Deshalb gewann Stuttgart gegen Werder

Huub, der Treue

Stevens macht das, was er schon immer macht, Werder bleibt der Adrenalinjunkie der Liga – fünf Thesen zum 3:2-Sieg der Stuttgarter gegen Bremen.

imago

1.
Stevens ist und bleibt ein Trainer der alten Schule
Huub Stevens ist ein Mann, der die einfachen Dinge schätzt. Der Knurrer aus Kerkrade ist für seine markigen Sprüche und seinem Hang zur stabilen Defensive bekannt. Kaum jemand würde ihn in den Verdacht stellen, ein neumodischer Konzepttrainer zu sein, der mit Modewörtern wie »falsche Neun« oder »diametral abkippender Achter« um sich wirft. Die Taktik seiner Stuttgarter ist dementsprechend nicht bahnbrechend-modern, sondern eher zweckmäßig-pragmatisch. Manche Beobachter sahen zuletzt einen neuen Stevens, der mehr auf Offensive setzte. Doch auch gegen Bremen setzte Stevens auf das altbekannte 4-2-3-1-System, das vor allem mit seinen guten defensiven Mechanismen punktet.

Auch wenn Stevens Team weiter herausrückt als noch zu Beginn der Rückrunde, die Spielweise seiner Mannschaft lässt sich höchstens als »kontrolliert offensiv« charakterisieren. Das muss nichts Schlechtes sein. Gegen Bremen machte seine Mannschaft das, was sie gut kann: Verteidigen im Raum, Angreifen über die Flügel. Stevens bleibt sich im Abstiegskampf treu.

2.
Stuttgarts Spiel ist einseitig – im wahrsten Sinne des Wortes
Es waren eher die kleinen taktischen Mittel, die seinem Team zum Erfolg gegen Bremen verhalfen. Vor allem der starke Fokus auf die linke Seite half den Stuttgartern, mehr Torchancen zu kreieren als zuletzt. Filip Kostic durfte sich an der linken Seitenlinie austoben, während Rechtsaußen Martin Harnik in den Strafraum zog. Flanke Kostic, Direktabnahme Harnik – dieses einfache Mittel wendete Stuttgart in zahllosen Situationen an.

Ein Angriff über die linke Seite führte zum 1:0 – einen anderen schloss Harnik kläglich ab. Dennoch: Stevens einseitiger Plan mit Angriffen über den linken Flügel ging auf – und hätte bei besserer Chancenverwertung noch zu mehr Toren führen können.

3.
Bremens Raute ist entschlüsselt
Trainer Viktor Skripnik startete furios mit seinem Team und führte sie von einem Abstiegsplatz aus ins gesicherte Mittelfeld. Die Mittelfeldraute gepaart mit einem direkten Spiel in die Spitze verwirrte die Gegner und führte Bremen von Erfolg zu Erfolg. Mittlerweile stottert das Bremer Getriebe jedoch. Gerade in der ersten Halbzeit zeigte Bremen nicht den schnellen Fußball, den man vom SVW gewohnt ist. Stattdessen brachen viele Angriffe ab. Fin Bartels, zuletzt starker Verbindungsmann zwischen Mittelfeld und Angriff, hing weitestgehend in der Luft.

Das lag auch an Stuttgarts enger 4-4-2-Verteidigung. Die Mannorientierungen, ein typisches Stevens-Element, sorgten dafür, dass Bremens Mittelfeldspieler stets einen Gegenspieler auf dem Fuß hatten. Statt sich gegenseitig den Raum freizublocken, liefen die Bremer jedoch meist ins Leere. Schnelle Vertikalangriffe, das können die Bremer – ein ruhiges Ballbesitzspiel eher nicht. Dazu fehlten aus dem Mittelfeld auch die Ideen; Zlatko Junuzovic rückte häufig auf, während Clemens Fritz sich teilweise weit fallen ließ. Die Lücke im zentralen Mittelfeld konnte nie so richtig geschlossen werden. Der nächste Schritt für die Bremer muss es sein, innerhalb der Raute gute Mechanismen im Ballbesitz zu entwickeln. Die erste Halbzeit zeigte jedoch: Derzeit ist ihre Raute entzaubert.

Hinweis: Wenn Du feststellst, dass hier extremistisches Gedankengut verbreitet wird, Nutzer diskriminiert werden oder Diskussionen einen unschönen Ton annehmen, dann informiere uns bitte per Mail! Wir werden dann gegebenenfalls eingreifen. Diskussionen bei 11FREUNDE sollen sportlich und sauber ablaufen! Diskriminierung und Intoleranz werden von uns nicht akzeptiert! Niemals! Danke für deine Hilfe!