13.05.2013

Die 11 des Spieltags (33)

Speedy Gonzales

Baumann hält, die Ära Schaaf neigt sich dem Ende zu und Ribéry ist der schnellste Deutsche Meister aller Zeiten – hier ist unsere 11 des Spieltags.

Text:
Bild:
Imago

Oliver Baumann
Dass sich die Freiburger ihre Saison vergolden würden, hatte sich schon seit einigen Wochen angedeutet, aber wer hätte vor der Spielzeit ernsthaft gedacht, dass ein »Vergolden« mehr als den Klassenerhalt meint? Jetzt haben es die Badener tatsächlich geschafft, in den Europacup einzuziehen. Das ist in allererster Linie der Verdienst von Cheftrainer Christian Streich, der mit seiner erstaunlichen Expertise wahrscheinlich auch die Alten Herren vom Melsunger FV in die Bundesliga führen könnte. Am Samstag aber gehörte die große Bühne Torwart Oliver Baumann, der beim Stand von 2:1 einen Elfmeter parierte und die drei Punkte festhielt, die einen Platz unter den ersten Fünf fix machten. Wofür es von Streich direkt nach Abpfiff, na klar,  Streicheleinheiten gab.

Jonathan Schmid
Bleiben wir noch einen Moment im Breisgau, denn die Freiburger Mannschaft strotzt nur so vor Spielern, die vor der Saison jetzt nicht unbedingt im Notizbuch von Real Madrid standen und die sich unerwarteterweise zu absoluten Höchstleistungen aufgeschwungen haben. Einer davon ist Jonathan Schmid. Rein optisch eine drahtige Irokesen-Version des jungen Dolph Lundgren, signalisiert Schmid seinen Gegenspielern bereits im Spielertunnel höchste Kampfbereitschaft. Auf dem Platz paart er seinen Einsatz mit Technik und Spielverständnis und kommt so auf zehn Tore und sechs Vorlagen. Auf lange Sicht ja vielleicht doch einer für Real Madrid, der Junge ist schließlich erst 22.

Thomas Schaaf
Es ist nicht eben so, dass Thomas Schaafs Mannschaft in dieser Saison Bäume ausgerissen hätte. Oder überhaupt irgendetwas Positives festzuhalten bliebe. Außer eben, dass am Ende einer Seuchensaison dann doch der Klassenerhalt steht. Dass das so ist, liegt auch an Thomas Schaaf und der Tatsache, dass die Verantwortlichen trotz einer düsseldorfesken Negativserie am Bremer Urgestein festgehalten haben. Ob der Trainer nach den wohl schwersten Wochen in seinen 41 Jahren beim SVW auch nächstes Jahr in Bremen auf der Bank sitzt, bleibt abzuwarten, laut »Welt« soll Schaaf beim Brauseklub Red Bull Salzburg anheuern. Es wäre das Ende einer Ära. Nur Kurz zur Einordnung: Als Schaaf 1972 in die Jugend von Werder kam, war Willy Brandt Bundeskanzler, in der Hitparade stand ein Hippie-Pärchen namens Mouth & MacNeal an der Spitze, ein 20jähriger Uli Hoeneß wurde Europameister und in Portugal kam ein gewisser Luis Figo zur Welt. Nach so einer langen Zeit nun also Bremen ohne Schaaf? Und dafür mit Mehmet Scholl, der sich in Bremen bereits ein Haus gekauft haben soll? Oh schöne neue Welt.

Branimir Hrgota
Branimir wer? Genau, Hrgota. Gladbachs 20-jähriger Schwede durfte im Spiel gegen Mainz zum ersten Mal von Beginn an für die Fohlen ran und dankte es Trainer Lucien Favre mit einem astreinen Dreierpack. Lobend erwähnen, gleichzeitig aber auch tadeln, wollen wir Hrogotas erstes Tor, bei dem er einen Elfmeter via Panenka-Trick in die Maschen hob, hauchzart an Keeper Heinz Müllers Handschuhen vorbei. So etwas, lieber 20-jähriger Branimir Hrgota, geht auch gerne mal daneben und dann ist man der Depp und nicht die coole Sau. In unserer Flimmerkiste findet man mehr versemmelte Panenkas, als es Menschen mit diesem Namen auf dem Planeten gibt. Sei es drum, nach Hrgotas drittem Tor ließen wir die mahnenden Zeigefinger sinken und erfreuten uns an der feinen Technik, mit der der junge Schwede (Alter:20) die Murmel über Müller hinweg ins Netz lupfte. Den, so viel ist sicher, hätten wir nicht so gemacht. Vorausgegangen war dem Tor übrigens ein Sensationspass von…

Mike Hanke,
...dem mittlerweile am häufigsten abgeschriebenen Fußballer der Bundesligageschichte. Hanke ist für uns immer noch irgendwie dieser talentierte Stürmer, den Jürgen Klinsmann vielleicht mit zur WM nimmt, wenn er sich anstrengt. Nur dass das eben schon sieben Jahre zurückliegt. Verrückt. Seither war Hanke irgendwie immer da, ohne groß aufzufallen: Meist bei mittelmäßigen Klubs beschäftigt, manchmal ganz gut, dann wieder nicht und so weiter. Derzeit steht Hanke mal wieder auf dem Abstellgleis und wird Gladbach nach der Saison wohl verlassen. Dass er immer noch kicken kann, zeigte der Stürmer gegen Mainz, als er ein Tor selber machte und schließlich Hrgotas Lupfer mit einem 50-Meter-Spann-Außenrist-Pass vorbereitete, bei dem einem das Wasser im Munde zusammenlief. Bald steht ja wieder eine WM an, vielleicht ist noch Platz im Kader für einen jungen, talentierten… ach, lassen wir das.

Franck Ribéry
Wäre die Bundesliga ein Cartoon, wäre Frank Ribéry Speedy Gonzales. Oder der Butler der Addams-Family. Aber eher Speedy Gonzales, denn Ribéry ist so schnell, dass er problemlos auf internationalem Niveau 100-Meter-Läufe absolvieren könnte, wenn er nicht auch noch mit fußballerischem Talent gesegnet wäre, das von hier bis zum Nordpol reicht. Seine Klasse zeigte Bayerns Franzose, als er gegen Augsburg zwei der drei Tore des deutschen Meisters vorbereitete. Seine Schnelligkeit zeigte er auch nach Spielende, als er zunächst von David Alaba, schließlich von der halben Bayern-Mannschaft gejagt und nur mit vereinten Kräften zur Weißbierdusche gestellt werden konnte. Und diese dann über sich ergehen ließ wie ein Champion. Passenderweise sahen die Weißbierschwälle, die über Ribéry ausgegossen wurden, aus wie ein Sombrero. Ein weißer, obergäriger, schmackhafter Sombrero, lecker. Bleibt zu sagen: Der Mann ist zu Recht Deutscher Meister. Und wahrscheinlich der schnellste aller Zeiten.

Nur Text
Nur Bild
 
 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden