Deutsche Duelle im Europapokal

Dich kenn' ich doch!

Das Champions-League-Finale zwischen dem BVB und den Bayern ist nicht das erste deutsche oder deutsch-deutsche Duell auf europäischer Ebene. Zwischen 1986 und 1998 kam es zu zahlreichen Aufeinandertreffen – auch zu einem CL-Spiel zwischen Bayern und Dortmund. Ein Rückblick.

Deutsch-deutsche Duelle im Europapokalimago

1985/86, Europapokal der Pokalsieger, Viertelfinale:
Dynamo Dresden - Bayer Uerdingen 2:0, 3:7

Vielen gilt es als eines der besten Spiele aller Zeiten. So auch uns. In Heft #63 landete das Rückspiel, auch bekannt als »Wunder von der Grotenburg«, auf Platz 1 im Ranking der »größten Spiele aller Zeiten«. Vom Hinspiel wird dagegen nur wenig gesprochen. Nach zunächst starkem Beginn fielen die Uerdinger nach dem Führungstor durch Lippmann stark ab und hatten Glück, dass Dresden nur noch ein Treffer durch Hans-Uwe Pilz zum 2:0 gelang.

Im Rückspiel schließlich lag die Bayer-Elf zur Halbzeit bereits mit 1:3 zurück und nahm sich lediglich vor, sich mit Anstand aus dem Pokal zu verabschieden.

Bis zur 58. Minute blieb es auch dabei, doch dann brachen alle Dämme. Innerhalb von nur zehn Minuten gelangen den Uerdingern drei Tore gegen den zunehmend verunsicherten Jens Ramme, der in der Halbzeitpause für den verletzten Jakubowski ins Dresdner Tor gegangen war. Nur zwölf Minuten später glückte den Westdeutschen ein weiterer Doppelpack: 6:3 für Uerdingen. Die Besonderheit des Spiels bestand darin, dass die in der Zwischenzeit vollkommen indisponierten Dresdner doch noch einmal zurück ins Spiel fanden und alles nach vorne warfen. Doch Uerdingens Torwart Vollack vereitelte in nur einer Minute drei Großchancen, woraufhin Schäfer nach einem aberwitzigen Solo über 80 Meter zum 7:3 Endstand traf. Der dreifache Torschütze Wolfgang Funkel schluchzte nach dem Spiel: »Mir ist ganz schwindelig vor Glück«



1988/89, Europapokal der Landesmeister, 1. Runde:
Dynamo Berlin - Werder Bremen 3:0, 0:5

Ein weiteres »Wunder« gab es am 11.10.1988 in Bremen zu bestaunen. Nachdem die Hanseaten im Hinspiel in Berlin vor den Augen von Erich Mielke, Günter Schabowski und Willy Brandt 0:3 baden gegangen waren und Willi Lemke von der »Schmach von Berlin« sprach, hatten sie über vier Wochen Zeit, sich auf das Rückspiel vorzubereiten. Der Legende nach hämmerten die Bremer bereits vor Spielbeginn an die Berliner Kabinentür, um den Kontrahenten einzuschüchtern, was offensichtlich auch gelang.

Doch trotz großer Chancen traf nur Kutzop per Elfmeter (!) zum 1:0 Halbzeitstand. Nach dem Wechsel lief es bedeutend besser. Durch einen traumhaften Volleytreffer von Herrmann brach der letzte Widerstand der Ostberliner, und Riedle, Burgsmüller und Schaaf trafen zum 5:0 Endstand. Für Dynamo war es die vorletzte Teilnahme am Europapokal, für Werder das zweite und noch lange nicht letzte »Wunder von der Weser«



1973/74, Europapokal der Landesmeister, Achtelfinale:
FC Bayern - Dynamo Dresden 4:3, 3:3

Die beste Mannschaft des Westens gegen die beste Mannschaft des Ostens: kein Wunder, dass dieses Spiel im Osten zum Klassenkampf hochstilisiert wurde. Schon das Hinspiel in München war eine äußerst enge Angelegenheit, Dresden ging schnell in Führung, geriet dann ebenso schnell mit 1:2 ins Hintertreffen, glich wieder aus und ging kurz vor der Pause sogar erneut in Führung. Doch die Floskeln vom Klassenkampf zeigten ihren wahren Kern: Bayern-Präsident Neudecker verdoppelte in der Pause die Siegprämie auf 10.000 Mark, und die Bayern drehten das Spiel noch durch Tore von Roth und Müller.

Dennoch hatte Dresden eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel im heimischen Stadion.

Die Bayern ahnten wohl bereits, dass sie ein schweres Stück Arbeit erwarten könnte, Neudecker jedenfalls erhöhte die Prämie erneut, auf nun 25.000 Mark. Zunächst schien der Reiz des Geldes wieder seine Wirkung zu entfalten, und die Münchner gingen rasch mit 2:0 in Führung. Doch die Dresdner Anhänger glaubten weiter an ihre Mannschaft und verwandelten das Stadion in einen Hexenkessel, in dem der »Dynamokreisel« dann auch auf Touren kam. Noch vor der Pause schafften die Elbstädter den 1:2-Anschluss, glichen kurz nach Wiederbeginn aus und gingen in der in der 53. Minute sogar mit 3:2 in Führung. Doch die Freude währte nicht lange: die Bayern, die erst kurz zuvor ein 4:7-Debakel in Kaiserslautern erlebt hatten, wo sie ebenfalls in Führung gelegen waren, warfen alles nach vorne und schafften nur vier Minuten später den Ausgleich, den sie bis zum Spielende mit aller Vehemenz, Sepp Maier und einigem Glück verteidigten.




1979/80, UEFA-Cup, Halbfinale:
FC Bayern München - Eintracht Frankfurt 2:0, 1:5 n.V.

Zwei sehr ungleiche Abende erlebten die Zuschauer in den beiden Partien des UEFA-Pokal Halbfinals zwischen dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt. Während sich im Hinspiel im erfolgsverwöhnten München nur rund 14.000 Zuschauer einfanden, die einen eher unspektakulären 2:0 Sieg des haushohen Favoriten nur müde beklatschten, herrschte beim Rückspiel in Frankfurt Tollhaus-Atmosphäre. Kurioserweise befanden sich unter den 50.000 im Waldstadion aber auch 10.000 Bayernfans, und damit beinahe eben so viele wie beim Hinspiel. Während die Eintracht zu Beginn noch sehr kontrolliert gestürmt und das 1:0 erzielt hatte, war die zweite Halbzeit ein einziger Sturmlauf. Doch das so nötige 2:0, das immerhin für die Verlängerung gereicht hätte, wollte und wollte nicht fallen. Zudem kamen die Münchner immer wieder zu gefährlichen Kontern, die aber ebenfalls ungenutzt blieben. In der 83. Minute war es dann endlich soweit, Pezzey bugsierte den Ball über die Linie - und das Waldstadion flippte aus!

In der Verlängerung gelang schließlich das 3:0, doch die Freude über den vermeintlichen Finaleinzug währte nur ganze zwei Minuten, bis Dremmler das 1:3 aus Bayernsicht markierte. Doch getrieben vom Publikum, gab sich die Eintracht noch immer nicht auf und ging in der 107. Minute wieder mit 4:1 in Führung. Die Münchner hatten dem nichts mehr entgegen zu setzen und kassierten schließlich sogar noch das 1:5 durch einen Foulelfmeter von Lorant. Frankfurt stand Kopf und setzte seine Siegesserie im Europacup weiter fort.

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