23.06.2012

DFB-Elf gewinnt verdient gegen Griechenland

Husch, husch ins Halbfinale

Joachim Löw setzt gegen Griechenland auf Schnelligkeit, stellt die deutsche Nationalmannschaft um und wird mit einem 4:2-Sieg belohnt.

Text:
Michael Rosentritt
Bild:
Imago

Als die deutsche Kanzlerin gestern Abend aus ihrer Sitzschale im Bernsteinstadion zu Danzig hochfederte und an der Seite von Europas Fußballboss Michel Platini ziemlich ausgelassen jubelte, waren die Griechen das erste Mal bezwungen. Philipp Lahm hatte kurz vor dem Halbzeitpfiff die deutsche Fußballnationalmannschaft mit seinem Schuss von der Strafraumgrenze in Führung gebracht. Die Bundeskanzlerin durfte noch drei weitere Male jubeln, am Ende stand ein nicht nur von Angela Merkel heftig beklatschter 4:2 (1:0)-Sieg der Deutschen über Griechenland.

»Wir haben es versäumt, aus unseren Chancen am Anfang Tore zu machen, aber es war klasse, wie die Mannschaft reagiert hat nach dem Ausgleich«, sagte Bundestrainer Joachim Löw. »Es war der Tag der Veränderungen heute. Es war heute reif. « Deutschland hat damit bei seiner elften EM-Teilnahme zum achten Mal das Halbfinale erreicht. Am Sonntag wird sich im Spiel zwischen Italien und England entscheiden, gegen wen die deutsche Mannschaft im Halbfinale am kommenden Donnerstag in Warschau trifft.

Ballbesitzquote: 70 Prozent

Joachim Löw hatte sich für eine große Rotation entschieden und seine Mannschaft auf gleich vier Positionen verändert. Vor allem betraf das die Offensive: Löw setzte hier auf eine neue Taktik, in dem er vor allem seine beiden schnellsten Spieler im Team, Marco Reus und André Schürrle, die rechte beziehungsweise linke Außenbahn anvertraute. Für sie war es nach Kurzeinsätzen ebenso ihr Startelfdebüt bei diesem Turnier wie für Miroslav Klose, der als kombinationsstärkerer Stürmer den Vorzug vor Mario Gomez erhielt. Zudem kehrte Jerome Boateng nach seiner Gelbsperre in die Abwehr zurück. So aber blieben in Gomez (3 Tore), Lukas Podolski (1) und Lars Bender (1) die drei deutschen Turnierschützen draußen, Thomas Müller nahm ebenso auf der Ersatzbank Platz.

Löws Taktik sollte sich als richtig erweisen. Im Minutentakt huschten die schnellen Schürrle und Reus durch die dichtgestaffelten Reihen der Griechen. Immer wieder brachte der wie aufgedreht spielende Mesut Özil sie in Position. Einmal umkurvte er dabei gleich drei Griechen, die dabei wie Säulen wirkten. Eine der besten Gelegenheiten der Frühphase vergab Reus nach gut zehn Minuten, sein Schuss ging knapp drüber. Die deutsche Abwehr bekam so gut wie nichts zu tun in der ersten Hälfte, es sei denn, Bastian Schweinsteiger, der anfangs schwerfällig und nervös wirkte, brachte sie durch unnötige Ballverluste ins Spiel. Davon unterliefen ihm in der ersten Hälfte fünf, später fing er sich.

Umso besser funktionierte dafür das Offensivspiel, was anstrengend genug war gegen den Verhinderungsfußball der griechischen Prägung, die Ballbesitzquote der Elf von Joachim Löw erreichte 70 Prozent. Wenn es etwas auszusetzen gab, dann war es zunächst die Chancenverwertung. Zwischen der zwanzigsten und 35. Minute wurden fünf Chancen vergeben, die beste von Özil, erst Lahms schöner Distanzschuss brachte das lange fällige 1:0.

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