Die 11 des Spieltags (20)

Angst essen Seeler auf

Augsburg kratzt an Europa, Leverkusen überrascht mit schmutzigen Tricks und in Hamburg denkt man vor lauter Untergangsstimmung bereits an Felix Magath. Sprintet mit Medizinbällen unter den Armen den inneren Fitnesshügel hoch: unsere 11 des Spieltags.

imago

Felix Magath
Schubsereien, Eierwürfe, Tritte – was nach einer ganz normalen Mittagspause am Redaktionskühlschrank klingt, ist in der Tat eine kleine Zusammenfassung dessen, was sich nach der erneut desaströsen Darbietung des HSV vor der Hamburger Geschäftsstelle abspielte. Etwa hundert aufgebrachte Fans warteten auf Spieler und Verantwortliche. Ein Mob, der so wütend war, dass selbst Mistgabeln und Fackeln nicht überrascht hätten. Autos wurden zerkratzt, Rafael van der Vaart wäre um ein Haar in einen ranzigen Parkplatz-Faustkampf verwickelt worden und Jaques Zoua wurde mit einem Wurfgegenstand am Kopf getroffen – die Hamburger Fans zeigten sich nach dem Abpfiff ähnlich erstklassig wie die Mannschaft, nämlich gar nicht. Insgesamt ist die Lage beim HSV zurzeit derart prekär, dass man bei RTL2 bereits darüber nachdenkt, eine schäbige Reality-Doku über den Klub ins Nachmittagsprogramm aufzunehmen. Ob die Verantwortlichen in Hamburg nach nun sechs Niederlagen in Folge abgesägt werden, ist noch unklar, der Name eines alten Bekannten geistert allerdings immer deutlicher durchs Umfeld: Felix Magath. Aber vielleicht ist das gar keine so schlechte Idee. Allein beim Gedanken an Trainer/Manager/Sadist Magath dürften die HSV-Spieler deutlicher ins Schwitzen kommen als in einer durchschnittlichen Trainingswoche unter Bert van Freizijt…äh…Marwijk.

Adrian Ramos
Dass die Hamburger gegen die Hertha so derart unter die Räder kamen, lag auch an Berlins Adrian Ramos. Gut, in erster Linie an der völligen Mut- und Ideenlosigkeit des HSV, am kreisklassehaften Abwehrverhalten, an der nicht existenten Offensive und einem grundsätzlichen Mangel an Qualität, Engagement, Teamwork und eigentlich auch an allen anderen Dingen, die Profifußball ausmachen. Aber irgendwie eben auch an Ramos, denn irgendwer muss die Murmel ja über die Linie drücken, wenn die Hamburger Abwehrspieler einem den Ball freundlicherweise in den Fuß dilettieren. Zusätzlich zu seinen zwei Toren verschoss Ramos noch einen Elfmeter und vergab ein paar weitere Chancen, insgesamt hätte es am Ende auch 0:5 oder 0:6 heißen können. Zum Glück beließ es Ramos beim 0:3, hätte er noch weitere Tore erzielt, in Hamburg wäre rund ums Stadion wohl ein Spontan-Bürgerkrieg ausgebrochen.

Henrikh Mkhitaryan
Seit acht Spielen, japste der Boulevard, habe Dortmunds Henrikh Mkhitaryan nicht mehr getroffen. Fehleinkauf, schallte es auch bei uns reißerischen Boulevarios durch die Gänge, aber noch während wir uns den klebrigen Schweiß des Medienmaschineristen mit einer Bild-Zeitung aus dem gegeelten Kai-Diekmann-Haar tupften, schoss der Armenier im Spiel gegen Bremen einfach mal zwei wunderschöne Tore. Insbesondere die Kombination vor seinem zweiten Treffer ist uns eine lobende Erwähnung wert, beinhaltete sie schließlich mehr Spitze und Hacke als die jährliche High-Heels und Pumps-Expo in Wanne-Eickel. Geht doch, war man geneigt zu denken. Wobei man gegen den SV Werder Bremen zurzeit wahrscheinlich tatsächlich in High Heels auflaufen könnte – man würde trotzdem treffen. Was man auch daran sieht, dass selbst…

Manuel Friedrich
...noch einnetzen durfte. Vor lauter Verletzungssorgen wurde Friedrich im Winter nach Dortmund geholt und verbringt nun seine Frührente damit, ab und zu ein bisschen Bundesliga zu kicken, noch ein paar Scheinchen einzustreichen und nun auch noch Tore zu schießen. Wahnsinn. Was er wohl macht, wenn er nicht gerade unseren Traum lebt? Ob er im Garten liegt und sich in seiner eigenen Coolness sonnt? Oder ob er in einem epischen Armdrücken-Match mit Claudio Pizarro den Titel des lässigsten Stand-by-Profis auswrestlet?

Levent Aycicek
Friedrichs Gegenspieler war in den letzten Minuten der Partie übrigens Levent Aycicek, den wir hiermit herzlich in der Bundesliga willkommen heißen wollen. Der junge Deutsch-Türke aus dem Bremer Nachwuchs feierte am Samstag seine Bundesligapremiere und durfte direkt auch noch ein Tor erzielen. Dumm nur, dass es bereits 0:5 stand und Ayciceks Treffer rein gar nichts an der allgemeinen Bremer Ratlosigkeit änderte, die derzeit ja nur noch von der Schadenfreude über die noch schlechtere Situation beim Rivalen aus Hamburg übertroffen wird. Auf diese Weise das erste Mal zu treffen, ist natürlich ärgerlich, aber wenn wir eines aus einer schwitzigen Nacht voller unbeholfener Bewegungen und Peinlichkeiten auf einer Klassenfahrt vor vielen, vielen Jahren gelernt haben, dann, dass erste Male nicht immer eine durchweg positive Erfahrung sind. Also Kopf hoch, Junge, das wird schon noch!

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