Deutschland nach 1:0-Sieg gegen Frankreich im Halbfinale

In der Hitze von Rio

Die deutsche Nationalmannschaft steht erneut im Halbfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Ein frühes Tor von Mats Hummels reicht gegen Frankreich. Den Rest erledigt eine starke Defensive um Torwart Manuel Neuer.

imago

Die Minimalisten sind wieder da. Mit einer aus alten Zeiten bekannten Effektivität ist die deutsche Nationalmannschaft ins Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft eingezogen. Es reichten dazu viel Geduld, solide Abwehrarbeit und ein frühes Tor, der Dortmunder Mats Hummels erzielte es mit dem Kopf zum 1:0 (1:0) über Frankreich. Zum vierten Mal in Folge stehen die Deutschen damit im Halbfinale eines großen Turniers. Hohe Fußballkunst aber war es nicht, was sie vor 74.240 Zuschauern im Maracana von Rio de Janeiro zustande brachten. Wie schon im Achtelfinale gegen Algerien stand der ästhetische Anspruch im Schatten des Ergebnisses.

Wer aber wollte sich daran stören, so lange die Reise nur weitergeht. Zunächst am Dienstag zum Halbfinale nach Belo Horizonte, danach vielleicht noch einmal am 13. Juli zum Endspiel ins Maracana.

60 Jahre nach dem Wunder von Bern (allerdings auch acht Jahre nach der WM-Halbfinalniederalge von Dortmund gegen Italien) hatte Joachim Löw sein System umgestellt. Es kam nicht ganz unerwartet, dass er vom zuletzt praktizierten 4-3-3 abrückte und ein 4-2-3-1 spielen ließ,  mit Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira als Doppelsechs und  Miroslav Klose. Überraschender war schon, dass der Bundestrainer des Experiment mit Philipp Lahm im zentralen Mittelfeld beendete und den Kapitän wieder auf seine alte Position als rechten Verteidiger stellte. Und nahezu sensationell für den sonst eher bedächtigen verdienten Strategen gegenüber loyalen Löw wirkte der neuerliche Umbau im Zentrum der Viererkette.

Wie schon beim 2:1 über Algerien ging eine der beiden Planstellen an Jerome Boateng, die andere an den von seiner Erkältung genesenen Mats Hummels. Für Per Mertesacker, seit bald zehn Jahren eine Konstante im deutschen Abwehrzentrum, blieb nur ein Platz auf der Ersatzbank. Vielleicht hatte er nach dem Algerien-Spiel ein bisschen zu lang in der Eistonne gelegen. Es blieb beim kompletten Revirement der Defensive nur eine Konstante bei dieser WM, nämlich Benedikt Höwedes auf der Position des linken Verteidigers. Das hätte  vor der Reise nach Brasilen wohl auch niemand erwartet.

Joachim Löw verzichtet auf Mertesacker und stellt Lahm nach hinten rechts

Der Harmonie und Sicherheit taten die vielen Umstellungen erst einmal nicht so gut. Erst fand Mathieu Valbuenas Pass in der Mitte Karim Benzema, dessen Schuss knapp am Tor vorbei ging. Als nächster suchte Antoine Griezmann, den bulligen Benzema, aber Mats Hummels bekam noch ein Bein dazwischen. Der Dortmunder war dann auch bei der nächsten gefährlichen Situation beteiligt. Dieses Mal allerdings im anderen Strafraum, und höchst erfolgreich.

Toni Kroos hatte einen Freistoß aus dem linken Halbfeld in die Mitte geschlagen, direkt in den Lauf des aufgerückten Hummels. Patrice Evra und Mamadou Sakho waren sich nicht einig, wer denn eingreifen sollte. Also blieben  vorsichtshalber beide stehen und schauten zu, wie ihr Kollege Raphael Varane den Kopf einzog und Hummels den Ball mit der Stirn unter die Latte wuchtete, unhaltbar für Hugo Lloris im französischen Tor.

Es lässt sicher schwerlich behaupten, dass dieses frühe Führungstor sich angedeutet hatte. Das »Allez les bleus!« verstummte auf den Rängen, aber unten auf dem Rasen fanden die Franzosen recht schnell zurück zu ihrem Spiel. Die deutsche Mannschaft hatte zwar mehr Ballbesitz, wollte die Kontrolle über das Spiel aber vor allem über eine Verschleppung des Tempos erlangen. Dafür war die Fehlerquote bemerkenswert hoch. Schweinsteiger und Khedira waren schon mal ballsicherer,  Toni Kroos’ Auftritte hatten zu Beginn der WM mehr Esprit, Mesut Özil blieb abermals unter seinen Möglichkeiten. Und in der Defensive taten sich die Deutschen sehr schwer, Karim Benzema in den Griff zu bekommen.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier rechtes Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder die Diskussion einen unschönen Ton annimmt, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen!