Die aktuelle 11FREUNDE-Titelstory

Neues Deutschland

Die Titelgeschichte der heute erscheinenden Ausgabe von 11FREUNDE hat es in sich: Die Weltmeisterschaft 2010, erzählt von der deutschen Nationalmannschaft. Die Dokumentation eines Fußballwunders. Ein Auszug. Die aktuelle 11FREUNDE-Titelstory
Heft#110 01/2011
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Roberts Vermächtnis Der Schock kommt abends um kurz vor halb neun. Die Nationalspieler warten im Restaurant »Next Level« des Mannschaftshotels aufs Abendessen, als Manager Oliver Bierhoff und die Trainer den Raum betreten, um zu bestätigen, was in den Minuten zuvor bereits als Gerücht die Runde gemacht hat: Robert Enke hat sich das Leben genommen. Normalerweise hätte der Torwart hier bei ihnen sitzen sollen, um sich auf das Länderspiel gegen Chile vorzubereiten. Aber Bundestrainer Löw hat ihn und René Adler nicht nominiert, weil er den Reservisten Manuel Neuer und Tim Wiese auf dem Weg zur Weltmeisterschaft 2010 eine Chance geben wollte, sich zu beweisen.

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Einige Spieler weinen, für alle ist die Nachricht ein Schock. Sie passt nicht in ihre Welt voller Jugend, Kraft und ewiger Zuversicht. Sie werden als Helden gefeiert und sehen sich als unbezwingbar. Gerade weil Robert Enke immer so klar wirkte und besonders erwachsen, kann das niemand verstehen: Wieso hat er sich umgebracht? Und warum haben sie nichts geahnt?
Von den Abgründen im Leben ihres Kollegen werden die Nationalspieler, die Trainer und Betreuer später erfahren, von 
Enkes Leiden unter den Schüben von Depression. Jetzt irren sie erst einmal sprachlos, verwirrt und haltlos schluchzend durch das neueröffnete Hotel, dessen erste Gäste sie sind.
Um kurz nach zehn Uhr versammelt DFB-Psychologe Hans-Dieter Hermann die Spieler auf deren Wunsch hin zu einem Gespräch. Es ist das erste von vielen, die Hermann in der Gruppe oder mit einzelnen Spielern in den kommenden Monaten führt.

»Roberts Vermächtnis«

»Es ist von diesem unglaublichen Ereignis nichts zurückgeblieben«, sagt Hermann heute und meint damit, dass es kein unaufgearbeitetes Trauma gibt. Geblieben vom Nationaltorwart, der eigentlich bei der Weltmeisterschaft in Südafrika im Tor stehen sollte, ist aber »Roberts Vermächtnis«, wie es Hermann nennt. Das ist ein Umgang miteinander, wie ihn Enke stets vorgelebt hatte und den die Mannschaft weiter pflegt. »Keiner von den Spielern wird runtergemacht. Man spricht auf Augenhöhe miteinander, und jeder wird in seinen Eigenarten gelassen«, sagt Hermann.

Selbstverständlich herrscht ein harter Konkurrenzkampf auf dem Platz, schließlich will niemand auf der Bank sitzen, aber der gegenseitige Respekt setzt ihm auch Grenzen. »Sie haben immer noch was von klassischen Fußballspielern«, sagt Hermann, »aber es sind keine elf Krieger mehr.«


Die vollständige Titelgeschichte »Neues Deutschland« von Christoph Biermann ist ab heute in der neuen Ausgabe von 11FREUNDE zu lesen. 11FREUNDE#110 gibt es an jeden gut sortierten Kiosk – oder gleich bei uns im Abo!

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