24.02.2014

Die 11 des Spieltags (22)

Nürnberg hat einen Titan

Elfmetersterben in Nürnberg, Randälchen in Gladbach und ein wiederbelebter HSV-Dino dank Voodo-Priester Mirko Slomka. Sitzt mit der Voodoo-Puppe und Hühnerknochen auf der Couch - unsere 11 des Spieltags

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Mirko Slomka
Noch vergangene Woche machten wir uns an dieser Stelle darüber lustig, was für ein hoffnungsloses Unterfangen es sei, den leblosen HSV zu reanimieren. Diese Woche möchten wir uns dafür entschuldigen, auch weil wir Mirko Slomka für eine Art Voodoo-Priester halten, der die Toten wieder zum Leben erwecken kann und deswegen ein bisschen Angst vor ihm haben. Noch vor einer Woche in Braunschweig lag das Team hilfloser am Boden als der ein oder andere Kollege gegen Ende der Weihnachstfeier, Slomka aber hat es irgendwie geschafft, die Mannschaft wieder auf die Beine zu stellen. Gegen Dortmund, prinzipiell eigentlich eher kein Aufbaugegner, erackerte sich der HSV fern jeglicher Schludrigkijt ein sensationelles 3:0 und einige der Hamburger Anhänger dürften heute arbeitsunfähig sein, weil sie sich ob der völlig unerwarteten Darbietung ihrer Mannschaft die Augen blutig gerieben haben. Aber vielleicht hat Voodoo-Priester Slomka da ja auch ein Mittelchen parat.  

Slobodan Rajkovic
An dieser Stelle könnte ebenso Petr Jiracek stehen, denn auch Hamburgs lange verschmähter Mittelfeldspieler mit der eleganten Gebrauchtwagenhändler-Frise, der am Samstag das wichtige 1:0 schoss, steht exemplarisch für den erfolgreichen Neustart unter Slomka. Wir haben uns aber für Slobodan Rajkovic entschieden, weil Hamburgs in einer Fußballerkarriere gelandeter Kirmesboxer diese Saison noch nicht ein einziges Mal in der Bundesliga auf dem Platz stand und nun bei seinem Kaltstart gleich einen derart abgeklärten Abwehrchef gab, dass Heiko Westermann noch auf dem Weg in die Halbzeitpause verschüchtert nach einem Autogramm fragte. Ob Neu-Coach Slomka nun Michael Mancienne, Gojko Kacar und Robert Tesche zu weiteren Säulen einer erfolgreichen HSV-Zukunft formt, wagen wir zu bezweifeln. Aber so ganz ausschließen können wir es nach Rajkovics überraschender Abwehrchef-Performance auch nicht. 

Hakan Calhanoglu
Die saftig-pralle Kirsche auf den sahnetortigen Hamburger Heimsieg setzte Schusstechnik-Endgegner Hakan Calhanoglu. Sein völlig wahnsinniger 42-Meter-Freistoß in der 93. Minute donnerte mit der Geschwindigkeit eines ICEs aufs Tor und wechselte im Flug öfter die Richtung als wir im Monat unsere Socken. Ein Freistoßtreffer, so hart und platziert und mit einer so absurden Flugkurve, dass irgendwo in Brasilien Roberto Carlos vor Freude zu weinen anfing und barfuß einen Backstein in den nächstgelegenen Bundesstaat drosch. Calhanoglu hingegen sammelte extra Coolness-Punkte, indem er sein Sensationstor cantonahaft-hochnäsig bejubelte und nicht, wie es jeder andere Spieler auf dieser Welt nach einem solchen Tor getan hätte, mit mehreren Spontan-Flick-Flacks vor die Fankurve zu turnen, tanzend die Eckfahne zu begatten und anschließend feierlich das Karriereende zu verkünden. 

Pierre-Emerick Aubameyang
Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang ist eigentlich eher einer für die schönen Dinge des Sports. Spektakuläre Tore, eine ganz feine Technik und eine Geschwindigkeit, dass Usain Bolt bei jedem Sprint Aubameyangs einen Weinkrampf erleidet. Am Wochenende aber zeigte Aubameyang nun, dass er durchaus auch für die schäbigen Seiten des Spiels zu haben ist, als er in der 55. Minute Tolgay Arslan mit gestrecktem Bein vor den Brustkorb trat. Ein Foul, so kung-fu-ig, dass Jackie Chan zuhause spontan mit einem Dropkick in den TV-Schrank sprang. Dass Aubameyang nur Gelb sah, war indes ein ziemlicher Witz. Für ein solches Foul bekommt man laut offiziellem FIFA-Regelwerk glatt Rot und einen eigenen Mortal Kombat-Charakter. 

Jonathan Schmid
Der »11FREUNDE-Mini-Calhanoglu« in Katzengold geht diese Woche an Freiburgs Jonathan Schmid, der im Spiel gegen Augsburg einen Freistoß aus 32 Metern in den Winkel drosch. Schönes Ding, jaja. Aber andererseits: Rechnet man Schmids Traumfreistoß in Calhanoglu-Parameter um, rutscht der Treffer in unserer internen Freistoßtor-Bewertungsskala von »Juninhos Gänsehaut« auf ein enttäuschendes »Thorsten Legats Achselzucken« ab. Schade drum.

Peter Gagelmann
Unseren allerhöchsten Respekt wollen wir an dieser Stelle Schiedsrichter Peter Gagelmann aussprechen, der im Spiel Schalke gegen Mainz Gelsenkirchens Bad-Boy Kevin-Prince Boateng gleich zweimal derart oberlehrerhaft zusammenschiss, dass wir uns prophylaktisch die Eselsmütze aufsetzten und den Rest des Spiels verschüchtert in der Redaktions-Ecke standen. Allein beim Gedanken daran, jemanden wie Boateng auch nur ein wenig zu laut anzusprechen, bekommen wir schwitzige Hände und nervöse Pusteln unterhalb der Streberbrillen. Gagelmann aber, der eher aussieht wie der Vorsitzende des örtlichen Kleingärtner-Vereins, scheute sich nicht, Boateng, der eher aussieht wie der Vorsitzende des örtlichen Motorradclub-Chapters, zu zeigen, wer der Boss auf dem Spielfeld ist. Respekt.

 
 
 
 
 
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