Deutschland und die erste WM

Für ein Glas Orangensaft

Nicht mehr lange bis zum Start der WM 2014. Wir blicken zurück auf die allererste Teilnahme einer deutschen Mannschaft beim Weltturnier: Heute vor 80 Jahren begann die Weltmeisterschaft 1934.

Deutschland und die erste WM

Eine italienische Gräfin? Willibald Kreß ist leider nicht mehr in der Lage sich auf Nachfrage von 11FREUNDE für den ungeheuren Vorwurf seines Mitspielers Edmund Conen zu rechtfertigen. Der hatte nach dem verlorenen WM-Halbfinale gegen die Tschechoslowakei bedeutungsschwanger gemault, eine »italienische Gräfin« habe dem deutschen Torwart wohl den Kopf verdreht. Anders sei dessen katastrophale Leistung nicht zu erklären. Kreß ist längst tot, wie auch Edmund Conen und alle anderen, die bei der ersten WM-Teilnahme einer deutschen Mannschaft 1934 mit dabei waren. Die italienische Gräfin wohl auch. Aber fangen wir noch mal von vorne an.

Das faschistische Italien lud 1934 zur zweiten Fußball-Weltmeisterschaft, »Duce« Mussolini hatte es schließlich so gewollt und wer wollte in den dreißiger Jahren schon einem europäischen Diktator widersprechen? Klar, dass auch die Freunde aus dem deutschen Nazi-Reich mit auf der Teilnehmerliste stehen mussten. Ganz kampflos durften die Deutschen allerdings nicht über den Brenner reisen. Das einzige (und entscheidende) Qualifikationsspiel hätten sich die Verantwortlichen aber auch sparen können: Mit 9:1 fertigte die Mannschaft von Otto Nerz Luxemburg ab, das lockere Trainingsspiel genügte, um Deutschland als WM-tauglich einzustufen.

Ein Glas Orangensaft – pro Tag und Mann

Otto Nerz. Ein strenger Fußball-Lehrer von der Schwäbischen Alb, stets bewaffnet mit Trillerpfeife und doch etwas merkwürdigen Ratschlägen für seine Mannschaft. Um sich an die Hitze in Italien zu gewöhnen, verordnete Nerz im Trainingslager am Comer See ein Glas Orangensaft – pro Mann und Tag. Die Spieler drohten schon zu verdursten, da setzte sich Mannschaftskapitän Fritz Szepan zu einem ernsten Gespräch mit dem Nationaltrainer an einen Tisch – und handelte ein zweites Glas aus.

Nerz, der den gegen seine kruden Methoden rebellierenden Co-Trainer Sepp Herberger dazu verdonnert hatte in der Heimat zu bleiben, zeichnete sich auch sonst nicht wirklich als großer Menschenfreund aus. Nicht nur, dass er seinen Spielern lediglich lausige fünf Reichsmark Spesengeld pro Tag gestattete, er brachte auch noch die Spielerfrauen gegen sich auf. Das WM-Quartier Cernobbio am Comer See hielt Nerz so lange geheim, dass die »Fußball-Woche« noch nach dem ersten Spiel rätseln musste, wo denn nun die deutschen Kicker untergebracht seien: »Höchstwahrscheinlich an einem der oberitalienischen Seen.« Und Torwart Hans Jakob hatte den undankbaren Job seine eigene Frau zu belügen: »Nicht mal ihr durfte ich erzählen, wo wir sind.«

Sportlich konnten Spieler und Ehefrauen dem gestrengen Herrn Nerz allerdings wenig vorwerfen. Die deutschen WM-Debütanten (mit einem Durchschnittsalter von 23,4 Jahren noch immer das jüngste deutsche WM-Team aller Zeiten) gewannen gegen Belgien das erste WM-Spiel der Verbandsgeschichte. Auch wenn der 5:2-Erfolg im Achtelfinale anschließend als schmeichelhaft abgetan wurde, der Start war geglückt.

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