Die 11 des Spieltags

Besser als Kahn?

Ein Torwart von Fortuna Düsseldorf, der Oliver Kahn ärgert, Trainer, die Schiedsrichter ärgern, ein Spielmacher, der sich über sich selbst ärgert. Sonst aber nur gute Laune: Unsere 11 des Spieltags!

Fabian Giefer
Ob Oliver Kahn schon Druck verspürt? Schließlich hält der ehemalige Bayern-Titan den Rekord für die wenigsten Gegentore in einer Bundesliga-Saison (21). Doch ausgerechnet der Torwart von Aufsteiger Fortuna Düsseldorf, Fabian Giefer, ist auf dem besten Wege, Kahn diesen Triumph streitig zu machen. Weil er auch gegen Fürth keinen Treffer kassierte, ist Giefer inzwischen seit 440 Bundesligaminuten ohne Gegentor – 440, weil er am dritten Spieltag nach 80 Minuten verletzt ausgewechselt werden musste. Rechnet man das ebenfalls gegentorlose DFB-Pokalspiel dazu, ist Giefer sogar seit 530 Pflichtspielminuten ungeschlagen. Der Mann wird uns langsam unheimlich.

Bamba Anderson
Brasilianische Abwehrspieler waren vor 20 Jahren noch so gefragt wie abgelaufene Milch. Inzwischen machen die Klubs keinen Unterschied mehr zwischen Torwart, Innenverteidiger oder Mittelstürmer – jeder will einen Brasilianer haben! Auch die Eintracht aus Frankfurt hat ihren Exoten aus dem Land des fünfmaligen Weltmeisters. Bamba Anderson heißt der und war beim furiosen 3:3 des Aufsteigers gegen Dortmund eine der Hauptfiguren. Erst fälschte der Innenverteidiger einen Schuss von Dortmuns Piszczek unglücklich zum 0:1 ab, dann ließ er sich vor dem 2:3 von Mario Götze vernaschen und schließlich stieg er selbst in die Luft und drückte den Ball zum 3:3-Endstand ins Tor von Roman Weidenfeller. Kommentator Wolff Fuss adelte den 1,88 Meter-Mann mit warmen Worten: »Wenn er ins Laufen kommt, kann ihn niemand stoppen!«

Julian Draxler
Schalkes Edelstein hat so seine Momente. Mal stolpert der junge Mann wie ein angeschossener Hirsch über den Platz, mal spurtet er so elegant über den Rasen, dass man ihm die Worte von Homer Simpson in den Mund legen möchte: »Ihr könnt rennen, aber ihr könnt nicht gleiten!« Gegen den FSV Mainz glitt Draxler vor dem 3:0 von den Mittellinie bis zum Mainzer Tor wie ein Hovercraft auf stiller See, quasi im Vorbeigleiten hatte Draxler dabei zwei Gegner ausgetanzt. Den krönenden Abschluss, das Tor, hatte er sich also redlich verdient. Doch Draxler spielte den Ball kurz vor FSV-Torwart Wetklo zum Kollegen Pukki, der dann abstauben durfte. Ein Mittelfeldmann, der mal malochen, mal gleiten kann und dazu noch selbstlos ist! Irgendwann werden sie Draxler auf Schalke ein Denkmal bauen, ganz sicher.

Marc André Kruska
Was der Zweitliga-Mann von Energie Cottbus hier zu suchen hat? Nun, Kruska musste eine schmerzhafte Niederlage einstecken, ohne die Möglichkeit, sich dagegen wehren zu können. Bislang war es Kruska, der mit 19 Jahren und 113 Tagen den Rekord für den jüngsten Spieler mit 50 Bundesligaspielen hielt. Seit Dienstag hat ihn Julian Draxler mit seinen 19 Jahren und fünf Tagen überholt. Für alle Statistikfreunde die weiteren Plätze: 3. Charly Körbel (19 Jahre, 154 Tage), 4. Mario Götze (19 Jahre, 176 Tage), Rüdiger Abramczik (19 Jahre, 193 Tage).

Leon Andreasen
Es war das Comeback der neuen Saison: Die Rückkehr von Hannovers Leon Andreasen ins zentrale Mittelfeld und damit zurück ins Rampenlicht. 28 Monate lang hatte der Däne keinen Fußball spielen können, umso erstaunlicher wurden seinen großartigen Leistungen in Hannovers Zentrale wahrgenommen. Beim 4:1-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg musste Andreasen nach zehn Minuten ausgewechselt werden. Wegen einer Knieverletzung. Die genaue Diagnose steht noch aus. Das kann der Fußballgott doch nicht ernst meinen, oder?

Christian Streich
Freiburgs Trainer ist ein Unikat. Ein manchmal etwas wunderlicher Kerl, der Fußball lebt, atmet, zur Not auch raucht. Einer, der so spricht, wie ihm die Schnauze gewachsen ist. Dafür lieben sie ihn in der Bundesliga, nicht nur in Freiburg. Nach dem schmerzhaften 1:2 gegen Werder Bremen lief Streich allerdings dermaßen heiß, dass er nun mit einer Strafe rechnen muss. Statt Handschlag für Schiedsrichter Kinhöfer maulte der Freiburger so lange am Unparteiischen rum, dass der den Monolog unter »Besondere Vorkommnisse« im Spielbericht vermerkte.

