Der vergessene Barca-Held aus Pforzheim

Mein Gott Walter

Emil Walter aus Pforzheim spielte zehn Jahre für den FC Barcelona, war Kapitän, gewann dreimal die Copa del Rey und die erste Meisterschaft des Klubs. In Deutschland ist er nahezu unbekannt. Warum nur?

Sammelkarte

Manchmal ist Fußball wie eine Schatzsuche. Selbst in der heutigen Zeit, in der sich eigentlich alles per Mausklick finden lässt, stößt man manchmal auf Gold, von dem man nicht mal wusste, das es existiert. Dabei hatte man doch angenommen, dass man ziemlich viel über Fußball weiß. Egentlich alles, vom Lieblingsgericht Andreas Brehmes 1982 (Eintopf) bis zum Jahr der einzigen Roten Karte Uwe Seelers (1970). Nichts kann einen überraschen.
 
Nur manchmal halt – wenn man sich ein bisschen in den Tiefen des Internets verirrt.
 
Da sucht man zum Beispiel nach einem aktuellen Spieler bei Real Madrid, verliert sich dann auf spanischen Wikipedia-Profilen von alten Real-Helden, klickt sich weiter zu noch älteren Clasico-Statistiken und landet irgendwann auf katalanischen Erinnerungsseiten zu längst vergessenen (oder immer schon unbekannten) Barca-Spielern wie Alfredo Amarillo oder Gonzalo Díaz Beitia.

Emil Walter – bitte wer?
 
Man übersetzt die Sätze mehr schlecht als recht, dann noch ein Klick da und einer hier – und plötzlich blickt man in ein Gesicht, das man noch nie gesehen hat, liest einen Namen, den man noch nie gehört hat. Plötzlich blickt man auf den Namen Emil Walter.
 
Emil Walter, steht da, wurde am  7. April 1900 in Brötzingen in Pforzheim geboren und spielte zehn Jahre beim FC Barcelona.
 
Bitte was?
 
Also noch einmal: Emil Walter, ein Junge aus Pforzheim, war Jugendspieler des örtlichen Fußballkubs Germania Brötzingen. Er war Verteidiger, hatte einen Mordsschuss und spielte bereits im Alter von 16 Jahren in der ersten Mannschaft mit.
 
Nach seiner Schullaufbahn arbeitete er zunächst als Kaufmann in Pforzheim, doch weil es im Deutschland der frühen zwanziger Jahre nichts zu verdienen gab, nahm er das Jobangebot einer Firma in Katalonien an. Das Fußballspielen wollte er allerdings nicht aufgeben, also spielte er beim Amateurklub Unió Esportiva Figueres vor. Er überzeugte.

»Wenn Emilio abzog, erzitterte die Luft«
 
Auch in Figueres liebten ihn die Mitspieler und Trainer wegen seiner immensen Schusskraft. In einer Vereinschronik ist ein Zitat des damaligen Managers Josep Jou zu lesen: »Wenn Emilio abzog, erzitterte die Luft.« In einem Spiel soll er sogar mal das Tornetz durchlöchert haben – ein Schuss, der ihn über Nacht zumindest in Katalonien bekannt mache.
 
Am nächsten Tag stand nämlich der FC Barcelona auf der Matte und lotste den Deutschen in die 150 Kilometer südlich gelegene Metropole. Der Verein zählte damals zwar schon 10.000 Mitglieder, dennoch steckte der spanische Fußball noch in den Kinderschuhen. Profis gab es noch nicht, nicht mal ein überregionales Ligasystem.

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