Die Bayern-Bank ist kein Sofa
27.04.2009

Die Bayern-Bank ist kein Sofa

Ich bin dann mal weg

Jürgen Klinsmann hat seinen Platz auf der Bayern-Bank nicht einmal so richtig warm gesessen, da muss er ihn auch schon wieder verlassen. Der Platz neben Hoeneß gehörte noch nie zu den bequemsten. Ein Ranking der bayrischen Kurzzeittrainer.

Text:
Benjamin Apitius und Andreas Bock
Bild:
imago

10.
21,5 Monate: Erich Ribbeck (12. März 1992 bis 27. Dezember 1993)

Erich Ribbeck war nach dem glücklosen Jupp Heynckes und dem gescheiterten Sören Lerby bereits der dritte Trainer der Münchner in der Saison 1992/93. Seine Vorgänger hinterließen ihm eine Ansammlung zerstrittener, frustrierter und verunsicherter Profis, mit denen es in den restlichen Spielen nur noch um den Klassenerhalt gehen konnte. In der Sommerpause wurde die Mannschaft von Ribbeck runderneuert. Störenfriede wie Effenberg, Strunz oder Laudrup mussten gehen, Lieblinge wie Ziege, Helmer oder Wouters kamen. Das Konzept ging fast auf. Der FC Bayern grüßte 32 Spieltage freundlich von der Spitze – und ließ sich im Endspurt noch von Werder Bremen verdrängen. Auch zu Beginn der folgenden Saison hielt der Verein an Trainer Ribbeck fest, um in der Winterpause schließlich festzustellen, dass der Trainer den Meisterschaftsambitionen des Vereins dann doch eher hinderlich sei.


9.

20,5 Monate: Branko Zebec (1. Juli 1968 bis 13. März 1970)

Branko Zebec wurde bereits nach seiner ersten Saison als Trainer des FC Bayern Gott: Nach über 30 Jahren (!) feierte man in München endlich die zweite Meisterschaft – und holte mit dem DFB-Pokalsieg sogar noch das erste Double in der Geschichte der Bundesliga. In der darauf folgenden Saison war der Erfolg so viel Wert wie das Imitat der Trophäen: Nichts! Zebec entschied sich schon früh, seinen Vertrag über die Saison hinaus nicht verlängern zu wollen, ein Nachfolger war mit Udo Lattek bereits auserkoren. Dank dieser Konstellation fiel es den Verantwortlichen nicht schwer, den Trainerwechsel noch in der laufenden Saison vorzunehmen. Nach einer Serie von lediglich einem Punkt aus drei Spielen und mittlerweile fünf Punkten Rückstand auf den ersten Tabellenplatz wurde aus Gott wieder Branko Zebec, ein eben-noch-Trainer der Bayern.


8.

17 Monate: Ottmar Hitzfeld (1. Februar 2007 bis 30. Juni 2008)

Ottmar Hitzfeld lagen sie in München eine halbe Ewigkeit zu Füßen: Mit 72 Monaten, vom 1. Juli 1998 bis 30. Juni 2004, hält Ottmar Hitzfeld die längste durchgehenede Traineramtszeit. Meisterschaften, Champions-League und Weltpokalsieg zählten aber im Sommer 2004 nichts mehr, sein Vertrag wurde nach einer Saison ohne Titel aufgelöst. Es kam Felix Magath und der sah und siegte. Zunächst. Denn trotz zweiter Doubles in Folge – dem so genannten Double-Double – musste auch er gehen. Denn den Ansprüchen Rummenigges (»der FC Bayern gehört zu den Topklubs Europas«) konnte Magath nicht enstprechen. Man besann sich wieder auf Magaths Vorgänger, den rationalen Analytiker Hitzfeld (»Die Meisterschaft ist nie ein Selbstläufer, dahinter steckt immer viel Arbeit. Sonst müsste Real Madrid jedes Jahr Deutscher Meister werden«). Die zweite Einstellung Hitzfelds im Februar 2007 wirkte wie eine Entschuldigung für den unrühmlichen Rauswurf drei Jahre zuvor. Hitzfeld nahm sie an. Geplant hatte er eigentlich nur ein Engagement bis zum Ende der Saison. Letztlich blieb Hitzfeld ein weiteres Jahr und holte zum Abschied Meisterschaft und DFB-Pokal.


7.

