17.03.2014

Die 11 des Spieltags (25)

Nordfight strikes back

Der Liga-Ärger ist förmlich greifbar: Håvard Nordtveit vergisst seine Manieren, Dieter Hecking seine Gesichtszüge zu entspannen und Eugen Polanski die Belange einer altehrwürdigen Sinsheimer Handwerkergilde. Staffiert seinen Schreibtisch mit Wut aus und krakeelt empört nach einer Gewerkschaft – unsere 11 des Spieltags.

Text:
Paul Hofmann
Bild:
imago

Dieter Hecking
Die Tennis-Wochen beim VfL (2:6 gegen Hoffenheim und 1:6 gegen München) haben dem Wolfsburger Chefcoach gehörig die Laune verhagelt. Die zehn Fragen vor dem Anpfiff in Braunschweig knurrte Hecking in einer knappen Minute und bester Augenthaler-Manier weg. Warum Assistenztrainer Andries Jonker die Niedersachsen nach der Saison gen Nordlondon verlässt, dürfte in Anbetracht von Heckings Todesblicken endgültig geklärt sein. Zumal die Performance des VfL trotz spielerischer Überlegenheit kaum Anlass zur Besserung bot. Dank eines Gustavo-Abstaubers hielt der Schimanski aus der Autostadt immerhin 48 Minuten an sich, bis Robin Knoche und Patrick Ochs Braunschweigs Karim Bellarabi mit ihrem vereinten Nachmittagsschlummi zum Ausgleich baten. Die aus der emotionalen Implosion resultierende, hartnäckige Augenbrauenzerrung wird Hecking einige Zeit außer Gefecht setzen. Ob das nächste Heimspiel gegen Augsburg zu früh für den Wolfsburger Übungsleiter kommt, konnte auch Hans-Christian Ströbele in seiner Funktion als 11FREUNDE-Experte für opulente Brauen nicht abschließend beurteilen.

William McCrum
Der ehemalige Leinenfabrikant und Torhüter des Milford Everton FC tat sich 1891 mit der Erfindung des Strafstoßes hervor. Für großen Diskussionsstoff sorgte der Ire damit (zumindest in Deutschland) nicht – das Gros der Elfmeter ist angesichts der Torabmessungen und der Schusstechnik ausführender Akteure einseitiger als ein Armdrücken zwischen Bud Spencer und Daniel Küblböck. Seit einigen Wochen ist der Ruf des Elfmeters nun allerdings einem Wandel unterlegen. Denn fünf der letzten sieben Strafstöße in der Bundesliga waren erbärmlich getreten, Nullmeter oder auch einfach nur: nicht drin. »Darüber muss gesprochen werden«, expertete Patrick Owomoyela auf Sky. Tun wir das anhand der zwei jüngsten Fehlversuche: Weil Stuttgarts etatmäßige Schützen Gentner (Hose voll) und Ibisevic (Rotsperre) verhindert waren und/oder zuletzt verschossen hatten, lag es an Martin Harnik, die mögliche Führung gegen seinen Ex-Klub an den Außenpfosten zu bolzen. In Sinsheim menschelte derweil selbst die fußballergewordene Positivbilanz Sejad Salihovic (zuvor elf Strafstöße in Folge verwandelt) und wemmste den dritten Elfer-Fehlschuss seiner Karriere in den Hoffenheimer Familienblock. Fortsetzung folgt. Bestimmt.

Giselher Ramsauer
Eben genanntes Spiel der Hoffenheimer war mit seinen sechs Toren und der irren Mainzer Aufholjagd purer Stress für alle, die sich an ihrem freien Samstagnachmittag sonst dem Schmieren von Teewurst-Broten, einer Partie Tetris oder ihrer Leidenschaft für Edelmetalle widmen. Am schlimmsten erwischte es in Person von Giselher Ramsauer dann aber zu allem Überfluss jemanden, der seiner Arbeit wegen in Sinsheim anwesend war: Ramsauer ist Kameramann bei Sky. So trug es sich zu, dass TSG-Kapitän Andreas Beck nach einer knappen halben Stunde im Vollsprint über eine Bande stolperte und erst Ramsauer und anschließend dessen 100.000 Euro schweres Arbeitsgerät erlegte. Beck konnte weitermachen, der Sky-Mitarbeiter indes blieb ohnmächtig liegen und wurde nach einigen Minuten der Ungewissheit auf einer Bahre aus dem Stadion bugsiert. »Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er ist ansprechbar. Im Krankenhaus wurde ein neurologischer Check durchgeführt«, sagte Hoffenheims Pressesprecher Tromp. Was bleibt, ist hoffentlich »nur« eine Gehirnerschütterung und die Freude über eine neue Kamera. Schnelle und gute Genesung an dieser Stelle!

Eugen Polanski
Das deutsch-polnische Verhältnis ist weniger belastet als weithin angenommen. Ohne unser Nachbarland läge im April bis Juni nicht eine Stange Spargel in der bundesdeutschen Hollandaise. Frankfurt (Oder) wäre ein Vorort von Moskau. Und war es nicht ein Pole, der dem ersten deutschen Papst seit 482, Benedikt XVI., durch sein selbstloses Ableben den Weg ebnete? Großzügig bescherte Polen uns darüber hinaus Miroslav Klose, Lukas Podolski – und eben Eugen Polanski. Letzterer entschied sich nach Karriere in allen deutschen U-Mannschaften zwar für das polnische Nationaltrikot, betörte die hiesige Liga gegen seinen Ex-Klub Mainz aber mit einer als Schuss getarnten Dampframme, die die Seilmacherinnung Sinsheim (seit 1899 für die TSG-Tornetze zuständig) die Gleitzeit kosten dürfte.

Max Kruse
An den letzten Dreier der Fohlen (Anfang Dezember 2013 gegen Schalke 04, Anm. d. Red.) erinnerten sich vor deren Auftritt in Dortmund nur Statistikfreunde, eingefleischte Borussen und Felipe Santana. Da macht sich so ein Sieg im Westfalenstadion ganz gut, dachte sich das Team von Hobby-Skeptizist Lucien Favre und erbrachte eine Leistung so ehrlich wie schwarzer Kaffee. Stellvertretend ist Sturmspitze Max Kruse zu nennen: Der Im-Prinzip-Nationalspieler identifiziert sich bereits nach einer halben gemeinsamen Spielzeit derart mit dem neuen Verein, dass er den mauen Gladbacher Wochen mit seiner persönlichen sportlichen Talsohle gleichkam – und 870 Minuten auf jeglichen Torerfolg verzichtete. Am vergangenen Samstag legte Kruse das Martyrium schließlich ad acta, schickte seine Gegenspieler Piszczek und Weidenfeller in den Lambadakurs und sicherte den überraschenden Auswärtssieg im Duell der beiden Borussias. Denn spätestens mit der Einwechslung Julian Schiebers (82. Minute) war klar, dass der BVB das 1:2 über die Zeit bringen wollte. Und das, obwohl …

 
 
 
 
 
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