25.11.2013

Die 11 des Spieltags (13)

Von Frührentnern und Rückkehrern

Beim Gigantenduell in Dortmund überzeugen ein Frührentner, ein Rückkehrer und der Mann mit dem Spray-Paint-Trikot. Außerdem dabei: das schönste Eigentor der Saison, die verflixte 86. Minute und, natürlich, Walter Frosch. Legt einen virtuellen Kranz ab - unsere 11 des Spieltags

Text:
Bild:
imago

Manuel Friedrich
An dieser Stelle sollte heute eigentlich hcirdeirF leunaM stehen, denn nach der Bekanntgabe der Dortmunder Aufstellung am Samstag gingen wir fest davon aus, dass die versammelten All-Stars der Bayernoffensive Dortmunds reaktivierten Frührentner gnadenlos auf Links ziehen würden. Tatsächlich querschlägerte sich Friedrich mit Ach und Krach durch die ersten zehn Minuten und wackelte mitunter bedenklicher als Miley Cyrus bei den MTV Movie Awards; er fing sich allerdings recht schnell und spielte nach seinen anfänglichen Problemen dann eine wirklich solide Partie. Klar, 0:3 ist jetzt nicht unbedingt eine Bewerbung für die WM, es sei aber angemerkt, dass Friedrich an den Toren unschuldig war. Und außerdem: Wenn man zuletzt probehalber in Thailand gekickt und sich dann bei Rot-Weiß Oberhausen fit gehalten hat, kann man eigentlich schon froh sein, wenn man sich noch unfallfrei die Schuhe schnüren kann.

Mario Götze
Die Rückkehr des verlorenen Sohnes nach Dortmund war das absolut beherrschende Thema des Spieltags. Von biblischen Ausmaßen war dabei vor allem das unglaubliche Pfeifkonzert bei Götzes Einwechslung, das den ein oder anderen bedauernswerten Hund im Großraum Dortmund in die Taubheit und/oder Wahnsinn getrieben haben dürfte. Vielleicht das eindrucksvollste Pfeifkonzert seit Jethro Tull in den Siebzigern. Götze selber sorgte allerdings recht schnell für Ruhe auf den Rängen, als er kurz nach seiner Einwechslung das 1:0 markierte. Eine weitere jener »Ausgerechnet«-Geschichten und ein weiterer Beweis dafür, dass dieser Sport manchmal einfach wirklich nicht zu fassen ist.

Arjen Robben
Dass Götze ein gelungenes Comeback in Dortmund feiern konnte, lag auch an Arjen Robben. Der Holländer mit der windschnittigen Frisur und dem Spray-Paint-Trikot war am Samstag der beste Mann auf dem Platz, spätestens mit seinem Sahnelupfer zum 2:0 war der deutsche Clasico entschieden. In dem ein oder anderen Dortmunder Alptraum dürfte Samstag Nacht ein kleiner, wendiger Außenstürmer aufgetaucht und nach Innen gezogen sein, ein Tor erzielt haben und sich anschließend mit dem Champions-League-Topf über dem Schädel vor einer »Seven Nation Army« blökenden Bayernkurve feiern lassen. Schmerzhaft für alle Dortmunder, aber Robben ist derzeit vielleicht in der Form seines Lebens. Als »das Geschenk der Bayern an die Bundesliga« bezeichneten wir ihn im Nachgang des Spiels. Den Dortmundern sei tröstend gesagt: Über ein Geschenk muss man sich nicht immer freuen.

Die Spannung
Aus aktuellem Anlass nehmen wir heute die Spannung in unsere 11 des Spieltags auf, schlicht und einfach weil es die letzte Möglichkeit ist, dies noch zu tun. Nach dem 3:0 der Bayern in Dortmund verabschiedet sich die Spannung nämlich bereits am 13. Spieltag in die Sommerpause, um 2014/15 wieder für einige wenige Wochen die Liga zu bereichern, bevor der FCB mit seinem Fantasie-Team dann erneut das zarte Pflänzchen Ausgeglichenheit gnadenlos abmäht. Da kann Matthias Sammer weiterhin mahnend den Zeigefinger wedeln: Die Meisterschaft, seien wir mal ehrlich, ist gelaufen. Wir werden samstags um 15:30 also ab sofort die Redaktionswand angucken, endlich den Malen-nach-Zahlen-Kurs belegen, den wir schon so lange machen wollen, oder die Zeit nutzen, um endlich mal die Wände des Redaktions-Kühlschranks von Alt-Mett zu befreien. Ist alles spannender und macht mehr Sinn als eine Bundesligasaison mit den Superbayern. 

Halil Altintop
Erinnert sich noch jemand an die Saison 2005/06? Eine magische aber auch seltsame Zeit war das, in der die Trainer noch Augenthaler, von Heesen und Köppel hießen, eine blondierter Marcelinho die Hertha in den UI-Cup bombte, Norbert Meier eine leckere Kopfnuss vom Baum des Beinahe-Karriereendes pflückte und ein junger, aufstrebender Stürmer namens Halil Altintop in Kaiserslautern 20 Hütten machte. Wie bitte? Klingt wie ein Märchen, ist aber die absolute Wahrheit. Am Samstag nun zeigte uns Halil Altintop den formidablen Stürmer, der er ist und den er seit 2005 viel zu selten hervorholt. Beim 2:0 seiner Augsburger gegen blasse Hoffenheimer holzte Altintop in feinster, räudiger Strafraumstürmermanier zwei Bälle über die Linie und machte so mit den Hoffenheimern kurzen Prozess. Auch abseits seiner beiden Tore war Altintop Man of the Match, ackerte wie ein Blöder und verkörperte all das, was den FCA derzeit so stark macht. Ob Sascha Mölders vor Stolz ein wenig geweint hat, ist leider nicht überliefert.

 
 
 
 
 
12
Facebook, Twitter und Google+

Freund von 11FREUNDE werden