Deutscher Schiedsrichter in der Kritik

Stark angefangen, stark nachgelassen

Kroatien ist bei der EM ausgeschieden. Den Schuldigen dafür hatte das Team von Trainer Slaven Bilic schnell ausgemacht. Der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark verweigerte den Kroaten im Spiel gegen Spanien (0:1) einen eindeutigen Elfmeter und ernetete dafür auch von seinen Kollegen Kritik.

Wolfgang Stark hatte keinen so guten Tag erwischt. Der Deutsche, im herkömmlichen Leben als Bankkaufmann tätig, leitete als Schiedsrichter am Montagabend in Danzig das Spiel zwischen Spanien und Kroatien (1:0), und gab dabei nach allgemeinem Dafürhalten eine schwache Figur ab.

Hauptkritikpunkt war eine Fehlentscheidung gegen Mitte der ersten Halbzeit, als der 42-Jährige auf Eckstoß für Kroatien entschied, obwohl er eigentlich hätte sehen können, wie der Spanier Sergio Ramos im eigenen Strafraum mit gestrecktem Bein Mario Mandzukic in die Parade fuhr. Hier hätte Stark auf Elfmeter für Kroatien entscheiden müssen.

»Wir sind bestohlen worden. Der Blindfisch hat den Elfer nicht gesehen«, sagte der hünenhafte Vedran Corluka, der in der Bundesliga für Leverkusen spielt. Das Medienecho in Kroatien fiel noch verheerender aus. »Schiedsrichter Stark hat Kroatien rausgeworfen«, schrieb am Dienstag „Jutarnji list“. Und im Fernsehsender Nova hieß es: »Kroatien ist tapfer und stolz gefallen: Das war eine Schiedsrichter-Ungerechtigkeit.«

Unangenehm war Stark vor allem auch wegen seines Habitus aufgefallen. Wenn Stark so mit leicht angewinkelten Armen über den Platz stakst, wirkt er immer ein wenig wie ein Halbstarker. Zudem ist sein Auftreten sehr von Gestik und Mimik überlagert. Besonders auffällig ist, wenn er nach einem Pfiff extrem breitbeinig stehend der Ausführung des Freistoßes harrt. Diese Posen brachten dem Deutschen schon einen zweifelhaften Ruf ein. Er sei der Cristiano Ronaldo unter den Schiedsrichtern. Ein solcher Ruf wäre dann noch erträglich, wenn die Leistung stimmen würde, wie bei seinem ersten Auftritt bei dieser EM. Das Spiel zwischen Gastgeber Polen und Russland leitete er souverän. Sein zweiter Auftritt war das Gegenteil davon.

Selbst Lutz Wagner, Regelexperte der Schiedsrichterkommission im Deutschen Fußball-Bund (DFB), kritisierte die Entscheidung Starks, die »durchaus hätte anders entschieden werden können«. Und auch der frühere Weltklasse-Schiedsrichter Urs Meier, der inzwischen als Experte für das ZDF tätig ist, sprach von einer Fehlentscheidung und einem klaren Strafstoß für Kroatien.

»Über den Schiedsrichter möchte ich nicht reden«, sagte hinterher Kroatiens Trainer Slaven Bilic. Jeder habe gesehen, dass es ein Foul an Mandzukic war, er erklärte sich die Entscheidung Starks als »Weltmeister-Bonus«.

Dass Stark im weiteren Verlauf des Spiels auch einen Ellbogenstoß von Mandzukic im eigenen Strafraum gegen Gerard Piqué nicht ahndete, machte die Sache nicht besser. Ob Wolfgang Stark noch einmal eingesetzt wird bei dieser EM, ist nun fraglich.

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