02.12.2013

Die 11 des Spieltags (14)

Wo ist der Maulwurf?

Sehr zu unserem Leidwesen hielt sich der Bayern-Maulwurf an diesem Wochenende zurück. Aber wer soll den FCB jetzt noch stoppen? Hegelers Pi-So-Ha-Pa? Castros Doppelgrätsche? Die Illuminaten? Verlangt nach klebrigen Kabinengeheimnissen: Unsere Elf des Spieltags.

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Der Maulwurf
Wahrscheinlich aus Angst, von Matthias Sammer in den Ruhestand gehassgrätscht oder von Arjen Robben mit einem Spandex-Trikot stranguliert zu werden, hielt sich der Münchner Maulwurf, der letzte Woche noch so erfrischend aktiv war, in dieser Woche mit schmierigem Kabinenwissen zurück. Sehr zu unserem Leidwesen. Dass wir den ominösen Insider nun für unsere Elf nominieren, ist also nicht als Lob für seine neu entdeckte Integrität zu verstehen, vielmehr ist es ein Aufruf, ja fast ein Hilferuf: Bitte, lieber Maulwurf, bitte bitte bitte lass dich nicht einschüchtern. Gehe weiter deiner seifigen Verräterei nach, zündele, erzähle uns von Aufstellungs- und Taktikdetails, von Sauftouren ins P1, Ehebrüchen und klebrigen Kabinengeheimnissen, von Kontoauszügen oder Penislängen, irgendwas, das den unfassbar dominanten Rekordmeister wieder zum guten alten FC Hollywood voller Störfeuer und Grüppchenbildung macht. Denn wie sonst sollte man diese Bayern noch aus dem Tritt bringen und die Liga irgendwie spannend halten?

Gonzalo Castro
Leverkusens Gonzalo Castro ist auf dem Fußballplatz eher einer für die schönen, anmutigen Dinge des Spiels. Umso erstaunter nahmen wir seine eingesprungene Doppelgrätsche auf schmutziger Wadenbeinhöhe zur Kenntnis, die Castro gegen Nürnbergs Markus Feulner aus dem Hut zauberte. Für so viel überraschende Hollerbachigkeit möchten wir Leverkusens Mittelfeldspieler an dieser Stelle feierlich das »durchgestreckte 11FREUNDE-Dirk-Schuster-Gedächtnisbein in Gold« verleihen. Für einen Doppeltritt, für den es bei Mortal Kombat sicherlich eine Tastenkombination gibt. Castro durfte übrigens, Feulner konnte glücklicherweise weiterspielen. Beides verwunderlich.

Jens Hegeler
Für das Sahnebonbon des Spiels sorgte Castros Mitspieler Jens Hegeler, weswegen wir ihn heute dem zweifachen Leverkusener Torschützen Heung-Min Son vorziehen. In der 47. Minute veredelte Hegeler nämlich einen Doppelpass mit Stefan Kießling mit einer Art Pirouetten-Sohlen-Hacken-Pass, der so schön war, dass sich mehrere Redaktionsmitglieder spontan beim Ballettkurs für Übergewichtige an der VHS angemeldet haben, um demnächst mit dem Hegelerschen Pi-So-Ha-Pa auf dem Bolzplatz glänzen zu können. Kießling brauchte anschließend nur noch einschieben und wir setzten noch während des Spiels einen Brief an den DFB auf, in dem wir fordern, Pi-So-Ha-Pas künftig als eigenständige Treffer zu werten. Bisher ohne Antwort, aber war ja auch Wochenende.

Sejad Salihovic
Die Fußballtraditionalisten unter uns sind sich sicher, dass immer wenn der traurige Sinsheimer »Was-wollen-wir-trinken«-Torjingle ertönt, im Vereinsmuseum eines Traditionsklubs ein Bild von der Wand fällt und im Ballschrank des Stuttgarter Nachwuchsleistungszentrums ein Fußball platzt. Derzeit ertönt der Jingle ziemlich oft, am Samstag gleich vier mal, zwei der vier Ohrwürmer gingen dabei auf Sejad Salihovics Kappe. Der Bosnier traf zweimal per Elfmeter, von insgesamt 25 Elfmetern hat er stattliche 23 ziemlich trocken ins Tor geholzt. Da muss man neidlos anerkennen: Salihovic ist am Elferpunkt in etwa so kompromisslos wie einst Udo Lattek am Tresen. Apropos: Was wollen wir trinken?

Raphael Wolf
Als heute früh der Name Wolf in Verbindung mit Werder Bremen fiel, glänzten die Augen des ein oder anderen Redaktionsmitglieds. Etwa Andreas Wolf? Der kompromisslose Haudegen, der morgens zum Wachwerden mit dem Kopf gegen die Wand rennt, Backsteine zum Frühstück isst und mehr Karten in seinem Leben gesehen hat als ein durchschnittlicher Black-Jack-Croupier in Las Vegas? Der beinharte Innenverteidiger, den Bremen derzeit so gut gebrauchen könnte? Nein, leider nicht. Aber immerhin Raphael Wolf, Torhüter in Diensten des SVW, der den zuletzt glücklosen Sebastian Mielitz auf die Bank verdrängte und am Samstag gegen Hoffenheim sein erstes Bundesligaspiel bestritt. Und trotz der vier Gegentore eigentlich ganz gut hielt, auch wenn das komisch klingt. Glückwunsch dazu. Fehlt also nur noch ein kompromissloser Haudegen, der die löchrige Defensive der Bremer zusammenhält und gegnerische Stürmer zurück in den Spielertunnel flext, wenn’s sein muss. Wir wüssten da einen.

Philipp Bargfrede
Der Kommentator der Sportschau war kaum noch zu halten und konspirierte fröhlich drauf los: Ausgerechnet Bargfrede, in seinem 88. Spiel, mit der 44 auf dem Rücken, zum 4:4 – das könne ja gar kein Zufall sein. In der Tat, dachten wir, strichen uns gedankenverloren über den Illuminaten-Siegelring, rückten uns die Alufolien-Helme zurecht und sichteten die Bilder des Kennedy-Attentats, auf der Suche nach Bremens Mittelfeldspieler. Als wir nicht fündig wurden (noch nicht), konzentrierten wir uns wieder auf das Spiel (das sogenannte) und erfreuten uns an den (ausgerechnet) acht Toren, deren letztes (als wäre das Zufall) Bargfrede (natürlich) in der Nachspielzeit (ja klar) in die Maschen prügelte (soso). Mit seinem Gewaltschuss setzte der lange verletzte Bargfrede einem außergewöhnlichen Spiel in Sinsheim die Krone auf. Bzw. den Alu-Hut. Je nachdem.

 
 
 
 
 
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