22.05.2012

DFB-Sportgericht: Relegationsspiel wird nicht wiederholt

Pro & Contra: Steigt Hertha BSC zu Recht ab?

Hertha ist abgestiegen, die Fortuna erstklassig, entscheidet das DFB-Sportgericht. Wie ist dieses Urteil zu bewerten? Pro und Contra.

Text:
Alex Raack und Benjamin Kuhlhoff
Bild:
Imago

Pro: Korrekte Entschiedung

Siebeneinhalb Stunden Verhandlungszeit. Sie haben sich schwer getan, die Herren vom DFB-Sportgericht. Letztlich haben sie aber eine richtige Entscheidung gefällt. Das Rückspiel in der Relegation zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt, die Kosten für das Gerichtsverfahren tragen die Berliner, die durch dieses Urteil abgestiegen sind. So jedenfalls das Urteil des Sportgerichts. Denn die Verantwortlichen von Hertha BSC haben bereits Berufung eingelegt und ziehen nun vor das DFB-Bundesgericht.

Richtig ist die Entscheidung des Sportgerichts aber auch deshalb, weil die Kette der ohne Frage unrühmlichen Ereignisse von Fans aus dem Gästeblock ausgelöst worden waren. Weil die Hertha-Fans wie im Wahn Bengalos und Leuchtraketen in den Innenraum warfen und zündeten, rückte die versammelte Ordnerschaft und Polizei im Stadion vor den kleinen Block hinter der Eckfahne. Als dann die ersten Fans auf Höhe der Mittellinie unbehelligt von den Tribünen stiegen und damit eine Kettenreaktion auslösten, war niemand mehr da, der sie daran hindern konnte. Bestrafung verdient Fortuna Düsseldorf also lediglich für die unzureichende Organisation seiner Sicherheitskräfte – eine dreiteilige Polizeikette plus Ordner hätte es trotz der aggressiven Minderheit im Hertha-Block nicht gebraucht. Die zu erwartende Geldstrafe will sich der Verein von seinen Fans zurückholen.

Die Berliner haben die Geschehnisse arg dramatisiert

Niemand, der es nicht schon einmal erlebt hat, wird nachvollziehen können, wie es den Berliner Fußballern und Funktionären bei dem Platzsturm ergangen ist. Dass die Spieler tatsächlich »Todesängste« ausstehen mussten, sorgte allerdings selbst bei den anwesenden Berlinern für Verwunderung. Schließlich waren es nicht bis an die Zähne bewaffnete Schwerverbrecher, die auf den Rasen rannten, sondern stinknormale Fußballfans, die vor lauter Aufstiegseuphorie die Gunst des Augenblicks für einen Platzsturm ein paar Minuten zu früh nutzten – ohne dabei im Blutrausch über die Absteiger aus Berlin herzufallen. So sah es auch das Sportgericht. Der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz stellte fest, dass »kein Berliner Spieler von den Düsseldorfer Fans angegriffen oder verletzt worden« ist. Ergo: »Der Nachweis der Schwächung von Berliner Spielern ist nicht geführt.« Und auch die Aussage von Schiedsrichter Wolfgang Stark, dem das Sportgericht bescheinigte »jederzeit regelkonform« gehandelt zu haben, lässt vermuten, dass die Berliner die tatsächlichen Geschehnisse doch arg dramatisieren. »Wenn man unmittelbar nach dem Schlusspfiff so massiv und gezielt auf das Schiedsrichterteam losgehen kann, stellt sich die Frage nicht, ob die Spieler Todesängste ausgestanden haben«, so Stark.

Fortuna Düsseldorf ist der verdiente Sieger dieses Relegationsspiels. Aus sportlicher Sicht allemal. Und nun auch am viel zitierten »Grünen Tisch«. Das haben die Entscheider beim DFB-Sportgericht mit ihrer kurzen Stellungnahme zu Gunsten von Fortuna deutlich gemacht. Und doch ist die endgültige Entscheidung vertagt. Es ist bedauerlich, dass Herthas Verantwortliche die nächste juristische Geheimtür suchen, statt sämtliche Energien für einen Neuanfang in der 2. Bundesliga zu bündeln. Erstligatauglich wird man zum Glück noch immer auf dem Platz. Bisher jedenfalls.

Contra: Falsche Entscheidung

 
 
 
 
 
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