Die 11 des Spieltags (34)

Viva la Relegation

Die Saison ist zu Ende, aber weil es so großen Spaß macht, darf der HSV noch zweimal ran. Mit Nürnberg und Braunschweig steigt Tradition ab, Paderborn steigt derweil auf. Steigt mal wieder gar nicht durch - unsere 11 des Spieltags.

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Mirko Slomka
Dass der HSV mit mickrigen 27 Pünktchen noch immer die Chance hat, in der Liga zu bleiben, ist ein Umstand, der selbst im Vereinsheim von Tasmania Berlin für schallendes Gelächter sorgen dürfte. Das 2:3 in Mainz bedeutete die fünfte Niederlage in Folge, nur sieben Spiele wurden in dieser Saison überhaupt gewonnen, dafür stolze 75 Gegentore gefangen - bei einer solchen Bilanz würden sich sogar die Washington Generals in Grund und Boden schämen. Ist aber alles egal, denn Mirko Slomka und sein Team haben den Klassenerhalt nach wie vor noch in der Hand. Die beiden Endspiele gegen Fürth verdankt der HSV indes weniger einem eigenen Kraftakt im Abstiegskampf sondern dem Umstand, dass sich die beiden anderen Bundesliga-Kellerkinder Nürnberg und Braunschweig beim Niveau-Limbo der letzten Wochen noch ein wenig bemühter zeigten, die Messlatte nach unten zu verschieben. Alles noch drin also. Und wie heißt es schließlich so schön: Ein guter Dino springt nur so hoch, wie er muss. Oder so. 

Torsten Lieberknecht
Dass es ausgerechnet das Hoffenheimer Kunstprodukt ist, das der traditionsreichen Eintracht den entscheidenden Stoß über die Klippe versetzte, ist sicherlich ein besonders bitteres Geschmäckle in des ein oder anderen Braunschweiger Fans Jägermeister. Doch trotz des raschen Abschieds nach nur einem Jahr möchten wir festhalten, dass Torsten Lieberknecht und sein Team die Bundesliga bereichert haben. Im Zeitalter der Red Bulls und VWs, der Champions-League-Millionen und Fantasie-Transfers, setzte die Eintracht aus Braunschweig einen willkommenen, erdig-ehrlichen Gegenpart und brachte zumindest emotional die gute alte Zeit wieder. Lieberknecht stand meist in Ballonseide auf der Tartanbahn, die Punkte wurden eher ergrätscht als erspielt, in der Mannschaft fand sich gar der ein oder andere Schnauzbart und hätte die Eintracht auch noch mit schwarz-weiß gefleckten Bällen von der Beschaffenheit einer Bowlingkugel gespielt und Trikots aus Baumwolle getragen, wir hätten gänzlich unser Herz verloren. Zum Klassenerhalt hat es dann aber - oh verdammter moderner Fußball - doch nicht gereicht. Wir ziehen natürlich trotzdem unsere Klaus-Schlappner-Gedächtnisschlapphüte, reiben uns traurig eine jägermeisterne Träne aus dem Mundwinkel und heben tröstend unseren Pausentee zum Prosit. Auf ein baldiges Wiedersehen. 

Mats Hummels
Dass Mats Hummels insbesondere für einen Verteidiger ein ganz außergewöhnlich feines Füßchen hat, ist bekannt. Wir würden sogar so weit gehen zu sagen, dass Hummels, wäre er in den Achtzigern aktiv gewesen, in denen die Verteidiger bekanntlich Füße mit der Form und Empfindsamkeit von Backsteinen hatten, zum Warm-Up mit dem Schädel gegen die Katakombenmauern rannten und »Über die Bande gekloppte Gegner« eine eigene Rubrik in der »kicker«-Spielstatistik war, Deutschland wahrscheinlich als Spielmacher zu zwei WM-Titeln gezaubert hätte. Das lässt einen zumindest Hummels Pass auf Lewandowski am Samstag in Berlin denken. Nachdem er mit einem Hüftschwung, der selbst Shakira neidisch gemacht hätte, zwei Gegenspieler vernascht hatte, schob Dortmunds Schönling der Hertha einen Pass durch die Hintermannschaft, den Lewandowski nur noch ins Eck schieben musste. Und irgendwo in Hessen erwachte Uwe Bein aus einem feuchten Traum. 

Robert Lewandowski
Robert Lewandowski findet sich allerdings nicht in dieser Liste, weil er Hummels Pass mit der Gewissenhaftig- und Humorlosigkeit eines Finanzbeamten ins lange Eck jagte, sondern selbstredend wegen seines sensationellen Freistoßtores. In der 80. Minute hob Lewandowski einen ruhenden Ball so weich und zart und wunderschön über die Mauer hinweg in den Winkel, dass der ein oder andere Kollege verliebt begann, Liebesbriefe an dieses Tor zu schreiben, dem Tor ein Mixtape aufzunehmen und es nervös und verschämt zum Abschlussball einzuladen. Und, äh, nur so rein interessehalber: Wie ist es in Deutschland eigentlich rechtlich bestellt um Mann-Freistoßtor-Liebesbeziehungen?

Ragnar Klavan
Quasi der Gegenpart zu Lewandowskis wunderschönem Treffer war Ragnar Klavans Anti-Tor zum 1:1 gegen Frankfurt. Nach einer Ecke bekam Klavan den Ball etwa einen Meter vor der Linie auf den Schädel, Frankfurts Trapp parierte, den Nachschuss bolzte Klavan, nun aus etwa einem halben Meter Entfernung, dem Keeper in den Wanst, im zweiten Nachschuss konnte Klavan den Ball schließlich, nun noch etwa 25 cm vor der Linie, in die Maschen prügeln. Ein Tor, so hässlich, dass mehrere Kollegen spontan kotzend dem Fußball abschworen und wahrscheinlich selbst Donatella Versace erschrocken zusammengezuckt ist. Gerüchten zufolge soll dem FCA der Treffer vom  DFB nachträglich aberkannt werden - er war einfach zu hässlich.

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