03.11.2013

Der Wandel der Eisernen

Union wird sexy

Seite 2/3: Sexy Union!
Text:
Michael Parensen (Protokoll: Sebastian Stier)
Bild:
imago

Köln und Union haben sich angenähert. Das sage ich nicht nur, weil wir in der Tabelle gleichauf sind. Bei Union ist in der jüngeren Vergangenheit viel entstanden, der Verein rüstet sich für die Zukunft. Die Infrastruktur wurde nicht nur durch den Stadionausbau Stück für Stück verbessert, genau wie die Mannschaft. Das heißt noch lange nicht, dass wir jetzt in allen Bereichen mit dem 1. FC Köln konkurrieren können. Aber wir befinden uns zumindest auf dem Weg dorthin. Auch wenn Köln deutschlandweit in naher Zukunft wohl immer noch mehr Beachtung erfahren wird.

In der Domstadt, wo ich bis zu meinem Wechsel nach Berlin spielte, ist Fußball das Gesprächsthema, und Fußball heißt in Köln immer auch FC. Man ist dort als FC-Spieler städtisches Kulturgut. Ich habe damals zwar nur in der zweiten Mannschaft gespielt, aber selbst als Fußballer der Reserve wurde man manchmal erkannt. Egal wo man in Köln auch hingeht, der FC ist immer präsent. In allen Kneipen laufen die Spiele. Ob im Norden, Süden, Osten oder Westen der Stadt – immer hängen Bilder, Trikots oder Schals in den Fenstern.

Eine Million FC-Trainer in Köln

Auch wenn ich nicht für alle Vereine in Deutschland sprechen kann, so glaube ich doch, dass es kaum eine Stadt hierzulande gibt, in der das Wohl und Wehe der Bewohner so stark von den Leistungen eines Fußballklubs abhängt wie in Köln. Das Interesse an allem, was den Verein betrifft, ist unglaublich groß. Leichter wird es für die Jungs dadurch nicht. Im Gegenteil. Auch als Spieler der zweiten Mannschaft habe ich gemerkt, wie viel Druck dort auf den Profis lastet. Es heißt ja immer, in Deutschland gibt es 82 Millionen Bundestrainer. Wenn dem so ist, gibt es gemessen an der Einwohnerzahl in Köln eine Million FC-Trainer. Verliert die Mannschaft also zwei, drei Mal in Folge, wird gleich heftig diskutiert und der Trainer steht infrage. In den Zeitungen ist dann von Krise und alldem die Rede. Das geht in Köln traditionell ganz schnell.

Als ich dann 2008 nach Berlin kam, freute ich mich in erster Linie also auf eins: Teil eines völlig unaufgeregten Fußballklubs zu sein. Mit Union hatte ich mich vorher in meiner Karriere nicht wirklich beschäftigt. Ich wusste aber, dass mein Wechsel erst einmal einen Rückschritt bedeuten würde. Mindestens einen. Vom 1. FC Köln zum 1. FC Union, das war 2009 nicht gerade sexy. Doch wie sich das bis heute geändert hat!

Inzwischen entscheiden sich Spieler bewusst für uns und gegen andere, größere Vereine. Von einer grauen Maus hinter Hertha kann keine Rede mehr sein. Nach der Insolvenz des MSV Duisburg hätte sich zum Beispiel Sören Brandy wohl jeden Klub in der Zweiten Liga aussuchen können. Und er entschied sich für: Union. Genauso Mario Eggimann. Der hatte auch Angebote von Teams aus der Bundesliga, kam aber wegen der guten Perspektive zu uns. Oder Martin Dausch. Der hat in der vergangenen Saison mit Aalen in der Alten Försterei gespielt und war von der Stimmung im Stadion so begeistert, dass er anschließend nach Köpenick wechseln wollte.

 
 
 
 
 
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