Die 11 des Spieltags (4)

Der Prinz von Gelsenkirchen

Nach Sonnenkönig Günter Eichberg regiert mit dem Prince in Gelsenkirchen endlich wieder einen Monarch. Es verneigt sich ehrfürchtig vor dem neuen Herrscher des Schalker Mittelfelds: Unsere 11 des Spieltags.

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Kevin-Prince Boateng
Gegen Ende der Transferphase öffente Horst Heldt kurz das Transferfenster und warf einen Transferknaller in die Gerüchteküche, der so laut war, dass uns immer noch die Ohren klingeln. Er holte Kevin-Prince Boateng zu Schalke. Mit seiner internationalen Klasse und seinen Führungsqualitäten passe Boateng perfekt ins Profil, so die Schalker Verantwortlichen. Was KPB nur einen Tag nach seiner Verpflichtung direkt mal unter Beweis stellte und beim 2:0 gegen Leverkusen eine ordentliche erste Partie spielte, die Lust auf mehr macht. Auch im anschließenden Interview gab sich Boateng nett und gereift, lächelte jede noch so klischeeige Frage nach seinem angeblich ja so schwierigen Wesen souverän weg und war insgesamt eine Enttäuschung für all jene, die dachten, er würde sich mit einer Kopfnuss zurückmelden, nach einem Platzverweis vom Feld moonwalken, in der Mixed-Zone Clotheslines verteilen oder Michael Ballacks Sprunggelenk an einer Kette um den Hals tragen. Auch wenn Boateng sicherlich kein Kind von Traurigkeit ist: Nicht jedes Klischee entspricht tatsächlich der Wahrheit. Für Boateng blieb übrigens Jermaine Jones auf der Bank, der ja so etwas wie eine Light-Version von Boateng ist. Aber warum die Fälschung spielen lassen, wenn man jetzt das Original hat?

Javier Pinola
Javier Pinola war kaum noch einzufangen. Der Mann, der durch die Erfindung des Comb-Over-Halbglatzen-Iros einen eigenen Eintrag im Lehrbuch für angehende Friseure hat, blickte mit aufgerissenen Augen ins weite Rund, tobte, motzte, wrestelte kurz mit Schiri Michael Weiner und erteilte auf dem Weg in die Kabine der Vierten Offiziellen Bibiana Steinhaus noch eine kleine Einführung in die bunte Welt argentinischer Schimpfwörter. Gerade hatte Pinola nämlich seine zweite Gelbe gesehen, Weiner hatte diese aber erst gegeben, nachdem Steinhaus auf die Schwere des Vergehens hingewiesen hatte. Ein eher ungewöhnliches, allerdings regelkonformes Vorkommnis, was in Nürnberg naturgemäß alle anders sahen. In Unterzahl fingen sich die Franken dann gegen Augsburg auch noch das 0:1, für Pinola war das ganze natürlich zum Haarerauf… äh… ach, egal.  

Heinz Müller
Der »goldene 11FREUNDE-Pannenolli« geht in dieser Woche an Mainz’ Keeper Heinz Müller. In einem Spiel, das der FSV bis dahin absolut unter Kontrolle hatte, rutschte Müller nach 30 Minuten eine relativ harmlose Flanke so derart ungeschickt durch die Finger, dass man meinen konnte, die Altersheim-Älteste stünde im Tor der Mainzer. Hannovers Mame Diouf nickte die Murmel zum Ausgleich ein und auch wenn letztgültig nicht zu klären war, ob der Ball die Linie überquerte oder nicht, gab Schiri Winkmann den Treffer. Die Mainzer taten mit dem Spiel anschließend das, was ihr Keeper mit dem Ball getan hatte: Sie gaben es aus der Hand. Und wurden dann noch mit 1:4 versohlt. Das vierte Hannoveraner Tor machte übrigens…

Edgar Prib
...und es dürfte ein wirklich besonderes Gefühl für Prib gewesen sein, denn der arme Kerl spielte vergangenes Jahr noch in Fürth und was das bedeutet, hat ja ganz Fußballdeutschland sehen können. Das Gefühl des Siegens hat Prib also etwas länger nicht mehr genießen dürfen, insbesondere vor heimischer Kulisse nicht, denn die bedauernswerten Fürther konnten vergangenes Jahr tatsächlich kein Heimspiel gewinnen. Tasmania-tastisch. Allerdings auch Schnee von gestern, Prib ist jetzt Hannoveraner und steuerte beim 4:1-Sieg den letzten Treffer bei, woraufhin er sich endlich mal wieder vor der heimischen Fankurve freuen durfte, anstatt sich vor der heimischen Fankurve zu schämen und zu entschuldigen, wie er es aus der letzten Saison ja gewohnt war. Schön.

Harvard Nordtveit
Noch unter der Woche trompetete Mönchengladbachs Harvardt Nordtveit eine Kampfansage an seine Konkurrenten auf der Sechserposition durch die Presse. In kürzester Zeit war dem Norweger nämlich der Stammplatz verloren gegangen, was zuvorderst an den formidablen Leistungen seines neuen Kollegen Christoph Kramer lag. Nun durfte Nordtveit gegen Werder Bremen mal wieder ran und ließ den großen Worten nach seiner Einwechslung prompt Taten folgen, als er per Kopf einnetzte. Dummerweise ins eigene Tor, mit einer unbeholfenen Bewegung, die wir so ähnlich zuletzt auf der Tanzfläche der 11FREUNDE-Weihnachtsfeier gesehen haben. Tja, blöd, allerdings auch nicht weiter schlimm, schließlich hat Nordtveit ja Buddies wie Juan Arango, Patrick Herrmann und Max Kruse, die Bremens Abwehr kurzerhand auf Links zogen und 4:1 nach Hause schickten.

Hakan Calhanoglu
Gestatten: Hakan Calhanoglu. Der erst 19-jährige Deutschtürke gab am Samstag im Spiel des HSV seine Visitenkarte ab und schoss nach seiner Einwechslung direkt mal zwei Tore. Na gut, er traf gegen überforderte Braunschweiger, die sich derzeit so desolat präsentieren, dass auch wir eine reelle Chance auf unser erstes Bundesligator hätten, wenn man uns nur mal einwechseln würde. Da aber nicht wir, sondern Calhanoglu die Nachwuchshoffnung des HSV ist, bekam er die Chance und nutzte sie auf beeindruckende Weise. Insbesondere sein zweites Tor verdient Erwähnung, denn der Freistoß, den Calhanoglu in den Winkel zimmerte, war so präzise und hart geschossen, dass irgendwo in Brasilien dem großen Juninho wahrscheinlich Tränen in die Augen schossen.

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