Jürgen Klopp
Jürgen Klopp kann sehr gut gewinnen und sehr schlecht verlieren. Eine Eigenschaft, die für den Job als Leistungssportler, bzw. Trainer von Leistungssportlern zwingend notwendig ist. Was Klopps Ausraster nach oben und unten so spektakulär machen, ist seine beeindruckende Mimik. Während beispielsweise Thomas Schaaf für rasende Wut oder unbändige Freude ein- und denselben Gesichtsausdruck hat, kann Dortmunds Meistercoach sein Gesicht so kunstvoll verziehen wie Jim Carrey. Das 3:3 gegen den Aufsteiger aus Frankfurt hat Klopp zur Abwechslung mal wieder zur Weißglut gebracht. Er fletschte die Zähne wie ein Werwolf nach acht Wochen Joghurt-Diät, riss die Augen auf und bedrängte so lange den vierten Unparteiischen, dass er schließlich vom Platz geschmissen wurde – drei Sekunden vor dem Abpfiff. Muss man auch erstmal schaffen.

Rafael van der Vaart
89 Minuten waren gespielt, als Rafael van der Vaart den Platz verließ. Da führte der HSV noch mit 2:1 gegen Borussia Mönchengladbach, van der Vaart hatte zwar einen Elfmeter verschossen (in der 55. Minute), dafür ein wunderschönes Volleytor erzielt (in der 23. Minute). Zweifellos hatte der kleine Holländer dem Spiel seinen Stempel aufgedrückt. Sogar die Gladbacher applaudierten artig. Zwei Minuten später musste sich der Gladbacher Anhang erneut die Hände wundklatschen, es gab was zu feiern: Alvaro Dominguez hatte den späten Ausgleich erzielt. Und Rafael van der Vaart? War plötzlich nicht mehr der große Held mit dem kleinen Knick in Minute 55, sondern der tragische Held. »Der Elfmeter war einfach schlecht geschossen«, gab der HSV-Spielmacher anschließend tapfer zu Protokoll und verschwand in der Kabine. Liebe HSV-Fans: Schade um die drei Punkte, aber ihr habt endlich wieder einen echten Führungsspieler. Glückwunsch dazu.

Aaron Hunt
Neben dem Begriff »Schönwetterspieler« müsste in jedem Lexikon dieser Welt eigentlich ein Foto von Aaron Hunt auftauchen. Der Bremer Linksfuß besitzt ein außergewöhnliches Talent, dass er in den vergangenen Jahren allerdings immer nur dann gezeigt hat, wenn seine Mannschaft ohnehin mit Vollgas über die Siegerstraße bretterte. Nein, ein Führungsspieler, der den Karren aus dem Dreck zieht, wird Aaron Hunt wohl nicht mehr. Mit seinem Tor zum wichtigen 2:1-Sieg gegen den SC Freiburg hat der Bremer gestern jedoch bewiesen, dass er nicht mehr nur das 3:0, 4:0 oder 5:2 schießen kann, er besitzt jetzt auch die Nerven alleine vor des Gegners Kasten eiskalt abzuschließen. Für Werder-Fans ist das eine großartige Erkenntnis.

Claudio Pizarro
Wer hätte schon damit gerechnet, dass dieser so ulkig grinsenden Stürmer Bundesliga-Geschichte schreiben würde, als er 1999 von Alianza Lima zu Werder Bremen wechselte? Doch Claudio Pizarro hat dem deutschen Ligafußball seinen Stempel aufgedrückt. Und dass, obwohl er 2007 bis 2008 untreu wurde und für den FC Chelsea auf Torejagd ging. Giovane Elber als besten ausländischen Bundesliga-Torschützen hat er längst überholt: Elber hat 133 Treffer erzielt, Pizarro bis heute 160. Mit seiner Einwechslung am Dienstag gegen den VfL Wolfsburg hat Pizarro eine weitere Schallmauer durchbrochen. Als er nach 79 Minuten für Mandzukic auf den Platz kam, machte er das 337. Bundesligaspiel seiner Karriere, Zé Roberto und Levan Kobiashivili (je 336) sind abgehängt. Wir gratulieren.

Joselu
Sechs Millionen Euro für einen Spieler von Real Madrid Zwo? Die Verpflichtung des spanischen Offensivmannes Joselu zur TSG Hoffenheim hat vor der Saison für viel Kopfschütteln gesorgt und die Frage aufgeworfen, wo eigentlich all die tollen Jugendspieler bleiben, die TSG-Mäzen Dietmar Hopp vor vielen Jahren versprochen hatte. Mit seinem hübschen Tor zum 2:0 gegen den VfB Stuttgart (Endstand: 3:0) hat der teure Neuling gestern zumindest ein paar kritische Stimmen übertönen können. Nette Randnotiz: In Stuttgart ist Joselu einst zur Welt gekommen. Man sieht sich eben immer zweimal.

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