Die 11 des Spieltags (32)

Ghostbusters

Sorgenkind Ribéry brilliert wieder, Claudio Pizarro ist der Lebens-Gewinner und in Hamburg soll ein Geisterjäger das Abstiegsgespenst vertreiben. Who you gonna call? Unsere 11 des Spieltags

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Joseph Kunert
(Für den folgenden Eintrag bitte mental die »Akte X« -Musik summen. Danke.) Unser Mann des Spieltags ist ganz klar Joseph Kunert. Kunert ist zwar kein Fußballer, dafür aber ein metaphysischer Geistheiler, der den HSV mit seinen, nunja, Fähigkeiten vor dem Abstieg bewahren soll. Getreu dem Hamburger Saison-Motto: Wenn man eh schon absteigt, kann man sich ja wenigstens noch lächerlich machen, holte Trainer Mirko Slomka den Geistheiler ins Boot, warum er das tat, wissen wahrscheinlich nur er, der Geistheiler, und die anderen Eingeweihten wie etwa die Ghostbusters, Bibi Blocksberg, Casper der freundliche Geist, die Hexen von Eastwick, Mulder und Scully, der Boogeyman, Hui-Buh, Professor Dumbledore sowie das Gespenst von Canterville. Auch was genau ein metaphysischer Geistheiler macht, bleibt unklar, aber wir stellen ihn uns im Ghostbusters-Overall und ausgerüstet mit Wünschelrute durch die Kabine schleichend vor, an jedem Ohr einen Traumfänger und einen Supersoaker voller Weihwasser im Anschlag. Oder so. Was auch immer Kunert aber gemacht hat, es scheint auf jeden Fall funktioniert zu haben, denn in Augsburg zeigten sich die Hamburger von allen guten Geistern verlassen und unterlagen in einer gespenstischen Vorstellung mit 1:3. Gruselig.

Halil Altintop
Dass der HSV in Augsburg überhaupt so unter die Räder kam und nun vor dem Abstieg steht, lag auch an Halil Altintop. Ok, klar, in erster Linie an der nicht bundesligatauglichen Defensive, den Abständen zwischen den Mannschaftsteilen, die so groß sind, dass man sie als Bauland verkaufen könnte, ohne dass die Spieler das überhaupt merken würden, an der Offensive, die in etwa so viel Gefahr versprüht wie ein katholischer Knabenchor, an der Verunsicherung, die, im Gegensatz zum Nichtabstiegsplatz, praktisch greifbar ist und all den anderen Hamburger Baustellen, für die wir einen eigenen Artikel anlegen müssten, wollten wir sie alle aufzählen. Aber eben auch an Halil Altintop, der mit seinem frühen Doppelpack den Dino so schnell und erbarmungslos erlegte, dass Universal Pictures ihn nun für die Hauptrolle in »Jurassic Park 4« casten will. Während man beim HSV so langsam darüber nachdenken sollte, den Dino als Maskottchen abzusetzen und ein neues zu finden. Der Zonk würde sich derzeit anbieten.

René Adler
Das dritte Augsburger Tor ging am Sonntag auf die Kappe von René Adler, der sich einen Fernschuss von André Hahn derart unglücklich ins eigene Netz patschte, dass irgendwo in Düsseldorf Pannen-Olli Reck auf der heimischen Couch die Augen verdrehte und nach der Fernbedienung langte, aber danebengriff. Bitter für Adler, denn eigentlich ist er ein wirklich starker Keeper, aber auch bezeichnend für eine Saison, in der sich die gesamte Hamburger Hintermannschaft überforderter präsentiert als Gina Lisa beim Philosophischen Quartett. Wir sagen: Kopf hoch, René.

Frank Ribéry
Die Berichterstattung der letzten Wochen hätte uns um ein Haar dazu veranlasst, für Bayerns Fußball spielenden Brummkreisel Franck Ribéry Genesungskarten zu basteln und mit der 11FREUNDE-Big-Band einen Charity Song aufzunehmen. Von einem großen Problem war da die Rede und dass man ihm helfen müsse, und wir als Menschenfreunde wollten dabei natürlich die ersten sein. Das Problem entpuppte sich dann allerdings rein als ein spielerisches: Bayerns Sahnefuß, der ansonsten ganze Paartanzturniere mit einem seiner Dribblings alleine gewinnen kann und über eine Ballannahme verfügt, mit der er schreiende Kleinkinder sanft in einen tiefen, erholsamen Schlaf wiegen könnte, zeigte sich auf dem Platz seit Wochen so lethargisch als hätte er seine Ernährung auf Baldrian- und Valiumbasierte Speisen umgestellt. Gegen Bremen nun war Ribéry aber schon wieder fast der Alte und tat das, was er am besten kann: Gegner düpieren. Wie etwa Werders Keeper Wolf, dem Ribéry den Ball in Zeitlupe und mit James-Bond-artiger Lässigkeit zum 1:1 durch die Hosenträger kickte. Chapeaux.

Claudio Pizarro
Claudio Pizarro ist wahrscheinlich der einzige Millionär auf der Welt, der als Beruf »’n bisschen kicken« angeben kann. Gegen Bremen durfte Altersteilzeitler Pizarro mal wieder von Beginn an ran und traf gegen seinen Ex-Klub, na klar, gleich doppelt. Sein verweigerter Torjubel nach dem ersten Treffer war, wie unsere Recherchen ergeben haben, tatsächlich der einzige Moment im gesamten Spiel und wahrscheinlich überhaupt seit Jahren, in dem Pizarro nicht das strahlende Gewinnerlächeln des teilzeitarbeitenden, Triple-gewinnenden, spaßvogeligen Lebens-Siegers auf dem Gesicht trug. Andererseits: Wenn wir an seiner Stelle wären, würden wir unsere Mundwinkel wahrscheinlich nicht mal mehr mit dem Tacker nach unten bekommen.

John Anthony Brooks
Herthas John Anthony Brooks betrachten wir seit Samstag als Präzedenzfall. Als wir uns letztens nämlich die allumfassende, ewige Lebensweis- und wahrheit »True Love never die« in Elbisch über den Steiß tätowieren lassen wollten, durften wir nicht, da wir sonst, so die Order von Oben, unsrem Schreibtischgebuckel nicht mehr effektiv würden nachgehen können. Brooks nun, der erst unter der Woche von Trainer Luhukay ob seines neuen Tattoos angemahnt wurde, schoss im Spiel gegen Braunschweig am Samstag das wichtige 1:0 und bewies so, dass man auch mit frisch getintetem Körperschmuck eine gute Arbeitsleistung abliefern kann. Also ab zum Tätowierer, Freunde, die Runde Arschgeweihe geht auf uns.

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