Die 11 des Spieltags (10)

Boateng schreibt Geschichte

Im Revierderby kann man zum Helden werden. Oder eben nicht. Aber nicht nur Boateng hatte einen schlechten Tag, auch bei Oliver Baumann und Mame Diouf lief es nicht so optimal. Ist vorsorglich gleich komplett im Bett geblieben: Unsere 11 des Spieltags.

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Kevin-Prince Boateng
»In diesem Spiel kann man sich unsterblich machen«, trompetete Kevin-Prince Boateng im Vorlauf des Derbys, und was soll man sagen: KPB ist ein Mann der Tat und machte sich tatsächlich direkt unsterblich. Allerdings nicht etwa durch einen Siegtreffer per Fallrückzieher mit Moonwalk-Anlauf oder dadurch, dass er Kevin Großkreutz eine neue Frisur grätschte, sondern dummerweise durch einen beim Stande von 0:1 verschossenen Elfmeter. Dieser Fehlschuss macht Boateng nun zum allerersten Spieler, der in der Bundesligageschichte für Schalke einen Elfer im Revierderby verballerte - so hatte sich das Boateng sicherlich nicht vorgestellt, als er von der Unsterblichkeit sprach.

Henrikh Mkhitaryan
So sehr das alle Schalker schmerzen mag, aber Dortmund war in diesem Derby ein wenig besser. Vor allem, so machte es den Anschein, wollten die Borussen den Sieg einfach mehr. Exemplarisch dafür steht Henrikh Mkhitaryans Vorarbeit zum 3:1. Dortmunds Jahrhundertarmenier legte vor seinem Assist einen Sololauf hin, der derart lang war, dass selbst Forrest Gump die Puste ausgegangen wäre. Fast 70 Meter schleppte Mkhitaryan den Ball über den Platz, was an diesem Tag wahrscheinlich die längste Strecke war, die ein Dortmunder am Stück durch die Arena laufen durfte, ohne dabei von Schalkern bedrängt zu werden. Am Ende seines Solos legte er quer, Blaszczykowski netzte ein, der Derbysieg war perfekt. So einfach ist das manchmal.

Mame Diouf
Ebenfalls in den Geschichtsbüchern der Liga verewigt hat sich am Wochenende Hannovers Mame Diouf. Der Senegalese schaffte nämlich das Kunststück, nach nur 12 Minuten mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen - die schnellste Ampelkarte der Ligageschichte. Leider gibt es kein Gerät, mit dem sich zusätzlich die Dummheit eines Platzverweises messen lässt - eine Art Dummheits-Uhr sozusagen - aber auch ohne eine solche vermuten wir, dass Dioufs Gelb-Rote nicht nur die schnellste sondern auch die dümmste der Geschichte war. Innerhalb von zwei Minuten erst Gelb wegen Meckerns und dann wegen einer Schwalbe zu sehen, ist schon wirklich die ganz große Kunst der Eselei. Auch wenn die Schwalbe zumindest umstritten war - Dümmer angestellt hat sich zuvor wahrscheinlich nur Jürgen Milski beim Rechtschreibtest.

Marcelo
Was genau Hannovers Marcelo Schiri Stieler an Schimpftiraden entgegenspie, wird leider sein Geheimnis bleiben, aber es sah wahrlich nicht so aus, als würde Hannovers Verteidiger mit dem Referee nett über das Wetter reden oder den flotten Schnitt der Schiri-Uniform mit lobenden Worten versehen. Die Sammersche Wut, mit der Marcelo auf Schiri Stieler losging, war allerdings auch irgendwie nachvollziehbar. Kurz zuvor hatte 96 nämlich das 1:4 gegen Hoffenheim geschluckt, nach einem klaren Foul des Torschützen Roberto Firmino an Marcelo. Was das ohnehin brodelnde 96-Fass zum überlaufen brachte und den Brasilianer dazu veranlasste, Stieler eine wahrscheinlich jenseits aller Sprachgrenzen funktionierende Unflätigkeit entgegenzusammern, die ihm Rot einbrachte. Was dem Brasilianer immerhin die Möglichkeit verschaffte, in den Katakomben mit Mame Diouf über den gemeinsamen Lieblingsfilm zu reden: »Dumm & Dümmer«.

Kai Herdling
Auf der anderen Seite feierte Hoffenheims Kai Herdling sein Tordebüt in der Liga - mit sage und schreibe 29 Jahren. Nachwuchsarbeit, das wurde wieder einmal deutlich, wird in Hoffenheim nach wie vor groß geschrieben und weiterhin auf innovativen Wegen verfolgt, weswegen auch hoffnungsvolle Endzwanziger in Zuzenhausen gefördert und gefordert und tatsächlich noch zu Bundesligaspielern geformt werden. Herdlings Kopfball zum 2:0 war wirklich schulbuchmäßig, genau in den Winkel und zum genau richtigen Zeitpunkt. Aber mal was anderes: Wann ist in Hoffenheim eigentlich das nächste Sichtungstraining für hoffnungsvolle Nachwuchstalente? Und wo können wir uns anmelden?

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