Die 11 des Spieltags (7)

Batman und Robert

Superhelden in Dortmund, Slapstick in Sinsheim und Beziehungskisten in Berlin - nur auf der Wiesn wird wieder gerangelt. Sitzt mit dem Maßkrug unterm Biertisch: unsere 11 des Spieltags

imago

Robert Lewandowski
Wir lehnen uns wahrscheinlich nicht zu weit aus dem Redaktionsfenster, wenn wir behaupten, dass Robert Lewandowski sicherlich noch einige Male Gast in dieser Liste sein wird. Das liegt zum einen daran, dass der Pole geschätzte 30 Saisontore schießen wird, zum anderen an der Art und Weise, wie Lewandowski netzt. Seinen ersten Treffer gegen die Freiburger erzielte der Stürmer mit einem sahnig-weichen Lupfer aus dem Fußgelenk. Der Mann hat so viel Gefühl im Fuß, er könnte nebenberuflich als Uhrmacher arbeiten und winzige Schrauben in winzige goldene Uhrengehäuse lupfen. Aber auch die gute alte Stürmerschule hat Lewandowski im Repertoire. Eine Hereingabe des eingewechselten Hofmann verwertete Lewandowski zum 4:0, indem er sein Bein um circa 160 Grad nach oben streckte und abstaubte. Eine Bewegung, bei der uns mit jeder Zeitlupe ein weiteres Band im Knie riss. Wer sein Bein derart strecken und dann auch noch treffen kann, der könnte wahrscheinlich auch am New York City Ballett die Hauptrolle tanzen oder sich morgens die Kaffeetasse mit dem großen Zeh aus dem oberen Küchenregal fischen. Ohnehin sind Technik und Beweglichkeit Lewandowskis aller Ehren wert, bedenkt man, dass der Mann ja eigentlich in einem bulligen Carsten-Jancker-Körper unterwegs ist. 

Pierre-Emerick Aubameyang
Mit Pierre-Emerick Aubameyang findet sich direkt ein weiterer Borusse in unserer Elf des Spieltags. Allerdings nicht, weil Dortmunds Usain Bolt gegen Freiburg mit Toren geglänzt hätte; tatsächlich ließ er einige gute Chancen liegen. Wir nehmen ihn auf, weil ihm das bunte Gruselkabinett der Fußballerfrisuren eine weitere Attraktion verdankt. Gegen den Sportclub lief Aubameyang nämlich mit einem seitlich an den Schädel rasierten Batman-Zeichen auf, die andere Kopfseite zierte die 17, seine Rückennummer. Eine Frisur, so exzentrisch, dass irgendwo in Barcelona Neymars Hahnenkamm erschlaffte und sich in traurigen Strähnen resignierend zur Seite legte. Die Frage, die wir uns stellen ist aber: Warum Batman? Feierte Aubameyang seine Tore nicht einst mit Spider-Man-Maske? Und was kommt als nächstes? Rasiert er sich ein Superman-S in die Brusthaare? Lässt er sich eine wallhallende, blonde Mähne stehen, um sein Thor (*kicherkicher*) zu bejubeln? Oder malt er sich grün an und feiert seine Treffer als der unglaubliche Aubameyulk?

Ronny
Gut, dass es unter all den Mini-Christiano-Neymarios noch kernige, bodenständige Kicker gibt, die Backsteine barfuß aufs Stadiondach bolzen können und sich die Haare mit der Käsereibe schneiden. Wie etwa Herthas Ronny. Den wir allerdings nicht aus frisurlichen oder gar sportlichen Gründen nominieren, sondern weil er uns am Samstag zeigte, dass selbst wenn man ein gut bezahlter, erfolgreicher Profisportler ist, irgendwo darunter noch das kickende Kind versteckt liegt, das beleidigt ist, wenn man ihm das Spielzeug wegnimmt. Im Spiel gegen Mainz wollte Ronny so derart nicht ausgewechselt werden, dass man meinen konnte, er sei auf einer Waldorfschule gewesen und würde nun spontan den Begriff »beleidigte Leberwurst« tanzen: Er motzte, trabte lustlos zur Bank, motzte, warf seine Wasserflasche auf den Boden, motze noch ein wenig und schmollte schließlich. Auch dass seine Mannschaft das Spiel anschließend noch drehte, konnte Ronny nicht beschwichtigen, der beim kollektiven Torjubel nach dem 3:1 beleidigt auf der Bank sitzen blieb und dabei in etwa so fröhlich aussah wie Thomas Strunz am Hochzeitstag der Effenbergs. Aber immerhin: Ronny verzichtete darauf, sich auf den Boden zu werfen und schreiend mit den Fäusten auf die Tartanbahn zu trommeln und beließ es beim Schmollen. 