15 Monate: Gyula Lóránt (2. Dezember 1977 bis 28. Februar 1979)

Bayern München und Eintracht Frankfurt ließen das Trainerkarussell im Winter 1977 im wahrsten Sinne des Wortes entgleisen: Mitten in der Saison tauschten die Vereine ihre Trainer. Gyula Lóránt sollte in München den Karren aus dem Dreck ziehen, es reichte am Ende aber nur zu einem enttäuschenden zwölften Platz. Auch in der darauf folgenden Spielzeit stellte sich unter dem neuen Trainer nicht der gewünschte Erfolg ein. Nach einer 1:7-Klatsche gegen Düsseldorf wusste Lóránt am 16. Spieltag schon, was kommt. Noch während des Heimflugs sagte er zu seinem damaligen Assistenten Pal Csernai: »Pal, das gibt Ärger.« Er sollte recht behalten: Bereits am darauf folgenden Montag war er seinen Job los – an Pal Csernai, der am Ende der Saison immerhin Vierter wurde. Nach 15-monatiger Amtszeit lautete die offizielle Begründung der Entlassung, Lóránt sei beim Schlittschuhlaufen gestürzt.


6.
12 Monate: Giovanni Trapattoni (1. Juli 1994 bis 30. Juni 1995)

Giovanni Trapattoni trat die Nachfolge von Interimscoach Franz Beckenbauer an. Mit dem Selbstverständnis einer großen Trainerlegende unterschätzte der Italiener die neue Aufgabe in Deutschland. Die Vorbereitung verlief schleppend, im DFB-Pokal scheiterte man in der ersten Runde am Underdog aus Vestenbergsgreuth, in der Bundesliga setzte es am zweiten Spieltag eine böse 1:5-Schlappe in Freiburg. Der FC Bayern kam in dieser Spielzeit nie richtig in Fahrt und beendete die Spielzeit auf einem enttäuschenden sechsten Platz. Trapattoni hatte seine Mission nicht erfüllen können. Mit seinen drei Maßanzügen, die er pro Spieltag für Trainerbank, Pressekonferenz und Fernsehinterview brauchte, verschwand die Dolce Vita nach der Saison schnell wieder nach Italien.

5.
10 Monate: Otto Rehhagel (1. Juli 1995 bis 27. April 1996)

Nach 14 Jahren verließ Otto Rehhagel im Sommer 1995 seine große Liebe Werder Bremen um in München sein Glück zu suchen. Er fand: ein großes Missverständis. Dabei begann die Beziehung so wunderbar, die ersten sieben Saisonspiele gewann die Mannschaft, der FC Bayern schien auf Sieben-Meilen-Stiefeln davonzueilen. München lag Rehhagel zu Füßen. Doch der war immer Realist genug: »Wenn ich ein paar Spiele verliere, lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.« Und so war es: Am 30. Spieltag stand der FC Bayern mit drei Punkten hinter Borussia Dortmund auf dem zweiten Platz, spielerisch enttäuschte die Mannschaft und das Viergestirn Herzog, Sforza, Matthäus und Klinsmann strahlte so viel Harmonie aus wie ein runder Tisch mit Edmund Stoiber, Joschka Fischer und Oskar Lafontaine. Plötzlich rollte eine Flutwelle auf die Säbener Straße zu, die auch der Uefa-Cup-Halbfinalsieg gegen den FC Barcelona nicht dämmen konnte. Die einen nörgelten: Rehhagel sei zu weich, andere stießen sich an seinem Credo: »Jeder kann sagen, was ich will«. Uli Hoeneß  wollte dann doch sagen, was er wollte. Franz Beckenbauer sowieso. Der rief Rehhagel am Abend nach der Heimpleite gegen Hansa Rostock an: »Otto, hast du noch mal Zeit, dann komm doch raus zur Säbener Straße.« Rehagel wusste, was kommen würde. Seiner Frau sagte er nur: »Es ist soweit.« Beate Rehhagel begann die Koffer zu packen.


4.
6 Monate: Franz Beckenbauer (7. Januar 1994 bis 30. Juni 1994)

Die Mannschaft stand zur Winterpause auf dem dritten Platz – einen Punkt hinter Tabellenführer Bayer Leverkusen. Zu wenig in München. Uli Hoeneß entließ Ribbeck und wählte seine Lieblingsnummer: »Lichtgestalt, übernehmen Sie!«. Franz Beckenbauer staubte so in einer Mischung aus Vorbeigehen und Schlusssprint seine erste Deutsche Meisterschaft als Vereinstrainer ab.


