Deutsche Trainer beim Afrika-Cup

In der Hochburg des Voodoo

Voodoo-Zauber, Organisationspannen, Kriechtiere im Zimmer: Ein deutsches Trainer-Trio kämpft vor dem Afrika-Cup in Ghana mit den üblichen Widrigkeiten des Kontinents. Trotzdem hofft jeder von ihnen auf den großen Coup. Imago Berti Vogts mit Nigeria und Otto Pfister mit Kamerun wollen an der Goldküste in die Fußstapfen von Winfried Schäfer treten und am 10. Februar in Accra den Siegerpokal in die Höhe stemmen. "Ganz klar: Wir wollen den Titel, denn wir haben ein starkes Team", erklärte Vogts wenige Tage vor dem Eröffnungsspiel zwischen Ghana und Guinea selbstbewusst.

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Beim Kontinental-Turnier sind auch die Querelen um ausstehende Gehälter und die teils recht chaotische Organisation, die Vogts dazu bewogen hat, sein Engagement in Nigeria in Frage zu stellen, vergessen. Das Geld sei „nun längst überwiesen, seit dem 20. Dezember“, so Vogts.

„Ich liebe Afrika“, bekundet er, doch Probleme mit Hotels, Flügen und Unterkünften trübten die Freude über seine Mannschaft, die „auf Jahre hin nicht zu schlagen wäre, wenn sie wie Deutschland vernünftig organisiert wäre. Da müsste selbst Brasilien aufpassen.“ Um in Ghana dennoch auf Nummer sicher zu gehen, wird unter Anleitung von Routinier Nwankwo Kanu (fünfte Afrika-Cup-Teilnahme) vor jedem Training gebetet.

„Fußball ist hier Religion“

Allerlei Kriechtiere im Hotelzimmer und Flaschenwürfe auf Spieler sind für Otto Pfister hingegen längst nichts Neues mehr. „Das ist eben Afrika. Fußball ist hier Religion. Für mich ist das Normalzustand, die Emotionen kochen schnell hoch“, sagt Pfister. Der 70-Jährige startet in Ghana bereits den vierten Anlauf auf den Titel. 1978 war er mit Burkina Faso dabei, 1988 mit Zaire, 1992 mit dem jetzigen Gastgeber. Vor 16 Jahren versagten Pfisters Spieler Tony Baffoe, langjähriger Bundesliga-Profi und heute Cheforganisator des Turniers, im Finale gegen die Elfenbeinküste im Elfmeterschießen (10:11) die Nerven. Pfister hat die Szene noch genau vor Augen: „Da war ich nah dran. Egal. Kamerun ist eine der großen afrikanischen Fußball-Nationen. Von mir wird hier selbstverständlich Platz eins erwartet.“

Störfeuer kamen unterdessen von einem seiner Amtsvorgänger. Winnie Schäfer, 2002 als bislang einziger Deutscher Afrikameister, sagte dem Weltenbummler ein wenig erfreuliches Turnier voraus. „Er wird von der Mannschaft nicht akzeptiert. Er wurde der Mannschaft vorgesetzt. So ist das in Kamerun: Der Sportminister entscheidet am Ende“, sagte Schäfer. Pfister schert das nicht: „Ich weiß nicht, was der da schon wieder für einen Mist erzählt.“ Denn Pfister weiß aus jahrzehntelanger Erfahrung, wie afrikanische Fußballer ticken und kicken. „Wer mit der deutschen Mentalität ankommt, rennt hier vor die Wand. Ich habe schon viele weinend wieder wegrennen sehen. Ich bin quasi ein Exot, muss die Kultur, das Verhalten und auch die Eigenarten des jeweiligen Landes akzeptieren.“

Die hat auch Reinhard Fabisch, Nationaltrainer Benins, längst kennengelernt. „Ich bin zur Zeit total im Stress. Die Vorbereitungen von Seiten Benins waren chaotisch, und fünf Tage vor dem ersten Spiel gegen Mali waren zwei Spieler immer noch nicht eingetroffen.“

Überhaupt, die Spieler. Im Gegensatz zu vielen anderen Nationaltrainern in Afrika kann Fabisch nicht auf ein Reservoir hochklassiger Europa-Legionäre zurückgreifen. In seiner Mannschaft tummeln sich Spieler aus der 5. Liga in der Schweiz und in Italien, Spieler englischer und französischer Viertligisten und zudem Kicker einheimischer Klubs, die klangvolle Namen wie „Die Büffel“ oder „Die Panther“ tragen. In Benin, einer „Hochburg des Voodoo“ (Fabisch), sollte also besser noch ein wenig gezaubert werden. Denn die Gruppenphase hält für die „Eichhörnchen“, in der Weltrangliste knapp hinter Äthiopien und vor Uganda auf Platz 94 geführt, Duelle mit Geheimfavorit Mali, der Elfenbeinküste und Nigeria bereit.


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