Deutschland-Brasilien: Was war denn da los?

Die Analyse des Nicht-Analysierbaren

Es war kein Traum, auch nach dem Aufwachen bleibt das Ergebnis dasselbe: Deutschland besiegt Brasilien mit 7:1. Im Halbfinale. Einer Fußball-Weltmeisterschaft. Der Versuch einer Taktikanalyse.

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Einmal drüber geschlafen, und doch ist es immer noch wahr. Dabei hat es sich doch wie ein Traum angefüllt. Sieben zu Eins, das ist eigentlich ein Fußballergebnis längst vergangener Tage, als Teams noch mit acht Stürmern antraten und Begriffe wie taktische Disziplin oder Viererkette Fremdwörter waren. Und doch ist es geschehen, im Fußballjahr 2014, in dem ein 3:0 oder ein 4:0 bereits als Demontage gelten. Bleibt die Frage: Lässt sich solch eine freakige Laune der Fußballgeschichte erklären oder gar analysieren?

Brasilien wild und ungezähmt

Zumindest die ersten 20 Minuten lassen sich halbwegs rational begreiflich machen, als der Wahnsinn noch nicht vollkommen die Kontrolle über den Spielverlauf übernahm. Brasilien vertraute auf die 4-2-3-1-Formation, die sie ins Halbfinale geführt hatte. Die Ausfälle des gesperrten Abwehrchefs Thiago Silva und des verletzten Neymars fing Felipe Scolari ohne Wechsel der grundlegenden Taktik auf. Seine Mannschaft spielte weiterhin ein hohes Pressing, wobei vor allem Linksverteidiger Marcelo und Sechser Fernandinho weit vorstießen.


Mit diesem wilden Pressing konnte Brasilien seinen Gegnern bislang ein schnelles Spiel und viele lange Bälle aufzwingen. Deutschland allerdings umspielte dieses Pressing wesentlich geschickter als die bisherigen Teams. Hummels und Boateng suchten nach Ballgewinnen sofort Schweinsteiger, der den Ball klug abschirmte.

Khedira als Schlüsselspieler

Schweinsteiger wiederum leitete den Ball auf Khedira weiter. Damit nutzte Deutschland die Lücken des brasilianischen Systems. Diese teilten sich recht rigoros in fünf offensiv attackierende und fünf defensiv absichernde Spieler ein. Da aber Luiz Gustavo oft als Linksverteidiger für Marcelo absichern musste, tat sich eine Lücke auf seiner Position des halblinken Sechsers auf. Khedira stieß immer wieder in diese Lücke und sorgte damit für eine Anspielstation im Umschaltmoment.

Brasilien agierte damit nicht weniger riskant als in den vergangenen Spielen. Nur: Die Abwehr konnte ohne ihren Star Thiago Silva die gegnerischen Vorstöße nicht abfangen. Thiago Silva ist ein Meister der Antizipation, der gegnerische Pässe bereits ahnt, bevor sie gespielt werden. Dante und David Luiz sind ebenfalls Weltklasse-Verteidiger, die aber ihre Stärken in der Viererkette und nicht im Herausrücken haben. Deutschland konnte immer wieder ohne Druck den Raum vor der brasilianischen Abwehr bespielen.

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