der Verteidiger. Der gestand später: »Auf der FC-Sitzung hatte ich im Foyer ein paar Kölsch und wollte nach einem Besuch in der Altstadt nach Hause fahren, als mir das Missgeschick in der Baustelle passierte. So was darf mir nicht passieren. Gott sei Dank ist kein anderer zu Schaden gekommen.« Mal ganz abgesehen von seinem Ruf.

Roman Hubnik (Hertha BSC)
Was für eine Pannensaison für den Tschechen. Mit der Hertha kämpfte er große Teile der Saison gegen den Abstieg und auch für ihn persönlich war es eine einzige Berg-und-Talfahrt. Nicht nur, dass er im Pokal einen Kopfstoß von Gladbachs Igor de Carmago kassierte und dafür mit einem Elfmeter bestraft wurde, im Spiel gegen den SC Freiburg bildete sich das ganze Elend eines Fußballerlebens in seiner Person ab: Erst nickte er per Eigentor zum 0:1 ein, verschuldete auch noch das 0:2, traf dann seinerseit zum 1:2-Anschluss, um sich wenig später das Außenbandand im linken Knöchel zu reißen. Wenn er jetzt noch absteigt, sollte sich Hubnik eine andere Sportart suchen. Weniger geht nicht.

Mittelfeld:

Sven Bender (Borussia Dortmund)
Ja, Sven Bender ist der Chuck Norris der Liga. Liest man nämlich die Liste der schweren Verletzungen, die sich der Schrecken aller Krankenversicherungen in dieser Saison eingefangen hat, muss man glauben: Dieser Junge ist aus Stahl und Granit gefräst. Hier ein kleiner Blick in die Krankenakte Bender: OP nach Kapselvernarbung im linken Knie (Mai 2011), Hüftprellung (September 2011), Bänderdehnung (November 2011), Kieferbruch (Dezember 2011), Prellung des Nasenbeins und Prellung des rechten Augapfels (Feburar 2012), Teilabriss des Außenbandes im linken Sprunggelenk und eine Dehnung der Syndesmose (Februar 2012) und Rippenprellung (Mai 2012). Zumindest Benders geschundenem Körper wäre es zu wünschen, dass ihm Jogi Löw die EM erspart.

Axel Bellinghausen (FC Augsburg)
Weil er es sowieso in keine andere Elf der Saison schaffen würde, kriegt er hiermit seinen Ehrenplatz. Warum? Wenn Bellinghausen spielt, ist einem der Profifußball auf einmal ganz nah. Keiner ackert so erdig, läuft so kantig, spricht so trocken wie King Bellinghausen. Wir wetten: Würde Bellinghausen in der Kreisliga auflaufen, würde es keinem auffallen. Nicht, weil ihm das Talent fehlt, sondern weil er all das vereint, was auch der Otto-Normal-Kicker in Ermangelung an technischem Geschick in die Waagschale werden kann: Wille, Ehrlichkeit, Schaum vorm Mund. Und das ist uns allemal lieber als Pomade und ein paar unnütze Übersteiger.

Altin Lala (Hannover 96)
Klingt wie ein Märchen aus 1001 Nacht: Altin Lala wechselt nach gefühlten 203 Jahren im Trikot von Hannover 96 den Klub und geht zum FC Bayern München. Das ist kein Witz! Zwar wird Lala dort nur die schnöseligen Amateure auf Trab halten, aber dennoch hat sich der Althauer aus Albanien diesen Karriereturbo verdient. Gespielt hat er in dieser Saison noch sechs Mal für die Niedersachsen und fiel dabei nicht negativ auf. Und das ist in diesen Tagen durchaus nicht selbstverständlich. Nicht wahr, Michael Ballack?

Sturm:

Richard Sukuta-Pasu (1. FC Kaiserslautern)
Muss man auch erst einmal schaffen: Stolze 24 Mal stand Sukuta-Pasu in dieser Saison für den 1. FC Kaiserlautern auf dem Platz. Dumm nur, der Stümer erzielte dabei genau null Tore. Dabei wäre es gar nicht so schwer gewesen, auf dem Betzenberg als Toptorschütze der Saison in die teuflischen Annalen einzugehen. Das schaffte stattdessen der Israeli Itay Shechter. Der traf immerhin drei Mal.

Papiss Demba Cisse (SC Freiburg / Newcastle United)
Rekorde für die Ewigkeit: Obwohl der Senegalese den SC Freiburg bereits zur Winterpause gen Newcastle verließ, ist er auch nach dem letzten Spieltag mit neun Treffern bester Torschütze der Breisgauer. Kurios: Damit steht er sogar auf Platz 19 der abschließenden Torjägerliste, noch vor Mike Hanke, Cacau und Thomas Müller. Und als wolle Cisse auch fernab der Freiburger Gemütlichkeit beweisen, was für ein Monsterstümer der Bundesliga da durch die Lappen gegangen ist, netzte er in England munter weiter und traf für seinen neuen Klub 13 Mal in 13 Spielen, davon vier Mal per Doppelpack.

Marco Arnautovic (Werder Bremen)
Endlich hat man auch im spröden Weserland mal wieder einen echten Paradiesvogel. Er balgte sich mal in der Umkleide, trieb sich desöfteren nachts vor der Disko rum und schwadronierte über Tattoos und Silikon in und an Frauenkörpern. Kurzum, vor allem neben dem Platz zeigte der Österreicher Leistungen aus dem Kosmos eines Mario Balotelli. Besonderes Highlight: Beim Herumtollen mit seinem Schäferhund Santos im heimischen Garten blieb der Stürmer im Rasen hängen und riss sich das Innenband im rechten Knie. »Der Hund kann nix dafür«, beteuerte er tags darauf im »Weser-Kurier«. Als ob das jemand vermutet hätte.

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Trainer:

Michael Skibbe
Ist der Ruf erst ruiniert: Michael Skibbe sorgte für die wohl sagenumwobenste Trainerpersonalie der Saison. Von einem türkischen Fantasieverein frei gekauft, sollte Skibbe die Hertha nach einer durchaus passablen Hinrunde in ruhigem Fahrwasser halten – und scheiterte grandios. Nach 52 Tagen und fünf Niederlagen in fünf Spielen durfte Skibbe wieder gehen. Sein Ex-Klub Eskisehirspor spielte derweil in der türkischen Liga um den Europapokal mit.

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