Die 11 dramatischsten Vereinsniedergänge

Als der Affe aus dem Nest fiel

„Mein Gott, Borussia!“, mag mancher denken, wenn er das Schicksal des ehemaligen Erfolgsklubs aus Mönchengladbach betrachtet. Doch der Niedergang der Fohlen ist mitnichten der tiefste. Es geht sogar noch viel tiefer.
Heft #66 05 / 2007
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1. 1. FC Nürnberg
In der Saison 1967/68 wurde der „Club“ wie aus dem Nichts deutscher Meister. Der Motivator Max Merkel trimmte seine Mannschaft zu begeisterndem Offensivfußball. Die überragenden Stürmer Franz „Goldköpfchen“ Brungs und Heinz Strehl schossen gemeinsam 43 der 71 Tore. Schon zur Winterpause war der Vorsprung der Nürnberger so groß, dass Kölns Trainer Willi Multhaup auf die Frage, ob der Titel dem „Club“ noch zu nehmen sei, resigniert antwortete: „Da müsste schon ein Affe aus dem Nest fallen.“Eine Saison später geschah das Unbegreifliche, die Nürnberger, als großer Favorit gestartet, stieg in die zweite Bundesliga ab. Als Hauptschuldiger des Absturzes musste Meistertrainer Max Merkel herhalten. Er bezeichnete die Mannschaft von 1968 als „Bauernkapelle“ und wollte sie in ein „Sinfonieorchester“ verwandeln. Merkel verkaufte drei Leistungsträger, darunter „Goldköpfchen“ Brungs und verpflichtete 13 neue Spieler. Das zusammen gewürfelte Team erreichte nie das Niveau der „Bauernkapelle.“ Auch zwei Trainerwechsel (Robert Körner für Merkel, später Kuno Klötzer für Körner) retteten den „Club“ nicht. Nach einem 0:3 im letzten Saisonspiel gegen Köln stieg der 1. FC Nürnberg ab und verschwand für neun Jahre in der Zweitklassigkeit.

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2. Leeds United
Fast hätte sich Bayern München im Champions-League-Endspiel 2001 mit Leeds United herumschlagen müssen. Die viel versprechende Mannschaft um Rio Ferdinand, Jonathan Woodgate, Lee Bowyer, Alan Smith und Mark Viduka scheiterte im Halbfinale am heimstarken FC Valencia. Leeds Trainer David O’Leary hatte seit seinem Amtsantritt 1998 ein offensivstarkes Team aufgebaut, das bis zu seinem Abschied 2002 in jeder Saison mindestens den fünften Tabellenplatz belegte. Die großen Erfolge in der Liga und im Europapokal (2000 erreichte Leeds auch im UEFA-Pokal das Halbfinale) verleiteten den Präsidenten Peter Ridsdale dazu, große Kredite aufzunehmen, um mit den englischen Topklubs langfristig konkurrieren zu können. Doch in der Saison 2002 verpasste die Mannschaft knapp die Qualifikation zur fest eingeplaten Champions League, und der Verein konnte die hohen Zinsen nicht zurückzahlen. Doch selbst die Verkäufe der Topstars konnten den Klub nicht mehr sanieren – dabei wurde Rio Ferdinand für sagenhafte 30 Millionen Pfund verkauft. So setzte auch der sportliche Niedergang ein, und Leeds United stieg 2004 in die zweite englische Liga ab. Mittlerweile steht es um den Traditionsverein jedoch noch schlechter: sechs Spieltage vor Saisonende steht Leeds auch dort auf einem Abstiegsplatz, und so droht der Absturz in die dritte Liga.


3. Club Deportivo Alavés
Bei den Fans des 1.FC Kaiserslautern - übrigens auch ein heißer Kandidat für die Aufnahme in diese Kategorie tief gefallener Fußballgrößen - kennt man den Vereinsnamen der Basken noch ganz genau. In der Saison 2001 waren es jene erfrischend aufspielenden Spanier gewesen, die den hoffnungsfrohen Pfälzern im Halbfinale des UEFA-Pokals zwei empfindlich hohe Niederlagen beibrachten. Nach einem deutlichen 5:1-Sieg im Hinspiel betraten die Spieler von Alavés im rosaroten Quietschtrikot, auf dem zudem jedes Vereinsmitglied namentlich vermerkt war, den Platz des Fritz-Walter-Stadions und besiegten einen völlig desolat auftretenden FCK mit 4:1. Im Finale scheiterte der Klub dann in der Verlängerung am englischen Vizemeister FC Liverpool. So überraschend wie der Aufstieg des Vereins für seine Anhänger gewesen sein mag, so niederschmetternd war auch sein Niedergang. Im verheißungsvollen Glauben, man könne es mit den Goliaths aus Barcelona und Madrid aufnehmen, verstieg sich der Verein im finanziellen Übermut und stieg nur ein Jahr nach dem gefeierten Finaleinzug sang- und klanglos in die zweite spanische Liga ab. Seitdem müht sich Deportivo im Mittelfeld der „Segunda División“ um Anknüpfung an die großen Zeiten.

