Die 11 des Spieltags (3)

Mehr als nur eine Farbe

Dieser Spieltag zeigte: Rot ist keine Farbe, Rot ist eine Einstellung. Unsere 11 des Spieltags geht mit beiden Beinen gestreckt voraus und nimmt mit: drei Trainer im selben Boot, Traumtore en masse und mehr Karten als bei Google Maps

Luiz Gustavo
Wolfsburgs Niederlage gegen den FSV Mainz ist ein schöner Anlass, die vielleicht abgedroschenste Phrase des gesamten Bundesligageschäfts zu verwenden: »Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft«. In der Tat ist diese Floskel in etwa so ausgelutscht wie Rocco Siffredi nach einem langen Tag am Set; dennoch trifft sie zu, wie Luiz Gustavo am Wochenende anschaulich unter Beweis stellte. Nach seinem furiosen Einstand im Trikot der Wölfe wurde Gustavo bereits als der neue Heilsbringer gefeiert und es war eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis der Brasilianer den VfL zur Meisterschaft und zum Champions-League-Sieg strategt. Eine Woche später holte sich Gustavo nun im Spiel gegen Mainz in einer wichtigen Phase die zweite Gelbe ab und musste duschen gehen, sein Team fing anschließend das 0:2 und in Wolfsburg packen sie die Papp-Meisterschalen erst mal wieder weg. Aber vielleicht kann sich Gustavo an folgender Weisheit trösten: Der Fußball ist ein schnelllebiges Geschäft. 

Christian Streich
Gerade war Freiburgs Coquelin zu Unrecht vom Platz gestellt worden, da erhob sich Trainer Christian Streich von der Trainerbank, schüttelte energisch sein kauziges Haar und stolzierte ein paar Meter gen vierten Offiziellen. Es war an der Zeit, den Reklamada zu tanzen. Also hob Streich ein paarmal den rechten Fuß, hüpfte schreiend ein wenig hin und her und formte mehrmals auf Kniehöhe mit den Händen einen Ball, bis sein Tanzpartner bzw. Co-Trainer von der Bank kam, um abzuklatschen bzw. Streich wieder einzufangen. Zu spät, leider, denn Schiri Stieler hatte genug vom Gebalze und schickte Freiburgs Trainer auf die Tribüne. Gut, dass in Sinsheim immer ordentlich Plätze frei sind. Was anschließend in der »Sportschau« zu sehen war, war dann fast schon tragisch. Noch im Interview bebte Streich vor Wut ob der Fehlentscheidung, bei der anschließenden Pressekonferenz sah man einen desillusionierten und fast in sich gekehrt traurigen Freiburger Coach. Wir denken: Lasst den Mann doch tanzen, wenn er will.

Sejad Salihovic
Ohne das beleidigend zu meinen, aber Sejad Salihovic erinnert uns rein optisch ein wenig an die Jungs, wegen denen wir früher auf dem Dorf-Schützenfest den Autoscooter gemieden haben. Dass er auch über so etwas wie »Autoscooter-Manieren« verfügt, zeigte Hoffenheims Mittelfeldspieler am Wochenende gegen Freiburg, als er Gegenspieler Julian Schuster eine Ohrfeige verpasste. Eine absolut unnötige Aktion, wenn man im Bezug auf Ohrfeigen überhaut von nötig und unnötig sprechen kann, zumal Salihovic sich just im Torjubel über seinen verwandelten Elfmeter befand und die Salihovicsche Welt also eigentlich gerade hätte in Ordnung sein müssen. Trotzdem watschte er Schuster ab, halb jubelnd, halb fluchend, und flog darob vom Platz. Ziemlich dämlich und wahrscheinlich weiß nur er, warum er das getan hat. Aber hey: So ist das nun mal am Autoscooter, da eskaliert es mitunter sehr schnell und gerne auch mal ohne Anlass. Weshalb wir ihn nach wie vor meiden. 

Jens Keller
Schalkes Coach Jens Keller kann einem wirklich Leid tun. Und das nicht nur, weil die »Bild« wahrscheinlich auch dann noch gegen ihn schießen würde, wenn er für Greenpeace am Nordpol Robbenbabys mit der Flasche aufzöge; vor allem, weil es in einer erst drei Wochen alten Saison auf Schalke bereits lichterloh brennt. Für die Niederlage gegen Hannover konnte Keller an sich recht wenig. Seine Schalker gingen beim fröhlichen Kartenspiel des dritten Spieltags all-in und verloren zwei Verteidiger. Da kann auch der Trainer wenig machen. Dem traditionell schwierigen Umfeld in Gelsenkirchen wird das aber letztlich ziemlich egal sein, denn die Fakten sind diese: Ein Punkt aus drei Spielen, dazu der bedenkliche Auftritt in der Champions-League-Quali - Ein geglückter Saisonstart sieht anders aus. Am Mittwoch nun fallen die CL-Würfel, dann kommt Leverkusen. Es könnte für Keller in der Tat ein WochenEnde werden. 

Arjen Robben
Für alle Nicht-Bayern-Fans, aber auch für den ein oder anderen Bayernfan, ist Arjen Robben durchaus ein streitbarer Spieler. Oft hat er etwas Divenhaftes, man ist genervt von der penetranten Selbstverständlichkeit, mit der er wieder und wieder nach Innen zieht und nicht zuletzt sind seine Trikots so deratig zu eng, dass es ein echtes Ärgernis ist und man sich von Robbens 0%-Fett-Körper ein wenig verspottet fühlt, wenn man Wurstbrotessend vorm TV hängt und sich die Krümel von der Plauze juckt. Auf Robbens fußballerische Qualitäten scheint seine besorgniserregende Trikotgrößen-Legasthenie allerdings keine negativen Auswirkungen zu haben, was man am Samstag ein weiteres Mal sehen konnte. Wie er in allerhöchster Geschwindigkeit mit der Nürnberger Defensive Schlitten fahren ging und gleich drei Verteidiger einseifte, bevor er den Ball aus spitzestem Winkel ins Tor schob, war schon die ganz große Fußballschule. Also falls er das liest: Glückwunsch zu einem solch wunderschönen Tor. Und: Ihr Trikot ist zu eng. Danke. 

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