31.03.2014

Die 11 des Spieltags (28)

Echte Kerle weinern nicht

Der 28. Spieltag hatte es in sich. Traumtore en masse, skurrile Eigentore, schäbige Stinkefinger, glücksbringende Spielermuttis, gerissene Achillessehnen, feurige Trainerstreits und dann auch noch Lothar Matthäus. Ist mal wieder komplett reizüberflutet: unsere 11 des Spieltags

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Naldo
Dass Wolfsburgs mit dem Körperbau einer Straßenlaterne gesegneter Innenverteidiger Naldo über einen rechten Fuß verfügt, mit dem er barfuss Löcher in Betonwände treten könnte, ist bekannt. Nicht umsonst hat er sich im Laufe der Jahre den charmanten Spitznamen Knalldo erbolzt. Zumeist landen seine Gewaltschüsse allerdings auf dem Oberrang oder in bedauernswerten Gegenspielern, die in Fötusstellung gekrümmt ihre Berufswahl verfluchen, nachdem sie von Naldos Huf aus einer Freistoßmauer herausgeholzt wurden. Alle Jubeljahre mal landet dann eines von Knalldos Geschossen in einem Bundesliga-Winkel, so etwa am Samstag gegen Frankfurt, als der Brasilianer die Murmel aus sagenhaften 35 Metern genau in den Knick schweißte. Ein Treffer, so sensationell, dass die »Tor des Jahres«-Redaktion der ARD bis zum Ende des Jahres Urlaub bekommen hat.

Tranquillo Barnetta
Auch wenn die Eintracht in Wolfsburg unglücklich verlor, möchten wir an dieser Stelle Tranquillo Barnetta lobend erwähnen, der in der 11. Minute das Führungstor von Stefan Aigner mit einem wundervollen 30-Meter-Schnittstellenpass in den Lauf vorbereitete – den er mit dem Kopf spielte, wohlgemerkt. Eine Szene, in der sich in unserer Phantasie ein Uwe-Bein-Pass und ein Horst-Hrubesch-Gewaltkopfball zärtlich küssten. Stellt sich uns die Frage: Was kann Barnetta sonst noch alles mit dem Kopf? Schlägt er demnächst Flanken aus dem Halbfeld punktgenau mit dem Schädel in die Mitte? Schnibbelt er die Ecken bald mit der Stirn in den Strafraum? Freistoßtore per Flugkopfball? Und hat sein Kopf einen Außenrist? Fragen über Fragen.

Marvin Hitz
Die unbeliebte »11FREUNDE-Kauleiste aus widerstandsfähigem Titan« geht in dieser Woche an Augsburgs Keeper Marvin Hitz. Im Spiel gegen Mainz bolzte Mitspieler Ostrzolek Hitz den Ball aus etwa einem halben Meter mit Naldo-hafter Schussgewalt mitten ins Gesicht, zu allem Überfluss sprang die Murmel von Hitzens Visage auch noch zum 0:2 ins eigene Tor. Ein glatter Volltreffer, nach dem nicht verwundern würde, wenn Hitz demnächst als neues Werbegesicht von Corega Tabs vorgestellt wird. Dumm gelaufen, möchte man sagen. Oder wie es Nelson Muntz, der ja gemeinsam mit dem Mettigel so etwas wie unser Spiritual Animal ist, sagen würde: »Ha-Ha!« Bei aller Schadenfreude sei allerdings betont, dass Hitz nach kurzer Benommenheit glücklicherweise weiterspielen konnte. Zudem hat er sich mit seinem Schmerz-Eigentor einen sicheren Platz in jedem Saisonrückblick gesichert. Ist ja auch was.

Michael Weiner
Unser Mitgefühl gilt diese Woche ganz klar Schiedsrichter Michael Weiner, der im Spiel Stuttgart gegen Dortmund den Platz nach 73 Minuten mit einem Achillessehnenriss verlassen musste. Eine Diagnose, die hartnäckig mit Tobias Werners Augenhöhlenbruch um den Titel der ekligsten Verletzung des Spieltags konkurriert und in der Redaktion für Permanent-Gänsehäute und Spontan-Erbrechen sorgte. Bewundernswert war dabei allerdings, wie Weiner noch selbstständig vom Platz laufen und sich anschließend am Spielfeldrand den Fuß massieren ließ, während er das Spiel verfolgte, ganz so als wäre ein Achillessehnenriss nur ein leichter Wadenkrampf. Der Mann scheint das Schmerzempfinden einer mit Rohypnol bestrichenen Backsteinmauer zu haben. Wann er wieder pfeifen kann, ist derweil noch unklar. Aber nach dieser Cojones-Demonstration gehen wir davon aus, dass sich Weiner die Achillessehne zuhause mit einer Stricknadel und einem Meter rostigem Stacheldraht kurzerhand selber flickt, anschließend die MMA-Weltmeisterschaft gewinnt, Chuck Norris den Bart abrasiert, während er ihn im Schwitzkasten hält, schnell noch den Ring der Macht nach Mordor bringt, den Todesstern per Kopfnuss vom Himmel holt und dann pünktlich zum nächsten Wochenende wieder da ist, um Bundesliga zu pfeifen.

Marco Reus
Neben Achillessehnenwunder Michael Weiner stand in Stuttgart vor allem Dortmunds Undercut-Wunder Marco Reus im Mittelpunkt, der sich mit seinem Dreierpack in das dunkelste Kapitel der Stuttgarter Vereinschronik eingetragen haben könnte. Sonderlich spektakulär waren seine Tore derweil nicht, ebenso könnte gegen den VfB derzeit eine Redaktions-Worst-of-Auswahl eventuell noch einen Punkt ermauern. Denn so, wie sich die Stuttgarter in dieser Saison anstellen, bekommen die Spieler wahrscheinlich nicht mal mehr Spam-Emails mit dem Betreff »Sie haben gewonnen«.

 
 
 
 
 
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