Die 11 des Spieltags (8)

#GOBAYERNGO

Joel Matip wandelt auf Mills Spuren, Marko Arnautovic ist der Urzeitkrebs der Bundesliga, Ibrahima Traoré denkt nur an sich und niemand läuft sich so bedingungslos warm wie Hamburgs Paul Scharner – unsere 11 des achten Spieltags!

Paul Scharner
Nach etwa fünfzehn Spielminuten trabte Paul Scharner von der Ersatzbank in Richtung Nordkurve. Was wollte er dort? Die Fans begrüßen? Das Konfetti einsammeln? Nein, der Mann lief sich warm. 20 Minuten lang. Dabei gab es keinen ersichtlichen Grund dafür, niemand schien verletzt. Einige HSV-Fans, aufgrund des Spielstandes eh schon mies gelaunt, nörgelten: »Was für ein Streber!« Scharner trabte also wieder zurück. Seinen Einsatz hatten er erst in der 85. Minute. Da kam er für Heung-min Son ins Spiel – als Mittelstürmer.

Rafinha
Der Brasilianer musste zuletzt wegen eines Bänderrisses drei Monate pausieren. Nun kam er zurück und schoss gleich sein erstes Tor für den FC Bayern. Darüber war er so erfreut, dass er einen Miro-Klose-Gedächtnis-Salto schlug. Man weiß nicht, was Jupp Heynckes in diesem Moment durch den Kopf ging. Man weiß nicht, ob seine Atmung kurzzeitig aussetzte. Man weiß nur, dass die Bänder sich im Flug schon auf den nächsten Riss vorbereiteten. Doch dann: Durchatmen! Rafinha landete – irgendwie. Am Abend twitterte er das Foto des Saltos mit dem Kommentar: »This was the best photo of the weekend :) #GOBAYERNGO.«

Joel Matip
Man kann sich einfach nicht helfen, aber am liebsten würde man Joel Matip einfach mal einen »Körperklaus« nennen. Aber, weil man das etwas zu viel des Guten wäre, erkennt man – ganz fachmännisch – größere Probleme im koordinatorischen Bereich. Die führen beim Schalker Innenverteidiger mitunter zu slapstickhafen Beinverknotungen oder Stolperanfällen, die dem gemeinen Fan das königsblaue Blut in den Adern gefrieren lässt. Gegen Dortmund beließ Matip es diesmal bei genau drei solcher Aktionen: Zuerst nagelte er aus einem Meter den Ball über das BVB-Tor, Minuten später sprang er eine hübsche Pirouette hinter Robert Lewandowski, der unbeeindruckt zum 1:2 einköpfte. Da Matip ansonsten erstaunlich souverän spielte, verschweigen wir an dieser Stelle die dritte Aktion. Nur so viel: Es sah mörderkomisch aus.

Ibrahima Traoré
Zum Glück tat Traorés Übermut dem VfB Stuttgart hier nicht ungut. In der 27. Minute kam der 24-Jährige gefährlich nahe vor das Tor des HSV, hätte nur auf den freistehenden Torschützen Vedad Ibisevic abspielen müssen und die Sache wäre gegessen gewesen. Aber Traoré wollte auch ein Stück des Siegerkuchens. Also versuchte er es selbst. Ohne Erfolg. Aus spitzem Winkel flog der Ball in die Arme von René Adler, seine Mitspieler bordelten vor Wut. Glück für den VfB und Traoré: Am Ende gewann Stuttgart doch noch mit 1:0 – durch ein Tor von Ibisevic.

Marko Arnautovic
Die Redewendung »Genie und Wahnsinn liegen manchmal nah beieinander« sollte sich der Österreicher in Diensten von Werder Bremen schleunigst auf den Körper tätowieren lassen – wenn das nicht längst geschehen ist. In der Wundertüte Werder ist Arnautovic das Gimmick: eine unberechenbare Überraschung, die mal Spaß, mal wütend macht. Am Samstag, beim 4:0 gegen Mönchengladbach, mutierte Gimmick Arnautovic zum Urzeitkrebs des Spieltags. So viel Freude hat ein Bundesligaspieler schon lange nicht mehr gemacht. Jede Aktion ein Beweis seines Talents. Ein Tor, eine Vorlage – zum Dank luden ihn die Werder-Fans nach dem Spiel als Animateur in die Ostkurve. Und, natürlich, auch mit dem Megaphon in der Hand machte Arnautovic an diesem Tag eine gute Figur.

Aaron Hunt
Viele Zuschauer im Weserstadion hielten es erst für einen Scherz. Dann die Gewissheit: die Binde, die Aaron Hunt an seinem Oberarm spazieren trug, war tatsächlich die Kapitänsbinde! Kein Zweifel: Aaron Hunt führte seine Mannschaft als Kapitän auf das Spielfeld! Er ging zur Seitenwahl, gab Schiedsrichtern und Gegenspieler artig die Hand – und machte dann ein großes Spiel als Drehkreuz im viel befahrenen Bremer Mittelfeld. Richtig gehört, der Aaron Hunt, der sich noch vor einigen Jahren mit Discohauereien und Raserei einen Namen als Enfant terrible verdient hatte, ist doch tatsächlich erwachsen geworden. Prognose: In zehn Jahren wird der Mann DFB-Präsident.

