Die 11 des Spieltags (30)

Schluss mit Nase popeln

Dortmund verteilt in München Ohrfeigen, Rafinha ruppte mit, Stindl mutiert zum Capitano und auf Schalke wird kurzerhand der Videobeweis eingeführt. Hängt eh immer vor der Glotze: unsere 11 des Spieltags

imago

Henrikh Mkhitaryan
Noch am Mittwochabend nach seinen vergebenen Großchancen und dem damit verbundenen Ausscheiden in der Champions League gegen Real Madrid wirkte Dortmunds Henrikh Mkhitaryan trauriger als die Weather Girls beim Weightwatchers-Treffen. Aber der Fußball ist eben ein Tagesgeschäft, weshalb der Armenier nur drei Tage später beim Spiel gegen den großen Rivalen aus München zum Helden avancierte, als er den wichtigen Führungstreffer erzielte und bei der 3:0-Ohrfeige für den Meister insgesamt einer der besten Spieler auf dem Platz war. Vom Trottel zum Helden schafft man in derart kurzer Zeit höchstens noch bei »Deutschland sucht den Superstar«. Wollen wir hoffen, dass Mkhitaryan der dort übliche Gang zurück in die Bedeutungslosigkeit erspart bleibt. Sonst sehen wir ihn bald wahlweise in zweitklassigen Musicals, schäbigen Autohaus-Eröffnungen, gar nicht mehr, in U-Haft oder, Oh Gott, im Dschungelcamp. Und das kann wirklich niemand wollen. 

Rafinha
Mit glänzenden Augen erinnern wir uns noch an Duelle zwischen dem BVB und den Bayern, die so giftig-gallig geführt wurden, dass man allein vom Zusehen schon Sodbrennen bekam. Eine Zeit, in der Andy Möller Lothar Matthäus die Phantom-Heintjetränen aus dem Gesicht wischte, Oli Kahn ernsthaft gewillt war, Stephane Chapuisat die Wirbelsäule per Kung-Fu-Tritt aus dem Körper zu filetieren und der Münchner Strafraum dichter mit Bananen bepflanzt war als, nunja, eine durchschnittliche Bananenplantage. Hach ja, those were the days. Ähnlich nostalgisch schien Bayerns Rafinha zu denken, als er in der 90. Minute des deutschen Clasicos mit einen schäbigen Griff ins Gesicht von Henrikh Mkhitaryan die gute alte Hassduell-Zeit kurz aufleben ließ und dafür zurecht die Rote Karte sah. Allerfeinster Diskoschubserei-Style war das, und ein Moment, in dem Oliver Kahn wahrscheinlich aus einem Gefühl der Rührung heraus kurz die Nerven verlor und seinem Nebenmann in einer Münchner Fußballkneipe nostalgisch an Kinn und Hals knabberte.

Vieirinha
Schweren Herzens mussten wir am Samstag eine weitere Kerze in unserem Schrein für knapp verhinderte Sensationstore anzünden, in tiefer Trauer um den Jahrhundert-Lupfer, der Wolfsburgs Vieririnha geglückt war, der aber dann von Nürnbergs Robert Mak von der Linie gekratzt wurde. In der 89. Minute stand Wolfsburgs Portugiese frei vor Nürnbergs Keeper Schäfer und entschied sich für die Deluxe-Premiumlösung aller Torabschlüsse: den sahnig-buttrigen Lupfer aus dem Fußgelenk. Aber noch während wir uns mühsam zur obligatorischen Lupfertor-Jubelraupe aus der Redaktionscouch zu schälen begannen, pölte Mak den Ball mit letzter Kraft zurück ins Feld. Mal ehrlich: Hätte er beim Spielstand von 1:4 eigentlich auch lassen können. 

Kevin de Bruyne
Bester Mann auf dem Platz war in Wolfsburg übrigens VW-Winterschnäppchen Kevin de Bruyne, der im Mittelfeld derart souverän und kreativ die Fäden zog, dass Gerüchten zufolge das Marionettentheater Wolfsburg bereits ein Angebot für einen Sommertransfer vorbereiten soll. Die Tore zum 1:0 und 2:0 bereitete De Bruyne mit zwei wunderschönen Schnittstellenpässen vor, nach Abpfiff wurde der Spielball nach Hessen geschickt, weil alle im Stadion davon ausgingen, dass nach diesen Pässen der Ball naturgemäß Uwe Bein gehört. Mit einem De Bruyne in dieser Form scheint es derzeit nicht unwahrscheinlich, dass wenn man in der Wolfsburger Innenstadt in eine Gasse läuft, einen unversehens ein Pass des Belgiers erreicht. Natürlich punktgenau ins Fußgelenk, klar. 

Lars Stindl
Noch in der Vorwoche nach dem 0:3 im Derby gegen Braunschweig mussten sich die 96er in Hannover den aufgebrachten Fans stellen, von denen sie des ungenügenden Engagements im Abstiegskampf bezichtigt wurden. Im Fokus stand dabei auch Kapitän Lars Stindl, der weniger ein Spielführer vom Schlage der effenbergigen Silberrücken ist, denn ein zurückhaltender Stratege. Dass er aber auch den guten, alten Alphatier-Capitano kann, der in schwierigen Situationen voran geht, zeigte Stindl in der Partie gegen Hamburg, als er die Partie derart an sich riss, dass er das Heft des Handelns wahrscheinlich erst abends zum Schlafengehen aus der Hand legte. Ein Tor, sagenhafte zehn Torschüsse und mehr gewonnenen Zweikämpfe als Mike Tyson in zwanzig Jahren Profiboxen - Stindls Vorstellung war so cojones-haft, dass wir uns noch während der ersten Halbzeit die Brustbehaarung abrasierten, weil wir nicht das Gefühl hatten, sie noch zu verdienen. 

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!