4.Dynamo Dresden
Der Klub der Fußballlegende Hans-Jürgen „Dixie“ Dörner und einer der beliebtesten Vereine Ostdeutschlands qualifizierte sich mit der Vizemeisterschaft in der DDR-Oberliga-Saison 1991 für die gesamtdeutsche Bundesliga. In den beiden Jahren zuvor gewann die Mannschaft jeweils den Titel in der Oberliga. Der erste „Double-Sieger“ des Ostfußballs (1971) konnte sich drei wackere Jahre in der 1. Bundesliga halten, stieg im vierten Jahr jedoch sang- und klanglos ab. In den Jahren nach der politischen Wende waren immer wieder die besten Spieler wie Sammer, Kirsten, Scholz, Zickler, Jeremies etc. in den Westen verkauft worden. Das gab zwar Transfererlöse, doch dubiose Präsidenten wie der Baulöwe Rolf-Jürgen Otto konnten oder wollten mit dem Geld nicht haushalten und vollführten windige Geschäfte, die Dynamo in arge Finanzprobleme stürzten und schließlich die Lizenz kosteten. Nach dem sportlichen Abstieg aus der Bundesliga verweigerte der DFB den Dresdnern auch die Lizenz für die 2. Liga, und so wurde Dynamo in die Regionalliga Nord zwangsversetzt. Nach Jahren der Tristesse in der folgte 2002 sogar der Absturz in die vierte Liga. Wenigstens das konnte korrigiert werden, heute spielt Dresden wieder in der 3. Liga um Tore und Punkte.

5. AS St. Etienne
Die Mannschaft aus der Industriestadt im Zentralmassiv beherrschte den französischen Fußball ab Mitte der 60er bis Ende der 70er Jahre wie Olympique Lyon heute. Innerhalb von zwölf Jahren gewannen „les Verts“ (die Grünen), wie das Team anerkennend von allen Franzosen genannt wurde, acht Meistertitel. Herausragende Techniker wie Jacques Santini, Christian Lopez und vor allem Dominique Rocheteau und Michel Platini verzückten die ganze Nation. 1976 zog der AS St. Etienne sogar ins Finale des Landesmeisterpokals ein und scheiterte unglücklich an Bayern München.Den letzten Meistertitel errangen „les Verts“ 1981. Schon ein Jahr später leitete ein Finanzskandal den Niedergang des Vereins ein. Der damalige Präsident Roger Rocher hatte ein System aus Schwarzen Kassen aufgebaut und sich selbst bereichert. Er wurde verurteilt und musste mehrere Monate im Gefängnis verbringen. Die Unruhen in der Vereinsführung veranlassten viele Spieler, vor allem die Identifikationsfiguren Lopez und Platini, dazu, den Klub 1982 zu verlassen. Nur ein Jahr später stieg der beliebteste Verein Frankreichs in die zweite Liga ab. Der AS St. Etienne entwickelte sich fortan zu einer Fahrstuhlmannschaft, die dreimal auf- und zweimal Abstieg. Momentan stecken „les Verts“ im grauen Mittelmaß der Ligue 1, und nur die heißblütigen Fans versprühen den Glanz vergangener Zeiten.