Diego
Fünfeinhalb Jahre ist es her, da schickte Diego, Spielmacher von Werder Bremen, den Ball auf eine weite Reise. Für Sekunden segelte das Spielgerät durch die Luft, titschte dann einmal auf, und sprang in das leere Tor von Alemannia Aachen. Das »Tor des Jahres«, Diegos Meisterwerk. Meine Güte, ist das lange her. Inzwischen ist Diego beim VfL Wolfsburg, ein sehr reicher Klub, der sehr weit unten in der Tabelle steht. Nämlich auf dem letzten Platz. Er ist das Symbol der bislang so miserablen Saison der Wolfsburger. In bislang sieben Einsätzen hat Diego nicht ein Tor, nicht eine Vorlage produziert. Beim 0:2 gegen den SC Freiburg gelang Diego wieder nichts. Diesmal hatte er allerdings eine gute Ausrede: Trainer Felix Magath ließ ihn 90 Minuten lang auf der Bank.
 
Franck Ribéry
Es passierte nicht so häufig im Spiel gegen Fortuna Düsseldorf, dass Frank Ribery den Ball aus den Füßen gab. Und wenn, dann fiel meistens ein Tor. Drei präzise Torvorlagen, die Mandzukic und Co. wohl auch mit der Schlafbrille verwandelt hätten. Ansonsten dribbelte der 29-Jährige, als ob ihm der Ball am Fuss kleben würde. Nur Ronaldinho liebkoste das Leder früher mehr als der bayerische Flügel. Damit zauberte er selbst Jupp Heyneckes ein Lächeln aufs Gesicht.

Lewis Holtby
Der hippste Fußballer seit, nun ja, Hans Hipp (Grazer AK) kommt mit Undercut und Unterarm-Tattoo daher wie ein nichtsnutziger Kulturmanagement-Student aus Berlin-Kreuzberg. Doch was er im Derby auf den Platz zauberte war zu phänomenal, um sich mit schnöden Äußerlichkeiten aufzuhalten. Holtby rackerte für vier, lief so viel wie die gesamte kenianische Marathonnationalmannschaft und dreieckte dann noch einen Wunderpass aus der der Konsolenwelt in den Fuß von Marco Höger, der anschließend lässig zum 2:0-Knockout einschob. Am Ende holte sich Holtby auch noch den verdienten Lohn für seine Mühen ein: Nach einem Wadenkrampf kurz vor Schluss ließ er sich von der Dortmunder Südtribüne auspfeifen, bewerfen und zur Hölle schicken. Mehr Genugtuung kann es für einen Schalke wirklich nicht geben.

Javi Martinez
Zahlreiche Fußballexperten hatten diesen Transfer kritisiert. So viel Geld für einen defensiven Mittelfeldmann! Was werden sie nun sagen? Der 40-Millionen-Euro-Mann hat sich beim Rekordmeister etabliert – als Joker. Immerhin hat er den Rekordmeister-Schablonen-Sprech schon verinnerlicht: »Wir sind auf jeden Fall auf einem guten Weg, aber es liegt noch viel vor uns.« Ach, und falls irgendjemand darauf kommen sollte, dass es Kommunikationsprobleme mit der spanischen Nationalmannschaft geben sollte: Der GRund sind die hohen Telefonkosten. Kürzlich erklärte er: »Mein spanisches Handy ist kaputt, ich muss es unbedingt zur Reparatur bringen. Ich kann nur mein deutsches Handy benutzen, deswegen kann ich derzeit auch nicht mit den Jungs aus der Seleccion sprechen.«

Lasse Sobiech
Vergangene Saison lief es nicht gut für Lasse Sobiech. Bei einer Rettungsaktion für seinen damaligen Klub FC St. Pauli rannte er gegen den Torpfosten und zog sich dabei einen Außenbandriss und eine Dehnung im Sprunggelenk zu. Diese Saison fängt besser an. Vor allem in der Offensive. Vor sieben Tagen erzielte der Fürther einen Treffer beim 3:1-Sieg der deutschen U21-Nationalelf gegen die Schweiz. Der Sieg bedeutete die Qualifikation zur EM 2013. Am Freitag gelang dem Abwehrmann mit Basketball-Statur der Treffer zum 3:3-Ausgleich in Hoffenheim – in der 93. Minute. Die einzige Gefahr danach: Mike Büskens. Der Trainer vollführte einen so enthusiastischen Ein-Mann-Platzsturm, bei dem man Sorge hatte, dass er vor lauter Freude gegen den Torpfosten rennt.

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