10.03.2014

Die 11 des Spieltags (24)

Der Knurrer von Cannstatt

Friede, Freude, Abstiegskampf in Nürnberg, ein verhinderter Panenka auf Schalke und ein altbekannter Schleifer in Stuttgart. Zieht vorsorglich schonmal andere Saiten auf:  unsere 11 des Spieltags.

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Huub Stevens
Herzlich willkommen zurück in der Bundesliga, Huub Stevens. Nach dem enttäuschenden 2:2 gegen Braunschweig am Samstag war Schluss für Stuttgarts Trainer Thomas Schneider, sein Nachfolger ist der erst jüngst bei PAOK Saloniki entlassene Huub Stevens. Dass mit dem Knurrer von Kerkrade nun wieder ein Trainer der guten alten Schleifer-Riege die Liga bereichert, freut uns Ballonseide tragenden, Ractiv-trinkenden, Medizinball mit dem Kopf hochhaltenden Nasenpflasterinos natürlich sehr, und wir lehnen uns wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir sagen, dass mit Stevens nun ein anderer, kälterer, ungemütlicherer Wind im Ländle wehen wird. Aber wahrscheinlich ist ein Trainer, bei dem die Profis schon bei zu langem Blickkontakt Panikattacken erleiden, der seinen Co-Trainer vertrimmt, wenn’s mal nicht so läuft und für den Schraubstock und Streckbank Fitnessgeräte sind, exakt die Art Coach, die der VfB jetzt braucht, um die Klasse zu halten.

Christian Gentner
Anstatt auf dem Stuttgarter Trainingsplatz zu stehen, würde Huub Stevens just in diesem Moment wahrscheinlich eingeschüchterte Sachbearbeiter des Eindhovener Arbeitsamts anschreien oder im Innenhof Strafrunden drehen lassen, wenn Christian Gentner in der 52 Minute seinen Elfmeter einfach ins Tor und nicht in die Hände von Braunschweigs Torwart Daniel Davari gegentnert hätte. Es wäre das 3:1 gewesen, aber wie schon vorige Woche in Frankfurt versäumte es der VfB, für die vorzeitige Entscheidung zu sorgen. Derzeit können die Stuttgarter wahrscheinlich nicht mal den Sack zumachen, wenn sie zuhause den Müll rausbringen sollen.

Thomas Müller
Gegen die Bayern Fußball zu spielen macht derzeit in etwa so viel Spaß wie eine 90-minütige Nasendusche mit Tabasco. Die überforderten Wolfsburger durften am Samstag ganze 60 Minuten mitkicken, bevor die Bayern-Dampfwalze ernst machte und den VfL mit 6:1 überrollte. Exemplarisch für den Erfolg der Bayern steht dabei, neben gefühlt zwanzig anderen Weltklassespielern, Thomas Müller. Der hat zwar einen Bewegungsablauf, bei dem sich selbst die Macher der Augsburger Puppenkiste verschämt abwenden würden, ist aber trotzdem noch viel, viel besser als etwa 98 Prozent aller anderen Spieler in der Liga. Was er mit seinen zwei Toren am Samstag mal wieder unter Beweis stellte.

Matthias Sammer
Das handliche »11FREUNDE-Paddel zum praktischen Zurückrudern« überreichen wir in dieser Woche feierlich Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer. Der hatte vergangene Woche mit der Vermutung für Kopfschütteln gesorgt, dass die Dominanz der Bayern vielleicht ja eher an der unzulänglichen Trainingsarbeit der anderen Klubs läge. Eine These, steiler als ein Pass von Uwe Bein. Einen Berg hinunter. Aus einer Kanone geschossen. Vielleicht liegt die Dominanz des FCB ja unter Umständen auch an dem um circa 300 Batzillionen Euro höheren Spieleretat, dem daraus resultierenden Kader, gegen den selbst die Avengers aussehen wie eine Gruppe pickeliger Teenager, oder vielleicht auch an der seit Jahrzehnten bewährten Praktik, den Konkurrenten die besten Spieler wegzukaufen, auch wenn man das in München nicht gerne hört und stets dementiert. Aber wahrscheinlich lassen die umfangreichen beruflichen Verpflichtungen Sammers schlicht keine Zeit, diese Überlegungen in seine Einschätzung der Sachlage miteinfließen zu lassen.

Aaron Hunt
Hachja, Frühling, schön. Schon Eduard Mörike schrieb: Der Frühling lässt sein blaues Band…entschuldigung, ...lässt seinen Aaron Hunt wieder flattern durch die Lüfte, und in der Tat: Im Spiel gegen Nürnberg am Samstag flatterte Aaron Hunt so derart grundlos durch die Lüfte des Nürnberger Strafraums, dass selbst Andy Möller vor dem TV enttäuscht den Kopf schüttelte und irgendwo in Tschechien David Jarolim scheinbar ohne Grund ins Straucheln geriet. Hunt überkam allerdings noch während seines Segelflugs das schlechte Gewissen, weshalb er den bereits erfolgten Elfmeterpfiff von Schiri Manuel Gräfe zurücknehmen ließ. Chapeau!, Herr Hunt, eine faire Geste. Schon früher im Spiel hatte übrigens Nürnbergs…

...Hiroshi Kiyotake
einen vermeintlichen Eckball zu einem Abstoß korrigiert und dabei einen ähnlichen Sinn für Fair Play bewiesen wie später dann Hunt. Sieht nach dem fairsten und harmonischsten Abstiegskampf aller Zeiten aus. Ob Kiyotake und Hunt nach Spielschluss noch auf dem Platz blieben, sich gegenseitig Kränze aus Gänseblümchen ins Haar flochten und Arm in Arm schunkelnd »Heal the World« sangen, ist derweil leider nicht überliefert.

 
 
 
 
 
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