03.11.2013

Der Wandel der Eisernen

Union wird sexy

Am Montag treffen Köln und Union im Spitzenspiel der Zweiten Liga aufeinander. Michael Parensen kam 2009 vom FC nach Berlin – damals war das ein Rückschritt. Inzwischen haben sich die Klubs angenähert, denn auch die Eisernen sind nun Kulturgut.

Text:
Michael Parensen (Protokoll: Sebastian Stier)
Bild:
imago

Union punktgleich mit dem 1. FC Köln an der Spitze der Zweiten Liga. Wer hätte das vor drei oder vier Jahren für möglich gehalten? Wenn ich an unsere jüngste Entwicklung denke, fällt mir immer wieder die eine Geschichte ein, die ich vor fünf Jahren während meiner Anfangszeit hier in Berlin erlebt habe.

Wir hatten ein paar Tage frei, und ich machte mich auf den Weg nach Hause. Im Flieger nach Köln kam ich mit meinem Sitznachbarn ins Gespräch. Er wollte wissen, was ich so mache. »Ich bin Fußballprofi«, sagte ich. Er: »Ach echt, spielst du bei Hertha?« – »Nein, bei Union.« »Union? Wo spielen die denn jetzt? Auch im Olympiastadion? Ich dachte, die gibt’s gar nicht mehr.«

Ich habe mich doch sehr über diese Wahrnehmung gewundert und fand das ziemlich skurril. Geht doch gar nicht, dachte ich: Wie kann ein Berliner den 1. FC Union nicht kennen? Dass er aus Dahlem kommt, wo Union sicher nicht so viele Fans hat, lasse ich dabei als Entschuldigung nicht gelten.

Im Moment ist die Tabelle der Zweiten Liga für uns wie ein hübsches Mädchen, das man gerne anschaut. Nach knapp einem Drittel der Saison liegen wir auf Platz zwei. Und das auch nur, weil wir das schlechtere Torverhältnis gegenüber dem Spitzenreiter aus Köln aufweisen. Am Montag könnten wir mit einem Sieg im direkten Vergleich sogar am großen FC vorbeiziehen.

Es gibt trotzdem noch viele Fußballfans, die unserem Höhenflug mit Skepsis begegnen. Ob die das durchhalten? Gehören die denn wirklich nach da ganz oben? Hätten die bei einem Aufstieg überhaupt das Zeug für die Bundesliga?

Ähnlichkeiten mit Hamburg

Alles Fragen, die man immer wieder vernimmt. Alles auch Fragen, die sich aus der Historie heraus ergeben. Man muss sich ja nur einmal unsere Konkurrenz anschauen. Eingekreist von Köln und dem 1. FC Kaiserslautern, dazu die Spvgg Greuther Fürth, die gerade aus der Bundesliga kommt. Klubs mit großer Tradition und einer deutschlandweiten Wahrnehmung. Union dagegen ist seit jeher immer nur der Außenseiter gewesen. Schon zu DDR-Zeiten war man in Berlin sportlich lediglich die Nummer zwei in der Stadt – und auch jetzt wird Hertha BSC allgemein als der größte Klub Berlins angesehen. Die Situation ist ein bisschen mit der in Hamburg zu vergleichen. Dort gilt der FC St. Pauli als der Klub, der überall Sympathien einheimst. Aber die Nummer eins wird immer der Hamburger SV bleiben. Egal wie gut oder schlecht die gerade sind.

Wenn ein Verein wie der 1. FC Union also mit Schwergewichten wie Köln und Kaiserslautern um das gleiche Ziel streitet, ist die breite Masse natürlich skeptisch. Weil die anderen übermächtig erscheinen. Köln war ja mal Deutscher Meister, Kaiserslautern auch. Gefühlt ist die Zweite Liga für die nur ein Ausrutscher. Dabei ändern sich gerade im Sport die Dinge immer schneller. Tradition ist längst keine Versicherung mehr für sportlichen Erfolg. Manche Vereine wachsen, andere Vereine verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Einige nähern sich an, andere entfernen sich immer weiter voneinander.

 
 
 
 
 
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