Die Analyse: Hamburger SV - Borussia Dortmund

Wie ein Spielboykott

Der HSV solidarisierte sich bei der 1:5-Heimniederlage offensichtlich mit der parallel stattfindenden Aktion »Kein Zwanni für 'nen Steher«– die kämpferische und taktische Leistung kam einem Boykott gleich. Unser Taktikexperte Tobias Escher erklärt, woran es hakte. Die Analyse: Hamburger SV - Borussia Dortmund

Der Hamburger SV fand von der ersten Minute an nicht ins Spiel. Thorsten Finks Spielsystem, das er aus Basel an die Alster brachte, griff zu keiner Zeit: Die zwischen die Verteidiger fallenden Sechser, das Herzstück seiner Taktik, blieben durchgehend blass. Eigentlich sollen Gojko Kacar und Tomas Rincon im Spielaufbau aus der tiefen Position abwechselnd die Fäden ziehen.

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In diesem Spiel gelang dies aber gar nicht: Rincon hatte eine schwache Passgenauigkeit von nur 72,5 Prozent, von Kacar kamen sogar nur 62 Prozent seiner Bälle an, weshalb er folgerichtig zur Halbzeitpause ausgewechselt wurde. Durchschnittlich jeder dritte bis vierte Pass im Spielaufbau ging so in die Füße des Gegners.




Hamburger Loch im Mittelfeld

Dass die Hamburger kaum konstruktiv von hinten aufbauen konnten, lag auch am schwachen Mittelfeld. Durch die zurückfallenden Sechser klaffte im Zentrum zwischen Abwehr und Angriff ein großes Loch, das die offensiven Mittelfeldspieler nicht füllten. Der BVB blockierte geschickt die Passwege auf die Außen und so gab es keine Anspielstationen für die Verteidiger. Seltsam, dass Fink diesen nach 45 Minuten klar zu erkennenden Effekt nicht behob. Die Einwechslung eines weiteren Angreifers (Petric für Kacar) verstärkte ihn sogar noch.

Auch im Rückwärtsgang war diese Lücke im Mittelfeld oft zu erkennen. Fast allen Treffern ging eine Kombination durch das Zentrum voraus – der HSV bot dem Gegner hier eindeutig zu viel Platz. Durch die hoch aufrückenden Außenverteidiger hatten die Hausherren hinten oft eine Dreierkette, die selten die richtigen Abstände zueinander fand, gerade im eigenen Strafraum. Prototypisch war hier das 0:1, als gleich mehrere Verteidiger Kagawa stoppen wollten, dabei aber Großkreutz freiließen.

BVB gut, aber nicht überragend

Gegen diesen HSV musste der BVB nicht mal seine beste Leistung aufrufen. Ansonsten für sein furioses Angriffspressing bekannt, attackierten sie dieses Mal erst ab dem zweiten Spielfelddrittel – mit Erfolg. Sie nahmen dem Gegner die vertikalen Anspielstationen, diese konnten nur den Rückpass oder den riskanten Ball nach vorne wählen. Nach einer Balleroberung stießen sie mit ihren schnellen Pässen in die offenen Räume im zentralen Mittelfeld.

Bei fünf Toren fällt dabei nicht schwer ins Gewicht, dass sie (mal wieder) eine schwache Chancenverwertung und auch eine hohe Streuung im Passspiel (nur knapp über 70 Prozent angekommene Pässe) hatten.

Der HSV hatte nicht nur taktisch, sondern auch kämpferisch wenig entgegenzusetzen. Die BVB-Akteure liefen 10 Kilometer mehr als ihre Gegner und gingen dabei ein Drittel mehr Sprints ein. Zudem gewannen sie fast 60 Prozent der Zweikämpfe. Mit diesem Fehlstart in die Rückrunde kommt Thorsten Fink in Zugzwang – er hat sich mit den vielen großen Worten in der Winterpause auch nicht gerade in die leichteste Situation gebracht.

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