16.06.2007

Die Angst vor der Torwand

Keins unten, keins oben

Früher war der Besuch des ZDF-Sportstudios eine gemütliche Angelegenheit. Heute muss jeder Zuschauer höllisch aufpassen, nicht plötzlich als Zählkandidat an die Torwand gezerrt zu werden. Hier unsere Tipps für die Schützen.

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1.
Geeignetes Schuhwerk Mag ja sein, dass Ihnen die Gattin für den Fernsehauftritt die sandfarbenen Halbschuhe herausgelegt hat, weil die farblich mit der braunen Leinenhose harmonieren. Dennoch: In Slippern an die Torwand zu treten, ist ungefähr so aussichtsreich wie mit einem Crockettschläger bei den Offenen Golfmeisterschaften gegen Tiger Woods anzutreten.



2.
Kein Alkohol vor der Sendung Zu verlockend, die aufkommende Nervosität mit preiswerten Getränken von der ZDF-Theke zu bekämpfen. Nur wem ist damit gedient, wenn Sie bereits die Treppe hinunterschwanken, selbst bei der berüchtigten Einstiegsfrage »Sie kommen woher?« sekundenlang überlegen müssen und sich am Ende auch noch für den falschen der beiden Bälle entscheiden?

3.
Brust raus Auch Profis treffen an der Torwand im Durchschnitt nur ein Mal. Und manch ein Kicker hat schon mit kühnen Schlenzern die Studio-Dekoration abgeschossen. Vielleicht weil sie Andi Brehmes Kriterien folgten, der einst nach seinem Schußbein gefragt wurde und zunächst ausweichend antwortete: »Also bei mir geht das mit dem linken Fuß genauer und mit dem rechten fester!« Logische Konsequenz: »Auf die Torwand schieße ich mit dem rechten!«

4.
Die Theorie Vielleicht hilft Ihnen die Erkenntnis des Dortmunder Physikers Metin Tolan weiter: »Nicht nur die Richtung, auch die Höhe muss stimmen.« Für Fortgeschrittene hat Tolan sogar die exakte Formel entwickelt, eine Gleichung der Wurfparabel, die Abmessungen der Torwand und des Lochs (55 Zentimeter), Sinus und Cosinus. Außerdem muss die Abschussgeschwindigkeit auf 1 km/h pro Stunde genau reproduziert werden. Oder Sie machen es wie Andi Brehme.


5.
Klappe halten Vor Jahrzehnten wollte Moderator Hajo Friedrichs die Torwand abschaffen, mit der Begründung, »alle Möglichkeiten, während der endlosen Ballauflegepause einen halbwegs intelligenten Satz zu sagen, hätten sich im Lauf der Jahre erschöpft«. Damit kam er natürlich nicht durch, Recht hatte er trotzdem. Denn machen Sie sich bitte klar: Sie stehen nur im Scheinwerferlicht, weil das ZDF das für interaktiv hält. Niemand interessiert sich für Sie und Ihren Lieblingsverein. Also halten Sie weitgehend den Mund, nuscheln nur Namen und Herkunft und fangen gar nicht erst damit an, Ihre Kollegen vom Feuerwehrlöschzug Asemissen zu grüßen. Treffen Sie lieber bei allen Versuchen zumindest die Wand.

6.
Keine Faxen Jajaja, Franz Beckenbauer hat mal einen vom Weißbierglas herunter reingemacht und Otto Waalkes hat mit der Hacke ins obere Eck getroffen. Zweifellos Sternstunden der Menschheit. Sie hingegen fangen trotzdem bitte nicht mit gefühlvollen Hebern oder wuchtigen Granaten ins obere Loch an. Es sei denn, Sie wollen morgen auf Heavy Rotation bei YouTube laufen, weil Ihr letzter Schuss einer Zuschauerin die Brille vom Gesicht geschossen hat.

7.
Notausgang Selbst wenn Sie als Torwandschütze ausgewählt werden, Sie können immer noch ein spontanes Beinleiden vortäuschen, einen Krampf oder ähnliches. Humpeln Sie schmerzverzerrt zurück auf ihren Platz und schauen Sie zu, wie sich Ihr Ersatzkandidat vergeblich müht – in Slippern und mit Alkoholfahne.

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"Sänk you, Pelä! Sänk you!" - Gigantenduell an der Torwand www.11freunde.de/ballkultur/101305 .
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