Die 11 des Spieltags (5)

Cooler als James Bond

In Dortmund wird gezaubert, in Augsburg geackert, in Bremen gekickboxt. Heute vorsichtshalber mit Mundschutz und Helm: Unsere 11 des Spieltags.

imago

Marco Reus
Etwas mehr als eine Stunde war gespielt, da griff Kommentator Wolff Fuss ganz tief in die Superlativ-Kiste und ernannte Dortmunds Marco Reus zum derzeit besten deutschen Fußballer. Co-Kommentator Stefan Effenberg pflichtete bei und irgendwo in Herzogenaurach polierte Lothar Matthäus wahrscheinlich nostalgisch seine Weltfußballer-Pokale, um sich anschließend auf die Couch zu legen und »Auf der Suche nach der verlorenen Zeit« zu lesen. Bei aller Vorsicht bezüglich Fuss’ Superlativ: Ganz an den Reusschen Gelhaaren herbeigezogen ist er nicht, denn der Dortmunder zauberte am Samstagabend in der Tat eine Vorstellung aufs Parkett, die aller Ehren wert war. Zunächst ließ er einen Querpass von Pierre-Emerick Aubameyang nonchalant durch die Beine passieren, sodass Robert Lewandowski entspannt zum 4:2 einnetzen konnte. Nur zwei Minuten später schob Reus die Murmel dem bedauernswerten Dennis Diekmeier durch die Beine ins lange Eck, mit einer derart lässigen Coolness, neben der selbst James Bond wie ein pickeliger Schuljunge aussieht. 6:2 stand es am Ende der Reus-Gala und ganz Dortmund fragte sich: Wer war noch gleich dieser Mario Götze?

Franco di Santo
Der »11FREUNDE- Roundhouse-Kick in Gold« geht in dieser Woche an Bremens Neuzugang Franco di Santo, für ein Foul, das so schmutzig war, dass Charlotte Roche überlegt, ein Buch darüber zu schreiben. Di Santo setzte nämlich nach knapp einer halben Stunde zum Highkick an und trat Frankfurts Verteidiger Bastian Oczipka derart ins Gesicht, dass man meinen konnte, der Argentinier spreche für die Hauptrolle im Sequel zu »Bloodsport« vor. Selbstverständlich sah Di Santo Rot und wird nun ein paar Wochenenden frei haben, um seinen Hobbys abseits des Fußballplatzes nachzugehen, die, wie wir mutmaßen, »Kung-Fu-Filme gucken« oder »Tekken spielen« heißen. Nicht vergessen wollen wir an dieser Stelle Di Santos Gegenspieler…

...Bastian Oczipka,
der nach dem Foul aussah, als habe er gerade eine ausgiebige Trainingseinheit an einem mit einer Bowlingkugel präparierten Kopfballpendel verbracht. Wie Frankfurts Linksverteidiger den schmerzhaften Tritt allerdings wegsteckte, war wirklich bewundernswert. Während der Spielunterbrechung ließ er sich die klaffende Wunde zwischen den Augen kurzerhand kleben, in der Halbzeit wurde er mit fünf Stichen genäht. Wenn die Frankfurter Ärzte ihn auch noch getacktert hätten, hätte ihn Matthias Sammer wahrscheinlich aus einem Gefühl der seelischen Verbundenheit spontan zu den Bayern geholt. Oczipka muss nun erstmal eine Weile pausieren. Allerdings nicht wegen der zentimetertiefen Stollenabdrücke, die ihm Di Santo auf die Stirn tätowierte, sondern wegen des Muskelfaserrisses, den er sich gegen Ende der Partie zuzog. Nicht ganz so Chuck-Norris-haft, tut aber sicherlich auch weh. Und ist vor allem eines: ziemlich ärgerlich. 

Sven Ulreich
Ob Sven Ulreich bewusst war, dass Nationaltrainer Jogi Löw im Stadion ist, wissen wir nicht. Es könnte aber eine Erklärung dafür sein, dass aus Ulreich plötzlich ein krakenähnlicher Weltklassetorhüter mit 25 Armen wurde, der die gefühlten hundert Torschüsse der spielbestimmenden Hertha entschärfte und so den Sieg seines VfB festhielt. Denn während sich die Berliner am Stuttgarter Schlussmann aufrieben, hielt auf der anderen Seite Christian Gentner seinen Kopf in einen Eckball und prompt hatte Berlin verloren. Und alle Anwesenden im Stadion wussten, das allein Sven Ulreich dafür Verantwortlich war. Vielleicht ja auch Jogi Löw, wenn er nicht gerade seine Stefan-Kießling-Brille aufhatte.

Luiz Gustavo
Uns liegt Luiz Gustavos unlängst in Wolfsburg unterschriebener Vertrag leider nicht vor, aber wir mutmaßen, dass der Brasilianer beim VfL nur eine halbe Stelle hat. Anders ist nämlich die Taktung nicht zu erklären, mit der der Mittelfeldmann derzeit seiner Arbeit nachgeht: Spiel, Platzverweis, freies Wochenende, Spiel, Platzverweis, freies Wochenende. Nach seiner Gelb-Roten Karte vor zwei Spieltagen gegen Mainz sah Gustavo nun gegen Leverkusen erneut die Ampelkarte und darf kommenden Samstag wieder gemütlich die Beine hochlegen, während die Kollegen ihrer mühsamen Fußballarbeit nachgehen. Klingt nach entspannter Altersteilzeit.

Tobias Werner
Der FC Augsburg erinnert uns ein wenig an diese typischen Außenseitermannschaften aus den amerikanischen Underdog-Sportkomödien der Achtziger und Neunziger Jahre: Die Mannschaft wirkt zusammengewürfelt, niemand traut dem Team etwas zu aber irgendwann beginnen die Underdogs, zueinanderzufinden, entwickeln Teamgeist und erkämpfen sich den Erfolg. Fehlt nur noch die mit Achtziger-Mucke unterlegte humorige Collage aus Trainingssequenzen, in der man die Fortschritte des Teams sieht. Wobei man die Fortschritte der Augsburg Mighty Ducks, wie wir sie ab jetzt nennen, ja mittlerweile auch am Wochenende auf dem Platz bestaunen kann. Drei Spiele hintereinander hat der FCA nun gewonnen, Matchwinner am Samstag gegen Freiburg war Tobias Werner, der mit einem satten Schuss kurz vor Abpfiff eine schicke Schleife um die drei Punkte schnürte. Wenn das so weiter geht, holen die Augsburg Indians, wie wir sie alternativ nennen, am Ende gar den Stanley Cup oder vielleicht die World Series. Und verpflichten vielleicht Charly »Wild Thing« Sheen als neuen Pitcher oder Emilio Estevez als Trainer. Darauf ein Saxophon-Solo.

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