Die 11 des Spieltags (6)

It’s a dirty job…

Ein neuer Trainer in Hamburg, Lederhosensamba in Gelsenkirchen und das schlechteste Partywochenende aller Zeiten in Mainz. Mittendrin: unsere 11 des Spieltags.

imago

Bert van Marwijk
Es gibt eine ganze Reihe an Jobs, die niemand machen will. Dixie-Klos reinigen zum Beispiel oder mit Menderes Bagci Musik aufnehmen. Außerdem Jobs, von denen man weiß, dass sie nicht lange gut gehen und meist böse enden. Rockerbanden-Chef etwa oder Rebellenführer. Jobs, die entwürdigend, kräftezehrend und traurig sind. Fluffer-Girl oder Putzkraft bei den Ludolfs. Und dann gibt es Jobs, die all das vereinen und sogar noch ein bisschen undankbarer sind. Aktuell zum Beispiel HSV-Trainer. Bert van Marwijk stellt sich dennoch dieser Herausforderung und übernimmt wohl den kriselnden Bundesliga-Dino, der am Wochenende das Nordderby mit 0:2 vergeigte. Neben den sportlichen Problemen erwarten Van Marwijk in Hamburg interne Querelen, ein dickes Minus auf dem Konto und ein Investor auf Mallorca, der beständig aus der Ferne zündelt. Aber wie sagte Chris Pontius einst, als er in der Fernsehshow »Jackass« in einen großen Haufen Elefantendung sprang? »It’s a dirty job, but somebody’s got to do it!«

Nils Petersen
Dass der HSV nun noch weiter in die Krise gerutscht ist, liegt auch an Nils Petersen. Der Bremer Stürmer erzielte am Samstag nämlich beide Tore für den ungeliebten Gast und schubste den wankenden Dino so ein bisschen weiter in Richtung Abgrund. Tatsächlich waren es Petersens erste Treffer seit sechzehn Bundesligaspielen, eine ziemlich lange Zeit für einen Stürmer. Passend dazu wurde ihm das erste Tor von Clemens Fritz vorgelegt, der es zuvor schaffte, als Außenverteidiger fast zwei Jahre lang kein einziges Bundesligator vorzubereiten. Das finden wir wirklich bemerkenswert und sehen uns in unserer These bestätigt, dass man gegen den HSV in seiner derzeitigen Verfassung wahrscheinlich auch wahlweise die Freizeitmannschaft der Esel- und Muli-Freunde Deutschland e.V., die Brennball-C-Jugend der TSV Spangenberg/Pfieffe oder von uns aus auch Menderes Bagci und die DSDS-Allstars aufstellen könnte – der HSV würde es irgendwie schaffen, das Spiel zu verlieren.

Per Skjelbred
Bro’Sis, Alexander Klaws und der in diesem Text bereits viel zu oft erwähnte Menderes Bagci – haben Castingshows eigentlich jemals etwas Gutes hervorgebracht? »Ja«, wird man in Berlin sagen und voller Stolz auf Per Skjelbred verweisen, der in seiner Jugend einst eine Fußball-Castingshow im Fernsehen gewann. Skurril. Aber wie das so ist mit Castingshows: So richtig glamourös ist es dann doch nicht. Vor der Saison wurde der Mittelfeldspieler gegen Pierre-Michel Lasogga getauscht, sein Debüttor für den neuen Arbeitgeber schoss er am Sonntag in einem zähen Spiel gegen Freiburg, als er mit langem Bein einen Einwurf ins Tor grätschte. Mitunter ist die Realität dann eben doch ernüchternd und das erhoffte Startum ist ein staubiger Sonntagnachmittag im Mittelfeld der Bundesliga. Was, wenn wir an unseren Sonntagnachmittag voller Kater, Junkfood und Privatfernsehen zurückdenken, eigentlich schon wieder ziemlich erstrebenswert scheint.

Matthias Ostrzolek
Absicht, keine Absicht, unnatürliche oder natürliche Handbewegung, Handspiel, ja, nein, vielleicht? Wir wissen es nicht. Keiner weiß es, denn die Regelung bei Handspielen ist derzeit ähnlich unübersichtlich wie die Anordnung der Konsonanten in Ostrzoleks Namen. Was mitunter zu so kuriosen Spielen führt wie jenem zwischen Hannover 96 und Augsburg am Samstag. Ostrzoleks Team ging zunächst durch einen umstrittenen Handelfmeter in Führung, wenig später wurde den Hannoveranern ein umstrittener Handelfmeter verwehrt, kurz vor Schluss gewannen die 96er dann doch noch, dank eines, na klar, umstrittenen Handelfmeters. Pechvogel dabei war ebenjener Matthias Ostrzolek, wobei ihm an dieser Stelle kein Vorwurf gemacht werden kann, denn Absicht war es sicher nicht und eindeutig irgendwie auch nicht. Um allerdings im derzeitigen Regelwirrwarr einen wirklich eindeutigen Handelfmeter zu verursachen, müsste man den Ball wahrscheinlich schon mit beiden Händen aufheben und selber auf den Punkt legen. 

Harald Strutz
Tja, es gibt so Tage, die kann man getrost vergessen. Richtig ärgerlich wird es dann, wenn man an so einem gebrauchten Tag Geburtstag auch noch hat. So erging es am Wochenende Mainz-05-Präsident Harald Strutz, der in der heimischen Arena gemütlich seinen 60. Geburtstag feiern wollte, dem dann aber von den Partycrashern aus Leverkusen ordentlich die wallende Altherren-Mähne gewaschen wurde. Vier hässliche Geschenke hatten die Leverkusener zur Party mitgebracht, die Stimmung auf Strutz’ Geburtstagsparty dürfte ähnlich fröhlich gewesen sein wie die auf der FDP-Wahlparty. Für die Strutz ironischerweise im Stadtrat von Mainz sitzt, was ihm am Sonntag zu einer weiteren richtig üblen Party verholfen haben dürfte. Aber der Mann sei getröstet: Auch wenn irgendwann die nächste Klatsche für den FSV kommt, wird zumindest die nächste FDP-Wahlparty ein wenig auf sich warten lassen.

Robbie Kruse
Dass Strutz die Partyhüte und Luftschlangen wieder wegpacken musste, lag auch an Leverkusens Robbie Kruse. Was nicht unbedingt zu erwarten war, denn als der Australier im Sommer verpflichtet wurde, war er das, was im Fußballsprech so schön als »Investition in die Breite des Kaders« bezeichnet wird. Kruse selber schien die übermäßige Konkurrenz bei Bayer nicht zu abzuschrecken, vielleicht war er aber auch einfach nur froh, dass er nicht weiter mit Fortuna Düsseldorf durch den Profifußball dilettieren musste. Im Spiel gegen Mainz zeigte Kruse nun, dass er durchaus mehr kann, als die Sitzschalen auf den Tribünen des Landes auf ihre Beschaffenheit zu testen. Mit gleich zwei Toren war er gegen Mainz der Matchwinner.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!