Die absurdesten Gründe für Stadionverbote

... und raus bist Du!

Da vergreift man sich mal im Ton, biegt einen Nagel gerade oder ist schlichtweg anwesend – und schon darf man für Jahre nicht mehr ins Stadion. Die Präventionspolitik der Sicherheitskräfte trägt zuweilen absonderliche Früchte. Imago Am kommenden Wochenende findet in Berlin der Fankongress 2012 statt. Der Grundgedanke lautet: »Wie schaut der Fußball in der Zukunft aus und welche Rolle spielen die Fans dabei?« Am Samstag und Sonntag wird es Podiumsdiskussionen und Workshops zu Themen wie 50+1, Pyrotechnik, Anstoßzeiten, Selbstbestimmung in der Kurve, soziale Verantwortung, Eintrittspreise etc. geben. Diskussionsteilnehmer sind u.a. Martin Kind (Präsident von Hannover 96), Jonas Gabler (Autor von »Die Ultras«), Dirk Grosse (Sky Deutschland AG), Holger Hieronymus (Geschäftsführer DFL), Hendrik Große Lefert (Sicherheitsbeauftragter DFB) oder Kevin Miles (Football Supporters Federation). Weitere Infos findet ihr auf www.fankongress-2012.de.

Im Laufe dieser Woche lest hier auf der 11FREUNDE-Homepage Interviews und Berichte zum Thema Fankultur. Ihr findet alle Berichte gesammelt unter www.11freunde.de/fans.
Die folgende Liste wurde erstmals im März 2008 veröffentlicht.

1. »Die Bullen haben uns voll gefickt«

Dieser Satz wurde im März 2006 einem Frankfurter Fan zum Verhängnis, nachdem er vor einem Auswärtsspiel beim 1. FC Köln von der Polizei in Gewahrsam genommen worden war. Einige Frankfurt-Anhänger hatten in der Kölner Fußgängerzone herumgepöbelt, für die Polizei Grund genug, alle nur einigermaßen in der Nähe befindlichen Gästefans mit auf die Wache zu nehmen. 38 waren es am Ende. Mit dem zitierten Satz informierte der Frankfurter daraufhin per Handy seine Freunde, die schon auf dem Weg ins Stadion waren. In der Tat nicht die feinste Wortwahl, aber auch Grund für ein bundesweites Stadionverbot?

Aber natürlich, fanden die Männer in Grün und der 1. FC Köln und verhängten einen Ausschluss über drei Jahre. Nach einem Jahr konnte der Fan wieder zurück in den Block, nachdem er erfolgreich gegen den Beschluss geklagt hatte.

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2. »Die Welt zu Gast bei Freunden«


So lautete das Motto für das rauschende Fußballfest im Jahrhundertsommer 2006. Ob sich allerdings auch die argentinische Ultra-Gruppe »Los Borrachos del Tablon« davon angesprochen fühlte, darf bezweifelt werden. Nach der Partie der Gauchos gegen die Niederlande in Frankfurt sahen sich die Südamerikaner plötzlich von Polizisten umringt. Ein flugs herbei eilender FIFA-Mitarbeiter sprach gegen die Gruppe Stadionverbote aus. Der unglaubliche Vorwurf: Die Argentinier hätten während des Spiels die Blöcke gewechselt und auf den Sitzen gestanden. Die Ultras aber wehrten sich, erwirkten per einstweiliger Verfügung eine Aufhebung der Verbote und schufen damit einen Präzedenzfall in Deutschland. Gegen Deutschland waren sie wieder im Stadion. Don’t cry for me Argentina.


3. Zur falschen Zeit am falschen Ort

Über besondere Zuwendung der Herren in Grün durfte sich auch ein Münchner Fan des TSV 1860 freuen. Nachdem sich nach einem Heimspiel der Bayern Anhänger des 1. FC Nürnberg und des FC Bayern in der Innenstadt geprügelt hatten, wurde der Löwen-Fan von einer Überwachungskamera in der U-Bahn gefilmt – einige Stationen von der Auseinandersetzung entfernt. Weil jedoch bereits zuvor schon einmal seine Personalien bei einem Fußballspiel aufgenommen worden waren, wenngleich das keine strafrechtlichen Konsequenzen gehabt hatte, reichte dies aus, um den Studenten während der WM 33 Tage lang zweimal täglich bei der Polizei antanzen zu lassen. Nachdem er aber wegen einer Uni-Exkursion dennoch das Land für einige Tage verließ und dies zu spät meldete, fand man bei den Behörden, dass er seine Hooligan-Pflichten wohl nicht ernst genug nehme: 1000 Euro Strafe.

4. »Hier ist ein Fax für Sie!«

Ein besonders schönes Jahr erlebten die Fans des VfB Stuttgart 2004. Im April bekam ein Anhänger ein zweijähriges Stadionverbot weil er durch eine Bahnhofshalle „Hier geht’s lang“ geschrieen hatte. der Vorwurf: Landfriedensbruch. Das Verfahren wurde eingestellt, das Stadionverbot blieb bestehen.

Im November desselben Jahres erwischt es dann die Vorsänger der Stuttgarter Ultras. Zunächst bekam der zweite Capo in Stuttgart Hausverbot, weil unter seinem Namen ein gewaltverherrlichender Eintrag in einem Internetforum gefunden wurde. Dass sich dort jeder unter jedem Namen anmelden konnte, beeindruckte die Stuttgarter zunächst wenig. Die Tatsache, dass der Delinquent seinen Namen allerdings auch noch falsch geschrieben hatte, reichte schließlich dann aber doch noch für eine Aufhebung des Verbots.

Nur einen Tag später war dann der Chef an der Reihe. Obwohl Dutzende Zeugen seine Version bestätigten, bekam er in Freiburg ein Stadionverbot wegen Sachbeschädigung. Er hatte am Zaun des Gästeblocks einen verbogenen Metallstift wieder gerade gebogen.

Besondere Note: Das Stadionverbot wurde ihm in der Halbzeitpause per Telefax übermittelt – aus Stuttgart.


5. Tatbestand: Besitz von Aufklebern


Der Fall von Clemens ist nicht der erste, in dem ein Aufkleber für ein Stadionverbot ausreichte. In Gladbach bekam einmal ein Ultra des FC Bayern ebenfalls aus diesem Grund ein Stadionverbot. In seinem Fall reichte es allerdings bereits, dass er Aufkleber in der Tasche hatte, die sich später auch auf dem Klo wieder fanden. Nachdem er dagegen vorgegangen war, wurde das bundesweite Stadionverbot in ein sechsmonatiges Hausverbot am Bökelberg umgewandelt.

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