05.11.2012

Die 11 des Spieltags (10)

Alles wird gut

Tim Wiese wird endlich wieder gefeiert (auch von uns), Dante ist endlich mal ehrlich (so wie wir), Lorenz-Günther Köstner erzählt viel, wenn der Tag lang ist (klingt nach uns!) und der 1. FC Nürnberg feiert die siegbringende Trägheit eines Schiedsrichters – die Elf des Spieltags.

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Tim Wiese
Häufig und manchmal auch gerne, haben wir an dieser Stelle auf dem Torwart Tim Wiese herumgehackt. Die kuriosen Real-Madrid-Gerüchte und der enttäuschende Saisonauftakt mit der TSG Hoffenheim haben es uns aber auch leicht gemacht. Gerne stoßen wir deshalb heute ins andere Horn: Wiese gewann mit Hoffenheim überraschend gegen Schalke 04 und war beim 3:2-Erfolg nicht nur einer der besten Akteure auf dem Platz, sondern wurde für seine Taten auch noch mit Sprechchören bedacht. Positiven, ironiefreien Sprechchören. Glückwunsch dazu!

Dante
Ehrlichkeit im Fußball ist ja so eine Sache. Interviews sind meist lasch und lahm und wenn doch mal was Interessantes aus den Mündern der Spieler kommt, gibt es ja immer noch die Pressesprecher, die professionell alles, was irgendwie Zündstoff bedeuten könnte, verschwinden lassen. Ein ungeschriebenes Gesetz in der Bundesliga lautet: Ganz egal, was sonst wo in der Welt passiert, mich interessiert nur das nächste Spiel! Insofern sind wir Herrn Dante vom FC Bayern dankbar, der nach dem Sieg seiner Mannschaft gegen den HSV zugab, dass er und seine Mitspieler vor der abendlichen Partie die Ergebnisse der Mitstreiter aus Schalke und Dortmund via Smartphone ausgetauscht hätten: »Du willst dich eigentlich aufs Spiel konzentrieren, aber bei den Ergebnissen geht das dann doch nicht.« Immerhin: »Und dann wollen alle schnell raus und das eigene Spiel sofort gewinnen.«

Lorenz-Günther Köstner
Die kurze Erfolgsserie des Wolfsburger Übergangstrainers (?) Lorenz-Günther Köstner ist gerissen, 0:1 verlor der VfL gegen den 1. Nürnberg. Zeit für den Trainer, die Journalisten vom Spiel seiner Mannschaft abzulenken. Was hilft da besser, als ein monströser Satz, der selbst die »Süddeutsche Zeitung« nötigte, eine wertvolle Spalte ihres Sportteils für einen Kommentar (»Ode an den Schachtelsatz«) zu nutzen, statt weiter auf die Leistung der Fußballer einzuhauen? Im Wortlaut: »In der Defensive, bis auf die entscheidende Aktion, als man erst den Zweikampf über die linke Seite verliert und dann den Zweikampf über die rechte Seite, weil man einfach nur durchläuft, das Spiel ist durch diese Aktion entschieden worden, unabhängig davon, dass wir heute nicht gut gespielt haben, aber wenn man eben die Reihenfolge nicht einhält, auch nach zwei gewonnenen Spielen im Abstiegskampf, und da sind wir, da befinden wir uns noch, auch wenn es die Leute nicht gerne hören wollen, aber ich muss die Finger in die Wunde reinlegen, jetzt fällt es mir wieder etwas leichter, ist das Spiel entschieden worden.« Aua.

Simon Rolfes
Arbeitstage wie dieser: Leverkusens Mittelfeldmann stand am Sonntag gegen Fortuna Düsseldorf nach seiner Einwechslung in der 63. Minute exakt 75 Sekunden auf dem Platz, da musste er das Feld auch schon wieder verlassen. Weil er seinen Gegenspieler Adam Bodzek ziemlich rustikal von hinten umgegrätscht hatte. Rolfes entsetzt: »Es war maximal ein Foul. So etwas ist mir noch nie passiert!«. Einen unrühmlichen Rekord hat Rolfes zumindest verpasst: Schneller war nur Marcel Titsch-Rivero von Eintracht Frankfurt, der im Mai 2011 nach genau 43 Sekunden gegen Borussia Dortmund vom Platz geflogen war.

Sebastian Kehl
Immer wieder samstags fliegen die Ellenbogen in deutschen Bundesligastadien. Obwohl längst streng geahndet, vergeht kein Spieltag, an dem nicht irgendwo ein Spieler zu Boden geht, weil ihn der ausgestreckte Arm des Gegenspielers im Luftduell empfindlich im Gesicht erwischt hat. Nervig ist das – und auch ziemlich schmerzhaft, wie Dortmunds Sebastian Kehl im Spiel gegen den VfB Stuttgart erfahren musste. Der Übeltäter: Raphael Holzhauser (»Es war keine Absicht, ich sehe Kehl nicht und gehe normal zum Kopfball.«). Die Folge: Nasenbeinbruch für Kehl nach 18 Minuten. Gegen Real Madrid (am Dienstag) soll Kehl trotzdem spielen, mit einer dieser herrlich hässlichen Gesichtsmasken.

 
 
 
 
 
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