Sami Allagui
Matchwinner im Spiel gegen Mainz war also nicht Prinz Eisenfuß Ronny, sondern der eingewechselte Sami Allagui. Mit seinen zwei Toren verschärfte der Tunesier die Krise der Mainzer, die ja unter der Woche bereits aus dem Pokal geflogen waren. »Ausgerechnet«, hieß es dann auch reflexartig in der Berichterstattung, denn Allagui stand vor nicht allzu langer Zeit ja noch in Mainz unter Vertrag. Passend dazu war schon das Pokalspiel des FSV durch einen Treffer des Ex-Mainzers Marcel Risse verloren worden. Vielleicht sollte man sich am Bruchweg mal Gedanken machen, auf welche Art und Weise man Beziehungen beendet und ob man das mit ein wenig mehr Fingerspitzengefühl hinbekommt, denn mehr Negativerlebnisse mit seinen Verflossenen hatte in der Vergangenheit höchstens noch Lothar Matthäus. 

David Abraham
Manchmal ist dieser Sport in der Tat sehr überraschend und man merkt, wie falsch man den ein oder anderen Protagonisten bislang eingeschätzt hat. Hoffenheims David Abraham kannten wir bisher nur als relativ haudegigen Innenverteidiger, dessen vorrangiges Alleinstellungsmerkmal war, dass er der einzige aus dem bunten Blumenstrauß Andreas-Müllerscher Panikkäufe war, der sich tatsächlich irgendwie als tauglich erwies. Am Samstag nun überraschte uns Abraham, als er zum Freistoß schritt und den Ball nicht, wie wir gedacht hätten, wütend in die Kraichgauer Mischwälder drosch, sondern ihn juninhoesk über die Mauer hinweg ins Eck hob. Das war nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Wenn Abraham im Anschluss noch einen doppelten Flick-Flack mit abschließendem Rückwärtssalto als Jubel ausgepackt hätte, hätten wir uns wohl die Kinnläden am Redaktionsboden blutig geschlagen. Aber auch so waren wir kurz davor.

Sven Schipplock
Herzlich Willkommen in jedem einzelnen Saisonrückblick, der nächstes Jahr produziert wird, Sven Schipplock. Dem Hoffenheimer Stürmer gelang gegen Schalke nämlich das Kunststück, beim Stande von 3:3 in der Schlussphase zunächst allein auf Keeper Hildebrand zuzulaufen, ihn zu umkurven und anschließend wenige Zentimeter vor der Linie den Ball noch zu verdödeln. Ein Fehlschuss, so eklatant, dass Frank Mill zuhause vorm TV wahrscheinlich gleichzeitig einen Lach- und einen Weinkrampf bekam. Dumm gelaufen, denn wenn Schipplock den Ball nicht mit der Hacke am Verteidiger hätte vorbeispitzeln wollen, sondern ihn einfach kompromisslos über die Linie geprügelt hätte, wäre das wohl der Sieg gewesen, so blieb es beim Remis. Schon wenige Minuten zuvor war Roberto Firmino alleine auf das Schalker Gehäuse zugelaufen und hätte den Sieg eintüten könen, er traf aber nur die Latte. Größere Chancen auf einen Dreier hat man höchstens noch auf einer von Hugh Hefners Playboy-Mansion-Partys.

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