6. Blackburn Rovers
Der Industriemagnat Jack Walker hatte sich Anfang der 90er Jahre in den Kopf gesetzt, aus seinem in der zweiten Liga herumdümpelnden Heimatklub ein Spitzenteam zu formen. Er übernahm den Verein und pumpte Unsummen hinein. Zunächst holte er den renommierten Trainer Kenny Dalgish aus Liverpool und verpflichtete dann für die damalige Rekordablösesumme von 3,5 Millionen Pfund den jungen Nationalstürmer Alan Shearer. Damit gab sich Walker nicht zufrieden. Er kaufte die Spitzenspieler David Batty, Graeme Le Saux und Chris Sutton. Die Stürmer Sutton und Shearer bildeten fortan ein gefürchtetes Duo, das in Anlehnung an ihre Initialen und Spezialeinheit der britischen Armee nur noch „SAS“ genannt wurde. In der Saison 1994/95 gewann Blackburn nach einem dramatischen Zweikampf mit ManU die Meisterschaft. Doch als der beste Spieler der Mannschaft, Alan Shearer, den Klub 1996 in Richtung Newcastle verließ, war der schleichende Absturz nicht mehr aufzuhalten. Die Vereinsführung bemühte sich, Shearers Abgang mit einer glanzvollen Trainerverpflichtung aufzufangen und verkündete, Starcoach Sven-Göran Eriksson habe einen Vorvertrag unterschrieben. Der Schwede kam dann doch nicht nach Blackburn, sondern blieb im sonnigen Italien. Zwei Jahre später, zum Ende der Saison 1998/99, stieg der Verein ab und war damit der erste ehemalige englische Meister, der von der Premier League in die Division 1 musste. Heute spielt der Verein wieder in der Premier League und machte vor kurzem nur mit dem Ausscheiden im Uefa-Cup gegen Bayer Leverkusen von sich reden.


7. SSC Neapel
Die goldene Ära des SSC Neapel ist eng mit dem Namen Diego Maradona verbunden. Bevor der vielleicht beste Spieler aller Zeiten 1984 für die damalige Rekordablösesumme in Höhe von 12 Mio. Euro vom FC Barcelona nach Neapel wechselte, war der SSC bestenfalls Mittelmaß. Doch mit Maradona schwang sich Neapel zu einem absoluten Topteam auf und gewann 1987 das Double aus Meisterschaft und Pokal. Zwei Jahre später gelang Neapel der Sieg im Finale des UEFA-Pokals gegen den VfB Stuttgart. 1990 holte der SSC dank Maradona den nationalen Meistertitel ein zweites und letztes Mal. Der süditalienische Verein war der ganze Stolz des armen und wirtschaftlich schwachen Region und die Menschen verehrten Maradona dort wie einen Gott.Doch der Absturz Maradonas hatte auch den Zerfall des SSC Neapels zur Folge. 1991 wurde Maradona des Dopings überführt und für 15 Monate gesperrt. Er spielte nie wieder für Neapel. Parallel dazu war der Verein damals stark überschuldet, so dass über Jahre hinweg immer wieder die besten Spieler verkauft werden mussten. Dieser sportliche Aderlass führte 1997 zum Abstieg in die Serie B. Neapel bekam seine Schulden niemals in den Griff und musste 2004 Konkurs anmelden. Mit etwas Fortune spielt der neu gegründete Klub „Napoli Soccer“ knapp 10 Jahre nach dem Abstieg des SSC Neapel bald wieder in der Serie A. In der Serie B liegen sie aussichtsreich im Aufstiegsrennen.

8. Fortuna Düsseldorf
Ihre glorreiche Zeit hatte die Fortuna Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre. In der Bundesliga erreichte die Fortuna zumeist nur Plätze im Mittelfeld, feierte in den Pokalwettbewerben jedoch große Erfolge. 1978 erreichte die Fortuna mit Starspieler Klaus Allofs das DFB-Pokalfinale. Das Spiel ging zwar gegen den 1.FC Köln verloren, doch da die Kölner in jenem Jahr auch Meister wurden, durfte Düsseldorf in der Folgesaison im europäischen Pokalsiegerwettbewerb antreten. Düsseldorf vertrat den deutschen Fußball dabei äußerst würdig und kam bis ins Endspiel. Im Finale musste sich die Fortuna dem FC Barcelona erst in der Verlängerung knapp mit 3:4 geschlagen geben. Im selben Jahr gewann Düsseldorf den DFB-Pokal und konnte diesen Triumph im darauf folgenden Jahr wiederholen. Zu dieser Zeit gelang ihnen das Kunststück, 18 Pokalspiele in Serie zu gewinnen. Doch diese Serie riss, und damit endete auch die große Zeit der Fortuna. Nach einigen weiteren Jahren Bundesligamittelmaß folgte der Abstieg in Liga 2. Düsseldorf ist die Mannschaft, die in den letzten 20 Jahren in Deutschland am häufigsten auf- und abgestiegen ist, und hat dabei vier Ligen abgeklappert. Aktuell kämpft die Fortuna um den Aufstieg in die 2. Liga.