3.
5 Monate: Sören Lerby (9. Oktober 1991 bis 11. März 1992)

Als Jupp Heynckes am 5. Oktober 1991 nach 90 Minuten auf die Anzeigetafel des Münchener Olympiastadions schaute, wusste er längst, dass seine Stunden gezählt waren. Der FC Bayern hatte soeben mit 1:4 verloren – nicht gegen Inter Mailand, nicht gegen Werder Bremen, nein, gegen die Stuttgarter Kickers. Die Tabelle las sich an jenem 13. Spieltag in München wie ein Drehbuch von David Lynch – düster, surreal, unverstehbar. Der FC Bayern rangierte auf dem zwölften Platz. Auch im Pokal lief es nicht besser: Nach einem 2:4 gegen den FC Homburg hatte man sich bereits in der zweiten Runde verabschiedet. Verwirrt ob der ungewohnten Situation rief Uli Hoeneß kurzerhand seinen ehemaligen Spieler Sören Lerby an, der schon immer und überall dort, wo es Mikrofone gibt, verkündet hatte: »Mein Herz habe ich an München verloren. Denn mit dem FC Bayern feierte ich meine schönste Meisterschaft.« Er meinte damit die Saison 1985/86, in der man Werder Bremen nach dem verschossenen Elfmeter von Michael Kutzop noch am letzten Spieltag abfing. Als Trainer aber gab es für Lerby nichts zu feiern. Das erste Spiel unter seiner Leitung verlor das Team mit 0:3 gegen Dortmund, das nächste 2:3 in Stuttgart. Über den Platz stolperten dabei solch vergessene Perlen wie Mazinho, Bernardo, McInally oder Kurt Kremm. Und der etatmäßige dritte Torwart Gerald Hillringhaus – Aumann und Scheuer waren verletzt – irrlichterte durch den Strafraum und fischte nach allem, nur nicht nach Bällen. Hals über Kopf verpflichtete Hoeneß den damals 37-jährigen Toni Schumacher. Es half alles nichts. Nach der Niederlage in Stuttgart rutschte der FC Bayern gar auf Platz 14 ab – immerhin: noch zwei Punkte vor dem Tabellenletzten Dynamo Dresden. Im Uefa-Cup setzte es derweil eine 2:6-Klatsche in Kopenhagen. Als Hoeneß sich am 11. März Lerbys Bilanz nach einem 0:4 in Kaiserslautern vor Augen führte – vier Siege, fünf Unentschiede und sechs Niederlagen in 15 Spielen – trauerte er Jupp Heynckes hinterher. Später sagte Hoeneß: »Die  Heynckes-Entlassung war mein schwerster Fehler. Ich  bin mir sicher, dass er uns noch weit gebracht hätte.« Und Lerby? Der sagte nach seiner Entlassung: »Ich wollte sowieso etwas anderes machen, aber Uli rief an und bat mich zu helfen. Dabei war Trainersein gar nicht mein Ding.«


2.
2 Monate: Franz Beckenbauer (29. April 1996 bis 30. Juni 1996)

Als Vereintstrainer ist Beckenbauer heute fast in Vergessenheit geraten. Dabei war er schon in der Saison 1990/91 für Olympique Marseille als Trainer tätig und erreichte das Endspiel im Europapokal der Landesmeister – OM verlor allerdings gegen Roter Stern Belgrad im Elfmeterschießen. Ende April 1996 sprang er in München für Otto Rehhagel ein – und hielt am 15. Mai 1996 den UEFA-Pokal in den Himmel von Bordeaux. Als offizieller Trainer auf den Spielberichten stand zu der Zeit übrigens stets Klaus Augenthaler. Denn die Lichtgestalt kann und hat vieles, nun ja, fast alles, meinen manche, nur keine Trainerlizenz für die Bundesliga.


1.
44 Tage: Reinhard Saftig (17 Mai 1983 bis 30. Juni 1983)

44 Tage! Allerdings auch nur als Interimscoach. Reinhard Saftig sprang ein für den entlassenen Pal Csernai, mit dem der FC Bayern drohte nach Niederlagen gegen Köln und Kaiserslautern aus den Uefa-Cup-Rängen zu fliegen. Csernai – »Der Mann mit dem Seidenschal« – hatte zu dem Zeitpunkt auch bei den Fans längst ausgedient: Er galt als arrogant und unnahbar. Reinhard Saftig rückte vom Ko-Trainer zum Cheftrainer auf und feierte den größten Erfolg seiner Trainerkarriere: den 4. Platz am Ende der Saison. Zum 1. Juli 1983 unterschrieb Saftig einen Vertrag als Ko-Trainer beim BVB, wo er am 20. April 1986 erneut zum Chefcoach aufstieg, für: Pal Csernai.

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