11.11.2013

Die 11 des Spieltags (12)

Mit dem Bierbike durch Weimar

Sexappeal: Jürgen Klopp sucht, Thomas Kraft hat ihn. Genauso wie die Boatengs. Und Patrick Ochs sowieso. Berauscht vom eigenen Perplex-Appeal: Unsere 11 des Spieltags.

Text:
Paul Hofmann
Bild:
imago

Thomas Kraft
Der Nachmittag im pittoresken Sinsheim hatte für Herthas Torsteher wenig erfolgreich begonnen, als er sich aufgrund der tiefstehenden Sonne für ein abgegriffenes Baseball-Cap entschied, das Guido Maria Kretschmer fristlos ins Wachkoma versetzte. Einmal abgenommen konnte das restschöne Platzwart-Artefakt dann nicht nur zwei Salihovic-Tore, sondern auch eine Handvoll spielentscheidender Glanzparaden seines Besitzers bewundern. Dem schwoll angesichts der Leichtsinnigkeit seiner Mit- und der Unverfrorenheit seiner Gegenspieler die Halsschlagader auf die Größe einer Bockwurst an. Zum dräuenden Bareknuckle-Fight mit dem humanoiden Komprimat Kevin Volland kam es aber im Gegensatz zum ersten Berliner Auswärtssieg nicht.

Patrick Ochs
Endlich mal einen Rotschopf im Team! In Person von Patrick Ochs streift sich eine seltene Spezies die diarrhöfarbene 11FREUNDE-Viskose über. Zum Dortmunder Furor (siehe Jürgen Klopp) schlenzte Karottenpatti, wie wir ihn nennen dürfen, formvollendete Flanken aus seinen kleinen Hamsterbeinchen und ochste hinten wie vorn so überaus zuverlässig, dass sein Trainer Dieter Hecking 90 Minuten die voluminösen Brauen hob. Einen Stammplatz hat der Rechtsverteidiger beim VfL dennoch nicht sicher. Ochs kann warten. Schließlich ist er, wie der »Bachelor« sagen würde, »ganz doll der Verzögerungsgenießer«. Wir hingegen nicht. Wer unsere Stammplatz-Petition unterstützen will, verfasse bitte eine Mail an mick.hucknall@11freunde.de.

Der Kampf
Die viel zitierte Grundtugend hatte in Hannover einen Sahnetag erwischt – und verdammt viel Gaudi beim 1000. torlosen Remis der Ligahistorie. Ihre Omnipräsenz ging allerdings ein bisschen … ja, okay … ging sehr zu Lasten des Spiels. Jedes zweite Zuspiel der Braunschweiger landete bei 96, das selbst nicht über 75 Prozent Passgenauigkeit hinauskam. Eine Derby-Stunde waren so Pi mal Grätsche sieben Menschen-Stunden. Das Ganze sah ein bisschen aus wie eine Sexszene bei den »Tudors«: durchaus engagiert, aber sehr verkeilt.

Jürgen Klopp
Taxierte 360 Tage im Jahr tanzt im Herzen von »Kloppo« – wie ihn Vertraute landläufig nennen – eine gelbe Congaschlange. Damit war bei den »gebrauchten Tagen« gegen Arsenal (0:1) und zuletzt in Wolfsburg (1:2) so abrupt Schluss, dass sich Klopp den schmerzlichen »Gesetzmäßigkeiten des Fußballs« gewahr wurde. Gewahr wurde uns dankenswerterweise nicht nur Dortmunds Fehlbarkeit, sondern auch wie herrlich ungern »Everybody's and Commercial Darling« verliert. Nun hat Jürgen K. die Faxen erstmal dicke. Für die Länderspielpause empfehlen wir eine besinnliche Fahrradtour: Mit dem Bierbike durch Weimar soll ganz nett sein. Oder mit dem Rhönrad durchs Elbsandsteingebirge.

Jerome Boateng
Wir hätten uns angesichts der berückenden Serien-Bayern getrost auch für Franck Ribéry und seinen Mach-3-Freistoß in den rechten Augsburger Winkel entscheiden können. Bayerns Innenverteidiger überzeugte aber bereits in der vierten Spielminute auf gänzlich fremden Terrain und drosch die Pille aus der Drehung mit solcher Vehemenz und Präzision in den Knick, dass Gästekeeper Marwin Hitz danach zum Labsal seiner Mitspieler Synapsengulasch verteilen konnte. Und auch in gängiger Umgebung überzeugte Boateng: Dank seinen 85 Prozent gewonnener Zweikämpfe und 90 Prozent angekommener Pässe war München am Samstagnachmittag so sicherheitsaffin, dass die Stadtverwaltung kurz vor der Verabschiedung einer Helmpflicht für Fußgänger gestanden haben soll.

Kevin-Prince Boateng
Der andere Stammhalter der Familie Boateng jubelte nach seinem Doppelpack gegen Bremen so entrückt, dass man die Szenen eher für Zeitlupen aus »300« hätte halten können. Ansonsten waren Boateng Altertümlich- oder Grobschlächtigkeit fremd: Schalkes Beau versenkte seine zwei Kopfbälle mit solcher Akkuratesse, dass Valid Hashemian, Kalle Riedle und Horst Hrubesch verzückt von der heimischen Eckbank hochstiegen und ihre nachmittäglichen Pudding-Plunderteilchen aus der Stube schädelten.

 
 
 
 
 
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