Die 11 des Spieltags (16)

Noch nicht mal den Nobelpreis

Der HSV braucht Geld und holt es sich in Brasilien, Marcel Schmelzer brauchte nicht unbedingt Rot, holte sich diese aber von Wolfgang Stark ab, der wiederum eine Ladung Hass für lau einsackte. Unsere 11 des 16. Spieltags!

Wolfgang Stark
»Okay Jungs, konzentriert von der ersten Sekunde an«, ermahnte Wolfgang Stark die Kapitäne Weidenfeller und Benaglio vor dem Anpfiff der Partie Dortmund gegen Wolfsburg. Starks eigene Leistung dann eher schwach: Er verwechselte Marcel Schmelzers Knie mit einer fünfgliedrigen Extremität. Immerhin stark von Stark, dass er seine Unkonzentriertheiten nach dem Spiel einräumte. Und trotz gewohnt emotional-ausufernder Dortmunder Proteste nach Schmelzers Platzverweis kam Stark nach dem Spieltag heil nach Hause.

Der HSV
Der HSV wurde an diesem Wochenende von den Anforderungen der modernen Arbeitswelt überrollt und ließ Reminiszenzen an Charly Chaplin in »Modern Times« anklingen: Gerade erst ein mühsames 2:0 gegen die TSG Hoffenheim eingefahren, mussten die Jetset-Kicker aus der Hansestadt für einen 15-Stunden-Flug nach Brasilien einchecken. Der notorisch klamme HSV reiste für schlappe 825.000 Euro Antrittsprämie für ein Freundschaftsspiel zur Stadioneröffnung von Gremio Porto Alegre um eine Neuauflage des Weltpokalfinales von 1983 zu bestreiten. Dort angekommen, wirkte der HSV tatsächlich wie Charly Chaplin, gefangen in den riesigen Zahnrädern der globalisierten Fußballwelt: Das Spiel wurde erst nach zweeinhalbstündiger Verspätung angepfiffen, der Rasen war schlecht, auf den Rängen gab es Schlägereien und die Duschen in dem neuen Stadion waren funktionsuntüchtig.

Marcel Schmelzer
Einer ist immer die ärmste Sau: der 11FREUNDE-Trösterpreis des 16. Spieltags geht ganz klar an Dortmunds Marcel Schmelzer. Heldenhaft schützte der Nationalspieler seine Kronjuwelen gegen den Schuss von Wolfsburgs Bas Dost, verhinderte damit gar ein Gegentor und wurde zum Dank trotzdem von Wolfgang Stark vom Platz geschmissen. Nicht genug: Wolfsburg bekam einen Strafstoß zugesprochen, Diego verwandelte sicher, der BVB verlor das Spiel schließlich mit 2:3. Und Schmelzer? Schrie kurz sein Entsetzen ins Westfalenstadion-Rund und marschierte dann in die Kabine. So sehr hatte der Linksverteidiger dabei seine Emotionen im Griff, dass Trainer Jürgen Klopp anschließend forderte, man möge seinem Mann doch bitte den Friedensnobelpreis verleihen. Jetzt kommt es noch übler für Schmelzer: den Preis hat ihm bereits die EU vor der Nase weggeschnappt. Haste Scheiße am Fuß, haste eben Scheiße am Fuß…

Jermaine Jones
Wo wir gerade bei Preisen sind, die nie vergeben werden – die 11FREUNDE-Eselskappe darf sich diese Woche Schalkes Jermaine Jones in der Redaktion abholen. Allerdings nur mit einer überflüssigen Grätsche von hinten, denn genauso verabschiedete sich Jones nach 73 Minuten aus der Partie gegen den VfB Stuttgart, die seine Mannschaft nach einem kurz zuvor an Stuttgarts Sakai erteilten Platzverweis möglicherweise noch hätten drehen können. So aber vergeigte der FC Schalke auch dieses Spiel und rutschte in der Tabelle auf Platz fünf ab.

Mario Gomez
Mario Gomez benimmt sich in letzter Zeit wie die deutsche Bahn. Bloß, dass Gomez nicht 59 Minuten zu spät kommt, um Schadensersatzforderungen bei 60-minütigen Verspätungen zu entgehen, sondern dass er durchschnittlich alle neunundfünzig Minuten ein Tor macht. Gegen Augsburg zeigte er seinen Namensvetter Mario Mandzukic, der vorher vier Dinger versiebt hatte, wer der wirkliche Supermario im Münchener Wonderland ist. Bilanz nach einer Minute: Doppelpass mit Ribery, Schlenzer mit dem linken Fuß, Tor. Kein Platz für die Supermario Brothers. Es kann, wie immer, nur einen geben.

Juan Arango
Es gibt Fußballer, die alleine das Eintrittsgeld wert sein können. Stefan Effenberg war so einer, Marco Reus natürlich auch. Sie beide begeisterten einst in Mönchengladbach ein Publikum, dass sich sehnlichst die glorreichen Siebziger zurückwünscht, als man nicht nur erfolgreich, sondern auch wahnsinnig attraktiv spielte. Juan Arango ist ein würdiger Nachfolger für Effenberg, Reus und Co. Weil er Fähigkeiten besitzt, die sonst nur ganz wenige Fußballer haben. Und die spielen meistens in München, Dortmund oder Leverkusen. Gegen den FSV Mainz gelang Arango ein Tor aus mehr als 40 Metern, er hatte einen Abpraller von Torwart Heinz Müller einfach direkt aufs Tor geschossen. Und der Ball? War tatsächlich ins Tor geflogen. Weil Arango es so wollte. Und 46.000 Zuschauer in Mönchengladbach wussten anschließend, wofür sie Eintritt gezahlt hatten.

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