9. Bayer 05 Uerdingen
Die Grotenburg-Kampfbahn ist jedem deutschen Fußballfan noch ein Begriff, fand hier doch beim legendären 7:3-Sieg (Halbzeitstand 1:3) von Uerdingen gegen Dynamo Dresden im Pokalsiegerwettbewerb des Jahres 1986 eines der unglaublichsten Spiele der europäischen Fußballgeschichte statt. Doch nur wenige wissen, dass in der Grotenburg aktuell nur noch Oberliga-Fußball gespielt wird. Für die Saison 2005/06 erhielt der chronisch klamme Klub keine Lizenz für die Regionalliga und stieg somit in die Viertklassigkeit ab. 1981 schaffte Uerdingen zum dritten Mal den Aufstieg in die 1. Liga, und damit begann die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte. Uerdingen etablierte sich in Liga 1, wurde 1985 mit einem 2:1-Finalsieg gegen die Bayern DFB-Pokalssieger und erreichte 1986 mit Platz drei seine beste Platzierung der Vereinsgeschichte.Nach acht Jahren Erstklassigkeit musste Uerdingen 1991 jedoch zum wiederholten Mal den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Anschließend verkam Uerdingen zu einer Fahrstuhlmannschaft. Der Rückzug des Hauptsponsors Bayer AG anno 1995 leitete den endgültigen Abschied aus dem Profifußball ein. Mit dem Bayer-Rückzug ging die Um- bzw. Rückbenennung in KFC Uerdingen 05 einher. Der KFC konnte sich noch einige Jahre in der 2. Liga halten, doch mit Beginn der Saison 2000/01 war Uerdingen nur noch drittklassig. Dort spielte er solange, bis der DFB ihm die Lizenz verweigerte.

10. Ajax Amsterdam
Ajax’ legendäre Offensivabteilung mit Cruijff und Neeskens spielte Anfang der Siebziger regelmäßig die Hinterreihen europäischen Topteams schwindelig. Zu Recht galten die Holländer daher als stärkstes Team auf dem europäischen Kontinent. Mit den Trainergrößen Rinus Michel und Stéfan Kovács holte Amsterdam von 1971 bis 1973 dreimal in Folge den Pokal der Landesmeister, wurde reihenweise holländischer Meister und gewann 1972 außerdem den europäischen Supercup und den Weltpokal. Doch in den Achtzigern war es urplötzlich vorbei mit der holländischen Herrlichkeit. Mit dem Gewinn des Pokalsieger-Wettbewerbs sprang nur ein internationaler Titel heraus – für die Verantwortlichen der Ajacieden damals eine Katastrophe. Mitte der Neunziger besann sich der Verein auf seine Wurzeln und startete seine europaweit beispiellose Jugendarbeit. Der Erfolg blieb nicht aus: jeder der Spieler, die 1995 die Champions League gewannen, trug von Kindesbeinen an das Trikot mit dem roten Längsbalken. Das Projekt Jugendarbeit schien zu fruchten, Ajax startete mit dem besten Kader seit Jahren Richtung neues Jahrtausend. Doch immer mehr Leistungsträger verließen den Verein. Clarence Seedorf, Edgar Davids und Patrick Kluivert kehrten ihrer Jugendliebe den Rücken und wurden abseits von Amsterdam zu Weltstars. In den vergangenen beiden Spielzeiten scheiterte Ajax in der Meisterschaft immer wieder an PSV Eindhoven. Jüngst verspielte das Team mit einer Heimniederlage in der Qualifikation gegen den FC Kopenhagen sogar seinen Champions League Platz.

11. Eintracht Braunschweig
Die Abschlusstabelle der vierten Bundesligasaison ist in der Vereinschronik von Eintracht Braunschweig fett unterlegt. Deutscher Meister 1967 - Eintracht Braunschweig. Angesichts der heutigen Tabellensituation des Vereins wirkt diese Erfolgsmeldung in etwa so überholt wie die Sehnsüchte der Eintracht-Fans nach den rauschenden Europapokalnächten Mitte der Sechziger. 1968 stand die Eintracht im Europapokal der Landesmeister und scheiterte erst im dritten Anlauf am italienischen Meister Juventus Turin. Fünf Jahre später stieg die Mannschaft zum ersten Mal aus der Bundesliga ab, schaffte aber den direkten Wiederaufstieg und erreichte 1976 das Viertelfinale des UEFA-Cups. Ein Jahr später verkündete der Verein stolz die Verpflichtung des Nationalspielers Paul Breitner von Real Madrid, fand sich jedoch in den folgenden Jahren immer öfter im Abstiegsstrudel wieder und stieg 1980 als Tabellenletzter des Fußballoberhauses in die neu gegründete 2. Bundesliga ab. Es folgten zwei weitere Abstiege mit dem bitteren Gang in die Oberliga Nord in der Saison 87/88. Heute grast die Eintracht die Niederungen der 2. Bundesliga ab und ist drauf und dran, erneut in die Regionalliga abzusteigen.

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