DFB-Sportgericht: Relegationsspiel wird nicht wiederholt

Pro & Contra: Steigt Hertha BSC zu Recht ab?

Hertha ist abgestiegen, die Fortuna erstklassig, entscheidet das DFB-Sportgericht. Wie ist dieses Urteil zu bewerten? Pro und Contra.

Pro: Korrekte Entschiedung

Siebeneinhalb Stunden Verhandlungszeit. Sie haben sich schwer getan, die Herren vom DFB-Sportgericht. Letztlich haben sie aber eine richtige Entscheidung gefällt. Das Rückspiel in der Relegation zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt, die Kosten für das Gerichtsverfahren tragen die Berliner, die durch dieses Urteil abgestiegen sind. So jedenfalls das Urteil des Sportgerichts. Denn die Verantwortlichen von Hertha BSC haben bereits Berufung eingelegt und ziehen nun vor das DFB-Bundesgericht.

Richtig ist die Entscheidung des Sportgerichts aber auch deshalb, weil die Kette der ohne Frage unrühmlichen Ereignisse von Fans aus dem Gästeblock ausgelöst worden waren. Weil die Hertha-Fans wie im Wahn Bengalos und Leuchtraketen in den Innenraum warfen und zündeten, rückte die versammelte Ordnerschaft und Polizei im Stadion vor den kleinen Block hinter der Eckfahne. Als dann die ersten Fans auf Höhe der Mittellinie unbehelligt von den Tribünen stiegen und damit eine Kettenreaktion auslösten, war niemand mehr da, der sie daran hindern konnte. Bestrafung verdient Fortuna Düsseldorf also lediglich für die unzureichende Organisation seiner Sicherheitskräfte – eine dreiteilige Polizeikette plus Ordner hätte es trotz der aggressiven Minderheit im Hertha-Block nicht gebraucht. Die zu erwartende Geldstrafe will sich der Verein von seinen Fans zurückholen.

Die Berliner haben die Geschehnisse arg dramatisiert

Niemand, der es nicht schon einmal erlebt hat, wird nachvollziehen können, wie es den Berliner Fußballern und Funktionären bei dem Platzsturm ergangen ist. Dass die Spieler tatsächlich »Todesängste« ausstehen mussten, sorgte allerdings selbst bei den anwesenden Berlinern für Verwunderung. Schließlich waren es nicht bis an die Zähne bewaffnete Schwerverbrecher, die auf den Rasen rannten, sondern stinknormale Fußballfans, die vor lauter Aufstiegseuphorie die Gunst des Augenblicks für einen Platzsturm ein paar Minuten zu früh nutzten – ohne dabei im Blutrausch über die Absteiger aus Berlin herzufallen. So sah es auch das Sportgericht. Der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz stellte fest, dass »kein Berliner Spieler von den Düsseldorfer Fans angegriffen oder verletzt worden« ist. Ergo: »Der Nachweis der Schwächung von Berliner Spielern ist nicht geführt.« Und auch die Aussage von Schiedsrichter Wolfgang Stark, dem das Sportgericht bescheinigte »jederzeit regelkonform« gehandelt zu haben, lässt vermuten, dass die Berliner die tatsächlichen Geschehnisse doch arg dramatisieren. »Wenn man unmittelbar nach dem Schlusspfiff so massiv und gezielt auf das Schiedsrichterteam losgehen kann, stellt sich die Frage nicht, ob die Spieler Todesängste ausgestanden haben«, so Stark.

Fortuna Düsseldorf ist der verdiente Sieger dieses Relegationsspiels. Aus sportlicher Sicht allemal. Und nun auch am viel zitierten »Grünen Tisch«. Das haben die Entscheider beim DFB-Sportgericht mit ihrer kurzen Stellungnahme zu Gunsten von Fortuna deutlich gemacht. Und doch ist die endgültige Entscheidung vertagt. Es ist bedauerlich, dass Herthas Verantwortliche die nächste juristische Geheimtür suchen, statt sämtliche Energien für einen Neuanfang in der 2. Bundesliga zu bündeln. Erstligatauglich wird man zum Glück noch immer auf dem Platz. Bisher jedenfalls.

Contra: Falsche Entscheidung

Nun also doch, die alte Dame Hertha BSC muss nach dem Skandalspiel von Düsseldorf den Weg in die zweite Liga antreten. Kein Wiederholungsspiel, urteilte DFB-Sportgericht in einer Sitzung, die heute um 15 Uhr ihr langersehntes Ende fand. Gut so, sagen einige. Gut so, dass die Emotionen am Ende über die Paragraphen gesiegt haben. So ist er nun mal, der Fußball.

Aber ist der Richterspruch wirklich richtig? Nein, denn am Ende hat sich der DFB durch diese Entscheidung ins eigene Fleisch geschnitten, führt er doch die verbandsinternen Maßstäbe zur Bestrafung und zum Freispruch immer weiter ad absurdum. Was muss denn nun passieren, damit ein Spiel abgebrochen oder zumindest im Nachhinein für nichtig erklärt wird? Was genau stellt sich der Verband unter einem massiven Störung in das Spielgeschehen vor? Ein Bierbecher kann da schon genügen, ein Platzsturm von tausenden glücksbesoffenen Fortuna-Fans und damit ein unbestritten schwerer Eingriff in den korrekten Ablauf einer so wichtigen der Partie aber nicht.

Was ist noch erlaubt? Und was nicht?

Fakt ist, dass die Fanmassen rund um das Spielfeld eine faire und reguläre Weiterführung des Spiels nicht mehr zugelassen haben. Und es ist sicher auch nicht abzustreiten, dass es ein Spieler in diesen Tagen auch durchaus mit der Angst bekommen kann, wenn im die Anhänger des gegnerischen Vereins derart zu Leibe rücken. In dieser Atmosphäre war ein Spiel unter normalen Umständen schlichtweg unmöglich. Der DFB hingegen entscheidet sich für das Gegenteil. Das Spiel sei zwar aus dem Ruder gelaufen, heißt es, die Umstände aber durchaus regulär gewesen. Und im Endeffekt waren die Düsseldorfer Zuschauer auch nur für die dritte Unterbrechung verantwortlich, der Rest ging auf die Kappe des Hertha-Anhangs. Pech gehabt, kein Wiederholungsspiel.

Das ist vor allem bitter für Herha BSC, der als Ironie des Ganzen auch noch die Prozesskosten zu tragen hat. Was indes bleibt ist die Frage, wie der DFB in Zukunft in diesen Fragen zwischen Strafe und Milde urteilen will. Gerade in Zeiten, in denen der Fan immer mehr zum Feindbild des Fußballs hochstilisiert wurde, braucht es klare und transparente Regeln, um ein dermaßen absurdes Verfahren wie dieses zu verhindern. Was darf der Fan? Was darf er nicht? Und auf welchen Schutz können sich die Spieler überhaupt noch verlassen? Und wann darf ein Schiedsrichter ein Spiel abbrechen?

Wird aber weiterhin mit zweierlei Maß gemessen, so wird am Ende der Alptraum aller Fußballfans wahr: Spiele werden in endlosen Verhandlungen am Grünen Tisch entschieden und nicht mehr auf dem Platz. Ein kleiner Vorgeschmack steht uns nun bereits bevor: Die Hertha hat Einspruch gegen die DFB Entscheidung eingelegt. Am Mittwoch wird vor dem DFB-Bundesgericht weiter verhandelt.

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